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NATÜRLICH SYLT
Auf in die Plastikfreiheit

Initiative »Bye Bye Plastik Sylt« sagt dem Einmalplastik der Insel den Kampf an.

Sorgfältig von Plastik ummantelt, schmiegen sich die Gurken im Supermarkt aneinander. Feinste Bio Qualität. So fein, dass sie ein eigenes quarantäneartiges Kunststoffzelt tragen dürfen. Nach der nackten Gurke ohne Öko-Zertifikat greifen oder doch lieber die mit dem hautengen Regencape? Für die Sylterinnen Heike Werner und Carin Winkler, zwei Mütter und selbständige Unternehmerinnen, ist das Thema »Einkauf« perfektionierte Routine. Ohne eigene Einkaufstaschen sowie wiederverwendbare Obst- und Gemüse-Netze verlassen die beiden Initiatorinnen von »Bye Bye Plastik Sylt« nicht das Haus. Sie kaufen, konsumieren und leben, so gut es ihnen möglich ist, plastikfrei. So sieht es ihre eigene und auch die Philosophie ihrer umweltschützenden Initiative vor. Im Juni sind die beiden Frauen mit »Bye Bye Plastik Sylt «online gegangen. Seinen Ursprung hat das Projekt im Nachbarland Dänemark auf Bornholm, wo die deutsche Autorin und Walforscherin Steffi Schroeter es im Herbst 2018 erstmals ins Leben rief. Der Wal ist hierbei Signalfigur, um besonders auf die Bedrohung der Meeressäuger durch die Plastikflut aufmerksam zu machen. Carin und Heike betreiben »Bye Bye Plastik Sylt« vollkommen unentgeltlich, ehrenamtlich und ganz sicher ohne eigenen Nutzen. Einzig und allein das Wohl der Insel und der Kinder liegt in ihrem Fokus. »Sylt hat bei der Europawahl im Mai eindeutig Klimaschutz gewählt. Dieses Ergebnis hat mich bewegt und ich habe mich dazu aufgefordert gefühlt, zu handeln. Und zwar jetzt und nicht erst morgen«, erzählt die studierte Orientalistin und Fastenhausbesitzerin Heike Werner von der Geburtsstunde von »Bye Bye Plastik Sylt«.

Wie goldrichtig sie mit dieser Entscheidung lag, die Insel in Richtung Plastikfreiheit zu bewegen, zeigt die »Mordsresonanz« auf allen Kanälen. Täglich klingelt das Telefon, E-Mail-Anfragen trudeln zahlreich ein, bei Facebook und Instagram wird geteilt, geliked und kommentiert. »Alle wollen unseren Smiley«, bringt Carin Winkler, Physiotherapeutin und Appartementvermieterin, es auf den Punkt. Doch wozu? Was hat der farbenfrohe Sticker mit Wal-Motiv für eine Bedeutung und wie kann er der Insel Gutes tun? Ganz einfach: Die Initiative sagt dem Einmalplastik den Kampf an und zeichnet Sylter Unternehmen aus, die plastikfrei agieren und bestimmte Kriterien erfüllen. Der erste Aufkleber ging an Thomas Urmersbach von der Strandsauna Sylt in Rantum. Seit jeher arbeitet er trotz aufwändiger Schlepperei nur mit Glasflaschen, Kaffee gibt es nur in Porzellan, Handtücher werden selbstgewaschen und luftgetrocknet, somit entfällt die übliche Folienverpackung der Wäscherei. Bye Bye Plastik Sylt-Smiley Nummer zwei ging an Mario Witt, Betreiber der Crêperie am Meer, der schon seit Jahren an der ökologischen Nachhaltigkeit seines Strandlokals arbeitet. Er verzichtet auf Einwegplastik vor und so gut wie möglich auch hinter dem Tresen. Wer seinen Cappuccino mitnehmen möchte, bekommt den Recup, ein Mehrwegbecher mit Pfandsystem, der im vergangenen Jahr nach einer erfolgreichen Testphase inselweit eingeführt wurde. Der selbst geröstete Kaffee wird in leeren Schokocremegläsern abgefüllt, wer einen Strohhalm wünscht, bekommt Makkaroni. So einfach kann es gehen.

Und das Schöne daran: Das Verhalten der bereits ausgezeichneten Sylter Betriebe scheint im positiven Sinne abzufärben, denn den Smiley kann man eben nur bekommen, wenn man auch was dafür tut. Auch, wenn eine radikale oder sofortige Umstellung nicht für alle möglich ist, so zählt jeder einzelne Schritt in die Plastikfreiheit. »Wir arbeiten mit Belohnung, eine Strategie, die funktioniert, denn die Leute machen sich Gedanken, das merkt man. Und doch müssen wir mehr miteinander reden. Kommunikation ist der richtige Weg, wenn wir eine nachhaltige Insel haben wollen«, macht Heike Werner deutlich. Dass sich auf Sylt einiges tut, fällt deutlich auf. So organisiert der Surf Club Sylt e .V. seit über zehn Jahren im März einen Beach Clean Up, die von Sylter Schülerinnen und Schülern gegründete Plastik Crew, die einzelnen Gemeinden und die Naturschutzgemeinschaft e.V. initiieren regelmäßige Säuberungsaktionen, welche die Sylter Natur wieder ein Stückchen sauberer machen sollen. Gemeinde Sylt-Bürgermeister Nikolas Häckel zeigt sich ebenfalls engagiert und hat im Tausch gegen jenen Smiley unter anderem prompt Zellophangeschenkverpackungen abgeschafft und das Luftballonverbot bei Hochzeitenverschärft. Sogar die Proteste der schwedischen Greta Thunberg haben auf der Insel Anklang gefunden. Durch »Bye Bye Plastik Sylt« allerdings hat das Thema Umweltschutz noch einmal so richtig Fahrt aufgenommen. So gibt es mittlerweile Einwegplastikverbote für die auf der Promenade sattfindenden Großevents. »Auf der Kieler Woche habe ich ein Spülmobil für das Geschirr gesehen. Für die Surf Cups wäre das sicherlich einer machbare Alternative«, berichtet Heike. Ideen hat das Power-Duo viele, Elan und Leidenschaft ebenfalls. »Aber man darf seine eigene Energie auch nicht verpulvern«, sind sich beide einig.

Doch ist es mit diesen zahlreichen Maßnahmen überhaupt getan oder ist es nicht ohne hin schon zu spät? Spielt es eine Rolle, ob im Westerländer Rathaus statt Plastiksahnekännchen Porzellan oder in der Sylter Gastronomie keine Strohhalme mehr verwendet werden, man das Gemüse endlich nicht mehr in der Plastikverpackung, sondern auf dem Markt in der eigenen Tupper dose kauft ? Betrachtet man das Verhalten vieler global operierender Großkonzerne in den unterschiedlichsten Branchen, ist das eigene Verhalten womöglich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn, was oftmals durch Lobbyismus in Vergessenheit gerät: Die Ursache der Probleme liegt nichtallein in der Entsorgung unseres Mülls, sondern in der Entstehung. Es müssen Alternativen her, die die Kunststoffproduktion nachhaltig zurückfahren. Ja, wir hätten schon früher aufwachen, uns unser eigenes Konsumverhalten vor Augen führen und es überdenken müssen. Es wäre naiv zu behaupten, die Insel wäre Vorreiterin Sachen Umweltschutz. Es wird jetzt aktuell viel getan, das ist richtig. Wichtig ist es in jedem Fall, auch wenn man sich Tag für Tag aufs Neue nach dem Müll der Mitmenschen bücken mag, den Kopf nicht in den Sand zu stecken oder gar in eine Art grüne Depression abzudriften. Es mag Prognosen geben, die alles andere als rosig aussehen, aber noch ist es nicht zu spät. »Alle müssen etwas tun. Es funktioniert nur, wenn Leute mitmachen, Politik und Menschen müssen an einem Strangziehen. Wenn 18.000 Sylter pro Tag ein Stück weniger Plastik verwenden, macht das 6.570.000 Teile übers Jahr. Dann sind da natürlich noch die rund 960.000 Gäste pro Jahr mit über 7 Millionen Übernachtungen. Stellt euch vor, die machen auch noch mit!«

Text: Julia Petersen

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