© Martin Haake

Menschen am Strand

Eine Typologie

Die Sehnsucht nach Strand ist nichts, was auf der menschlichen DNA verankert wäre. Obwohl die weltweiten Urlaubsentscheidungen das Gegenteil suggerieren. Aber: Strände waren bis vor 250 Jahren zu nullkommanix Sehnsuchtsorte. Vielmehr Inbegriff von Gefahr und drohendem Unheil. Naturgewalten und wilde Stürme konnten Existenzen und Leben in einer Nacht zerstören. Am Strand erwartete den Mensch nicht selten Gewalt durch Feinde und Piraten. Verfaulte Lebensmittel von gekenterten Schiffen und eingeschleppte Krankheiten der Seeleute bedrohten die Gesundheit. Reichlich Grund jedenfalls, Strände ausschließlich zum Broterwerb oder zur Strandräuberei zu betreten.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhundert waren es Genies wie Johann Wolfgang von Goethe oder Romantiker wie Caspar David Friedrich, die sich von den Küsten der Meere inspirieren ließen und sie in Wort und Bild kunstvoll verewigten. Etwa zeitgleich machten fortschrittliche Mediziner Mut, nicht nur in Flüsse und Seen, sondern auch mal ins Meer zu hüpfen. Die wohltuende Wirkung des Seeklimas wurde in den kommenden Jahrzehnten intensiv gepriesen und von immer mehr Menschen entdeckt. Einheimischen blieben den Lustbarkeiten des Strandes gegenüber lange Zeit reserviert.

Westerland wurde 1855 Seebad und zählte in seiner ersten Saison ganze 100 Sommerfrischler. 168 Jahre später verzeichnet die Insel Sylt knapp eine Million Gäste. Illustrator Martin Haake hat für die „Natürlich Sylt“ mal eine Typologie der Strandgänger im Hier und Jetzt entwickelt. 

 

Ausgezeichnet!

MARTIN HAAKE

Martin Haake arbeitet international als freier Illustrator. Nach Jahren in Hamburg und London lebt er jetzt in Berlin. Zu seinen Kunden zählen die „New York Times", das „Wall Street Journal“, „National Geographic“ und auch wir von der Sylt Marketing konnten den vielfach preisgekrönten Kreativen schon für Projekte gewinnen. So auch für die Idee, die klassischen Sylter Strandtypen in einem exklusiven „Wimmelbild“  zu porträtieren.

Der Berliner ist mit dem Thema Küste und Meer innig verbunden: Sein jüngstes Buch, das er zusammen mit Autorin Judith Homoki veröffentlicht hat, heißt „Am Meer“. Es erklärt die Welt der Küsten im großen Format und lässt die Betrachter entlang der Ozeane der Erde reisen. Ein Bilder- und Sachbuch mit Karten, spannenden Geschichten und erstaunlichen Fakten.

 

Sylter Strandtypen

Unter den Sylter Friesen gibt es bis heute etliche, die schon seit Jahren nicht mehr am Strand waren. Radikale „Strandmeider“ unter den Gästen sind dagegen eine verschwindend geringe Minderheit. Ob Local oder Gast - wie nun jeder Einzelne das Strandvergnügen entlang unserer 40 Kilometer Westküste zelebriert, ist bunt wie das Leben. Wir haben ein paar „gängige Strandtypen“ in Wort und Bild porträtiert:

 

Die Frühbadenden

Ausgeprägte Individualisten mit Hang zu "liebenswerter Kauzigkeit"

Illustration Die Frühbadenden
© Martin Haake
  • Kommen im Sommer zwischen 6 und 9 Uhr. Verbleiben selten länger als fünf Minuten im Wasser.

  • Tragen Bademantel mit nix drunter oder maximal Jogginglook.

  • Lassen sich weder von Wind noch von Wetter in ihren Badegewohnheiten erschüttern.

  • Die Ambitionierten baden bis tief in den November hinein und zelebrieren ihr Morgenritual spätestens ab Mai. Die Ultras baden im Winter durch.

  • Hohe Frühbaderdichte Übergang Seestraße in Wenningstedt, Sturmhaube in Kampen, Badestelle am Morsumer Watt.

Die Frühbadenden

Die Frühbadenden meiden den Hype und sind nie da, wo „alle“ sind. Frühbadende tauchen im Sommer zwischen 6 und 9 Uhr an all jenen Stränden auf, die eine kurze Zuwegung besitzen. Dresscode: Bademantel mit nix drunter oder maximal Jogginglook. Frühbadende kommen generell „ungefrühstückt", tauchen zumeist entschlossen, gern nackt, in den Wellen ab, verbleiben selten länger als fünf Minuten im Wasser, bauen im Vor- oder Nachgang gymnastische Übungen ein, und sind so schnell wieder weg, wie sie aufgetaucht sind. Sie werden für den Rest des Tages meistens nicht mehr in Strandnähe gesichtet. Weder von Wind noch von Wetter lassen sie sich in ihren Badegewohnheiten erschüttern und bezeichnen ihr morgendliches Ritual gerne als „mein Lebenselixier“. Der Anteil Sylter Locals an der Referenzgruppe „Frühbadende“ ist hoch, ebenso wie der Altersdurchschnitt. Die Ambitionierten baden bis tief in den November hinein und zelebrieren ihr Morgenritual spätestens ab Mai. Die „Ultras“ baden im Winter durch - inselweit sind das aber nicht mehr als gut zwei Dutzend Einheimische. Frühbadende wird man kaum aktiv beim Westerländer „Weihnachtsbaden“ oder dem „Neujahrsbaden“ in Wenningstedt antreffen. Es wäre unter ihrer Würde, aus ihrem stillen Vergnügen ein Spektakel zu machen. 

Die Strandcliquen

Zwischen Strandfreundschaft und Schicksalsgemeinschaft

Eine Gruppe Menschen sitzt am Strand
© Martin Haake
  • Treffen sich alle Jahre wieder in den Sommerferien am selben Strandabschnitt.

  • Kommen nach einem ausgedehnten Frühstück mit Sack und Pack und bestem Proviant zusammen.

  • Raues Wetter provoziert Ausgelassenheit, Vertrautheit und Spielfreude. „Cliquen de luxe" tauchen nur bei Sonnenschein auf.

  • Nicht selten entstehen in der Sylter Sommerfrische Freundschaften fürs Leben, manchmal auch Liebe. 

  • Mitglieder von Strand-Cliquen brauchen Platz für ihr Equipment und das Zubereiten des Proviants.

  • Hohe Cliquendichte an den Lister Weststränden, Buhne 16 in Kampen und Samoa in Rantum. Local-Strandcliquen: Strandübergang Risgap, Wenningstedt.

Die Strandcliquen

Über Jahrzehnte, nicht selten in vier Generationen, treffen sich Menschen dieser Referenzgruppe alle Jahre wieder in den Sommerfreien der schulpflichtigen Kinder am selben Strandabschnitt. Sehr easy: Man spinnt Strandfreundschaften dort weiter, wo man im letzten Sommer aufgehört hat. Eingefleischte Sylter Strandcliquen brauchen wenig bis kein Alternativprogramm. Sie kommen nach einem ausgedehnten Frühstück mit Sack und Pack und bleiben bis in den Abend hinein mit bestem Proviant und favorisierten Spielen und Gesprächen zusammen.

Über die Jahre werden die Freundesgruppen zu Schicksalsgemeinschaften. Auch weil man schon Sommer gemeistert hat, in denen es zwei Wochen lang aus West windete und die Sonne sich selten blicken ließ. Denn: Gerade raues Wetter provoziert Ausgelassenheit, Vertrautheit und Spielfreude und sorgt für die eigentlichen Glücksmomente. Meistens lieben es Strandcliquen puristisch und brauchen außer ihrer favorisierten Beach-Accessoires nicht viel.

Der wunderbare Effekt, in den Ferien Wiederkehr in der Sylter Natur zu erleben, ist pädagogisch für die Jüngsten wertvoll und fördert die psychologisch oft bemühte Resilienz. Unter Heranwachsenden entstehen in der Sommerfrische oft Freundschaften fürs Leben, manchmal auch Love. Spätere Geschäftsverbindungen und Familiengründungen sind nicht ausgeschlossen. Selten sind Mitglieder von Strand-Cliquen im Hotel untergebracht: Sie benötigen für sich, ihr Equipment und das Zubereiten des Proviants den Platz von Ferienwohnung oder Haus, gerne auch im eigenen Besitz.

Die Strandclique in Sylter Local-Variante funktioniert ähnlich: Sobald der Arbeitsplan es zulässt, geht man an seinen Stammstrand, an dem man vorher weiß, wen man dort garantiert antreffen wird. Möchte man allein sein, muss man woanders hin. Die Eltern updaten sich in allen wichtigen Fragen. Die Kinder spielen vertieft und könnten nicht glücklicher sein.

Es gibt aber auch "Cliquen de luxe“, die nur bei Sonnenschein auftauchen, für die das Equipment identitätsstiftendes Statussymbol ist wie das Auto auf dem Strandparkplatz. Die Deluxe-Clique lagert eigentlich ausschließlich in der Nähe von Strandversorgungslokalen.

Die sportlichen Aktivlinge

Lasset die Spiele beginnen

Illustration Die sportlichen Aktiven
© Martin Haake
  • Joggende haben Stöpsel in den Ohren und Technik zum Tempo- und Bioparametermessen am Arm.

  • Wellenreitende sorgen für dramaturgische Höhepunkte an Land und zu Wasser.

  • Sind untereinander über den „Swell" und alle relevanten Themen in beständiger Kommunikation.

  • Beachvolleyball-Teams bilden sich überall da, wo Netze sind.

  • Kostenlose Strandgymnastik und individuelle Fitness-, Pilates-, Meditations- und Yoga-Angebote gibt es an allen Hauptstränden entlang der Westküste.

Sportliche Aktivlinge gibt es in mehreren Unterkategorien, darunter
Die Joggenden

Im Sommer nur morgens, im Winter ganztägig anzutreffen. Tragen fast alle Stöpsel in den Ohren und Technik zum Tempo-und-Bioparametermessen am Arm. Bei Hochwasser sind die Laufenden oft mit finsterer Miene unterwegs, weil man mit den Hightech-Schuhen einsinkt und mit nassen Füßen und schräger Körperhaltung seine Tempohärte nicht halten kann. Unter den Sylter Strandläufer*innen findet sich aber auch häufig die Kategorie Laufanfänger in Me-Time-Modus, manchmal sogar in Begleitung eines Personal Trainers: „Ich hab’ Urlaub! Wenn nicht jetzt, wann dann?“ heißt die berechtigte Frage zum Vorsatz.
 

Die Wellenreitenden und andere Wassersport*innen

Für Kiter gibt es ausgewiesene Spezialstrände, die fallen optisch nicht so ins Gewicht - außer am Ellenbogen. Die Spezies der Sylter Wellenreiter ist vielerorts die große Attraktion für die anderen Strandtypen. Sie sorgen für dramaturgische Höhepunkte - wie auch plötzlich auftauchende Schweinswale oder Rettungsschwimmereinsätze. Surf-Anfänger tummeln sich an den Schulungsspots, z.B. Hörnum am K4-Strand oder am Abschnitt Risgap in Wenningstedt. Wellenreitende aller Preisklassen sieht man vor dem „Surf Club“ am Brandenburger Strand in Westerland. Unter den Wellenreiter*innen ist der Local-Anteil extrem hoch. In Kombination aus Wind-und-Welle-App-Vorhersagen (z.B. Windfinder) und kurzer persönlicher Sichtung wird an wellenrelevanten Tagen Neo und Brett geschnappt und alles andere stehen- und liegen gelassen. Unabhängig von der Jahreszeit. Die besten Sylter Surfspots variieren von Jahr zu Jahr, je nachdem was Strömungen und Stürme verändert haben. Wellenreiter*innen sind untereinander über den „Swell“ und alle relevanten Themen in beständiger Kommunikation.

Die Volleyball-, Beachball- und Soccerspielenden

Sie haben eine hohe Schnittmenge mit den Strandcliquen. Viele Cliquen-Members sind auch Mitglieder in den ständig neu besetzten Teams, die sich überall da bilden, wo Netze sind - z.B. an den Lister Weststränden. Es werden täglich Matches ausgetragen, mit mehr oder weniger großem Ehrgeiz, manchmal gibt es auch offizielle Turniere („Kampen Cup“ an der "Buhne 16“ - seit 42 Jahren!). Sehr sportlich: die Community an Wenningstedts Campingplatzstrand und die Fans des Lister und Hörnumer Oststrandes.

Die Turnenden

Kostenlose Strandgymnastik gibt es an allen Hauptstränden entlang der Westküste. Unter den Traditionsgästen gibt es etliche, die während ihres Aufenthaltes keine Sport-Stunde auslassen. Und das seit Jahrzehnten und bei jedem „Wedder“. An allen Stränden gibt es individuelle Fitness-, Pilates-, Meditations- und Yoga-Angebote, die vor Ort aus eigener Tasche bezahlt werden.

Die Wandernden

Pilgernde am Flutsaum

Illustration Die Wandernden
© Martin Haake
  • Hohes Aufkommen insbesondere im Frühjahr und Herbst zwischen 11 und 18 Uhr zwischen Westerland und Kampen.

  • Tragen Funktionskleidung und hoch gekrempelte Hosenbeine.

  • Weit verbreitet ist das Sammeln und Suchen von Muscheln oder Bernstein.

  • Sind Begleithunde dabei, dann zumeinst mit neonfarbenen Laufleinen.

  • Sind mit kleinem Proviant-Rucksack und Wasserflasche unterwegs.

Die Wandernden

Die Prozession der Flutsaumgänger variiert nach Jahreszeit. Gerade im Frühjahr und Herbst zwischen 11 und 18 Uhr ist das Aufkommen der Wandernden zwischen Westerland und Kampen sehr hoch. Jenseits dieser Zone ist einsames Laufen, Gehen und Schlendern überall und jederzeit möglich. Im Winter sowieso. In den Sommermonaten sind die zumeist mit kleinem Rucksack und Wasserflasche Ausgestatteten angesichts der anderen Strandgänger-Spezies nicht so augenfällig. Sonstige Merkmale: Funktionskleidung und hoch gekrempelte Hosenbeine. Im Winter: übertrieben polartaugliche Kleidung. Das Sammeln und Suchen von Muscheln oder Bernstein ist in dieser Spezies verbreitet. Eine gewisse Ernsthaftigkeit beim Strandwandern auch. Sind Begleithunde am Start, dann sind sie zumeist mit neonfarbenen Laufleinen ausgestattet.

Die Körbchenfraktion

Im Strandkorb zuhause

Menschen sitzen im Strandkorb
© Martin Haake
  • Haben tägliche Strandzeiten, die in der Länge einem Arbeitstag gleichkkommen.

  • Keine Schönwettergäste. Bei Schietwetter wird der Korb gegen den Wind gedreht und der Dinge geharrt - mit Buch, Wollpulli und Thermoskanne.

  • Strandkorb wird weit im Voraus gebucht oder man hat ohnehin einen Jahreskorb mit seit Jahren gleicher Nummer.

  • Nicht alle, aber viele Körbchenfans schätzen das tägliche Brandungsbad.

  • Hohe Körbchendichte am Westerländer Hauptstrand und an allen FKK-Stränden und Hundestränden.

Die Körbchenfraktion

Ähnlich wie die Strandcliquen halten die Zugehörigen der Körbchenfraktion die Sylter Strandkultur hoch. Sie kommen oft seit Jahrzehnten jedes Jahr und bleiben gerne länger als die durchschnittlichen 7,4 Tage. Sie sind keine Schönwettergäste und haben tägliche Strandzeiten, die in der Länge einem Arbeitstag gleich kommen. Bei Schietwetter wird der Korb gegen den Wind gedreht. Man nimmt ein Luftbad und harrt der Dinge - mit Buch, Wollpulli und Thermoskanne. Die Körbchenfraktion kommt mit der Strandtasche ihres Vertrauens gerne per Rad an den Übergang.

Das Strandsitzmöbel als eine Art Urlaubsheimat bucht man weit im Voraus oder man hat ohnehin einen Jahreskorb mit seit Jahren gleicher Nummer. Der Standort variiert eigentlich über Jahrzehnte nicht - außer es ist was Schlimmes passiert. Die Körbchenfraktion kennt die Lebensgeschichte aller Kurkartenkontrolleure, Korbwärter und Rettungsschwimmer und hütet deren Geheimnisse. Man schätzt das Vertraute, sucht aber keine ausgelassene Geselligkeit.

Die Sonnencreme ist seit Jahrzehnten vom selben Hersteller, hat mit den Jahren bloß einen höheren LSF bekommen. Nicht alle, aber viele Körbchenfans schätzen das tägliche Brandungsbad. Das große Strandhandtuch wird maximal einmal pro Saison gewechselt, ist am Ende der Ferien schwer wie Blei und trägt zum guten Urlaubsgefühl bei. Es ist unbedingt an den Rändern ausgefranst, das beweist, wie lange man schon kommt. Der Proviant besteht aus geschnippeltem Obst und beschmierten Brötchen. An Stränden ohne Korb gibt es einen ähnlichen Typus, der lagert einfach genüsslich direkt auf dem Sand. In der Körbchenfraktion ist der Anteil an FKK-Freund*innen und Hundebesitzern überproportional hoch.

Die Sundowner

„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt"

Menschen stehen auf Holzplattform und schauen dem Sonnenuntergang zu
© Martin Haake
  • Versammeln sich, wenn sich ein Sonnenuntergang mit orangener Kugel anbahnt.

  • Bringen ihr Getränk mit oder kommen an die Spots, wo die Gastronomie entsprechend eingestellt ist.

  • Sehr beliebt für das Sunset-Ergeignis sind die hohen Dünenplattformen entlang der Westküste.

  • Sonnenuntergänge taugen nichts, wenn sie nicht auch fotografiert und die Fotos an die Liebsten daheim verschickt werden.

  • Sonnenuntergangfans versichern: „Kein Sunset ist wie der nächste!"

Die Sundowner

Viele Sonnenuntergangsfans waren bereits den ganzen Tag am Strand, machen sich zuhause schick, essen schön und kommen zurück, wenn sich ein Sonnenuntergang mit orangener Kugel anbahnt. Entweder sie bringen ihr Getränk mit oder kommen an die Spots, wo die Gastronomie entsprechend auf dieses Bedürfnis eingestellt ist. Selten, aber auch vertreten: Menschen, die ausschließlich zum Sonnenuntergang Richtung Strand pilgern, ihren Platz entlang der Westküste beziehen und im Anschluss direkt in Bars, Kneipen oder Clubs gehen. Sehr beliebt für das Sunset-Ereignis: die hohen Dünenplattformen wie z.B: an der Westerländer Himmelsleiter. Gerne mit von der Partie: ein kleines Kissen für den Popo und Getränke mit Umdrehung. Gefeiert werden Sonnenuntergänge oft auch von den Strandcliquen, die einfach geblieben sind. Bei diesem Erlebnis obligatorisch: Sonnenuntergänge taugen nichts, wenn sie nicht auch fotografiert und die Fotos an die Liebsten daheim verschickt werden können. Das zerstört zwar manchmal das eigentliche Erleben. Aber Sonnenuntergangsfans versichern: „Kein Sunset ist wie der der nächste!“ Was zu beweisen wäre.

In bester Gesellschaft

Hier nicht dargestellt, aber ebenfalls als Strandgänger nicht zu unterschätzen

Business-People

Für ein Meeting auf Sylt und noch schnell im Anzug an den Strand

Ja-Sager

Gesellschaften von Strandtaufen und -hochzeiten

Eine Klasse für sich

Pädagog*innen mit ihren Zöglingen auf Klassenfahrt

Kurschatten

Reha-Patient*innen in therapeutischer Mission

Warum ist´s am Meer so schön?

Kolumne von Imke Wein

00:00

 

6.520.000 Ergebnisse spuckt Google aus, gibt man die Suchbegriffe „Zitate & Meer“ ein. Da ist viel Schönes dabei wie: „Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit“. Aber eben noch viel mehr Kalenderspruchweisheit, die das Stilempfinden trifft, wie die Nesseln einer Qualle bei Ostwind - à la: „Egal, wie viel Geld Du hast, am Strand ist Meer.“ Sei’s drum. Alles Geschmacksache. Und auf die Schlussfolgerung hat die Qualität der Ergüsse eh keinen Einfluss: Die Sehnsucht nach Horizont, nach Sand zwischen den Füßen, nach Wellengeplätscher, dem Rhythmus von Ebbe und Flut, der Urgewalt des Ozeans berührt offenbar die Seele weit mehr als der Anblick eines Baggersees - egal, ob Du Thomas Mann bist oder Gelegenheitsdichter.

Meer inspiriert, verzückt, entrückt, ist eine existentielle Erfahrung, Sehnsuchts- und Kraftort. Nur getoppt von der Inspirationswucht der romantischen Liebe und ihrer Unbill. („Liebe & Zitate“ = 37,8 Millionen Ergebnisse bei Google.)

Auf die Frage, wieso Menschen aller erdenklichen Lebenshintergründe denn nun eigentlich so gerne am Meer rumlungern (alle außer ein paar Sylterinnen und Sylter vielleicht, die nachweislich lieber in ihren Gärten Kräuter zupfen als an den Strand zu gehen) gibt es haufenweise Studien und psychologische Erkenntnisse.

Alle Studienergebnisse der Welt hier in einer Kurzversion: 

1. Unter allen Naturlandschaften hat Wasser die beruhigendste Wirkung. Für zwischendurch hilft da also auch ein Tümpel. Allein das Meer ermöglicht jedoch ein allumfassendes Sinneserlebnis: Das blau-grün-türkisfarbene Lichtwellenspektrum wirkt nachweislich stressmindernd (wobei die Nordsee eher selten Türkis zu bieten hat, keine Ahnung, ob sich das irgendwie auf das Ergebnis der Studie auswirkt!).

2. Der Blick auf den Horizont suggeriert die sonst seltene Wahrnehmung von Unendlichkeit, das kann selbst der Offshore-Park vor Sylt nicht zerstören. Die Geruchssinne werden mit einer salzig-klaren Frische (mit unterschiedlichen Subnoten) beglückt ebenso wie die Geschmacksknospen.

3. Die Aerosole und das Bad im Meer vitalisieren und stärken die Lunge und das Immunsystem. Die im Sommer oft unmittelbare Berührung der Haut mit Wasser, Sonne, Sand schafft Verbindung zwischen Körper, Geist und dem großen Ganzen. Die sensorische Ebene erdet und macht die Ursprünglichkeit fühlbar. 

Frau springt glücklich umher
© Martin Haake

4. Die Wellenmelodie wirkt auf das Gehirn wie eine Meditation - wird daher auch in Traumatherapien eingesetzt und natürlich in jedem Spabereich mit profaneren Absichten.

5. Die Urgewalt und Größe des Ozeans minimiert die persönlichen Sorgen und das Gefühl von eigener Bedeutsamkeit - diese Wirkung sollte man gezielt in der Politik einsetzen.

Alles in allem Erkenntnisse, die einen besonders als Meeresanwohnerin im Wissen bestärkt, dass man die geballte Pracht für Wohlbefinden, Balance und Charakteroptimierung einfach mal so vor der Haustür hat.

Dazu kommt auf Sylt noch eine Zugabe: Bei uns kann man fast nirgendwo von der eigenen Terrasse direkt an den Strand fallen. Man muss Holzwege beschreiten, durch Dünenlandschaften spazieren, hoch und runter durch tiefen Sand stapfen, bevor sich Sehnsucht erfüllen kann und man den Kosmos der sinnlichen Herrlichkeiten endlich betritt. Ähnlich also wie in der Liebe und an Weihnachten. Anbahnung und Vorfreude ist einfach die Kirsche auf der Torte.

Sie benutzen offenbar den Internet Explorer von Microsoft als Webbrowser, um sich unsere Internetseite anzusehen.

Aus Gründen der Funktionalität und Sicherheit empfehlen wir dringend, einen aktuellen Webbrowser wie Firefox, Chrome, Safari, Opera oder Edge zu nutzen. Der Internet Explorer zeigt nicht alle Inhalte unserer Internetseite korrekt an und bietet nicht alle ihre Funktionen.