© Sven Erberich I Sylt Marketing

Natürlich Sylt

Sommer 2026

BLAU

…blau, blau ist alles, was ich habe

Psychologische Studien haben ergeben, dass je höher der IQ, desto stärker fühlen sich Menschen von der Farbe Blau angezogen. Was das bei all dem Blau von Himmel und Meer im Sylter Sommer im Rückschluss bedeuten könnten, lassen wir mal offen und wenden uns in der Blau-Ausgabe der „Natürlich Sylt“ drei total blauen Themen zu. Begleitend zum Lesen-Hören-Sehen sei der Song „Blau“ von Kraftclub empfohlen oder das „Kind of Blue“-Album von Miles Davis. Dazu wahlweise ein „Blue Curaçao“ (seit der WM wieder angesagt) oder vielleicht auch Blaubeerpfannkuchen. Aus der Vielfalt der blauen Themen des Sylter Sommers haben wir uns am Ende für Blau in der Mode, Blau unter Wasser und Blau in der Kunst entschieden.
Die Sylter Fashion-Ratgeber der ersten Liga, Roy und Simone Komorr, verraten, warum sie ihre Jeans gerne im Kühl- bzw. Gefrierfach lagern. Drei zeitgenössische Sylter Künstler sprechen im Interview über ihre Sicht auf die Farbe Blau. Und dann verraten die Sylter Taucher Helge Bennewitz und Moritz Berlin, welche Farbe unten in der Nordsee eigentlich vorherrscht und ob sie dort auch schonmal einen Hai gesehen haben…

Und weil Blau eindeutig auch eine höchst poetische Ebene hat. Zur Einstimmung ein Gedicht:

Wenn alles Blau der Welt verblasste,
und Meer und Himmel farblos blieben,
wo fänd dein Sehnen Zuflucht noch
und wo dein Träumen süße Tiefen?
(Hans Munch *1978)

© Maike Rudloff
© Helge Bennewitz
© Sven Erberich l Sylt Marketing
© Lars Wiggert
© Sven Erberich l Sylt Marketing
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AM STRAND MIT SIMONE & ROY

Jeans? Eisgekühlt, bitte!

Mit allen erdenklichen Accessoires und einem stabilen Look in Blau, haben wir uns mit den Sylter Modeexperten Simone und Roy Komorr am „Onkel-Johnny-Strand“ in Wenningstedt getroffen. Für ein Shooting - ganz so, als wäre es für das Editorial eines Fashionmagazins.

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„Was ziehe ich heute an?“ Die allermeisten Menschen finden die Antwort auf diese Frage wohl doch konventionell im Kleiderschrank. Eventuell auch mal auf dem Stapel neben dem Bett oder im Koffer. Raw-Denim-Aficionados wenden sich in dieser Angelegenheit allerdings an den Ort, der auch steinharte Pizzen, Gemüse und die Würfel für den Drink beherbergt: „Bei meinem Mann liegen die Jeans gerne im Eisfach. Das bewahrt das tiefe Blau sehr lange und spart die Wäsche“, weiß die Gemahlin über die exotischen Gewohnheiten ihres Liebsten.

 „Ich trage tatsächlich fast nur Jeans. So gut wie immer die von ,Nudie’, das ist ein Label aus Göteborg. Die produzieren mit Bio-Baumwolle und die Hosen sitzen perfekt“, meint der Mann, dessen Westerländer Geschäft so heißt, wie er: „Roy". Auf die Frage, welche Lebensdauer denn die eisgekühlten Buxen in tiefblau, wahlweise schwarz, so haben, weicht der Freund des cleanen Looks elegant aus. Man ahnt: geschäftsschädigend lange halten sie. So bewirbt die schwedische Jeans-Marke jedenfalls ihre Produkte: „Clothes that become more beautiful, the more you wear them, the more you repair them.“ Der Aspekt „bio“ und „Fairtrade“ spielt nach Roys Beobachtung bislang übrigens für seine Fashion-Kundinnen und Kunden eher eine untergeordnete Rolle. „Nachhaltigkeit ist leider bisher nur ein ,nice to have’. Es wird selten ausdrücklich danach gefragt“, weiß der Meister seines Fachs.

© ROY
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Sein tiefblaues, schwedisches Beinkleid liefert indes ein perfektes Beispiel für die Philosophie des 200 Quadratmeter großen Style-Paradieses in der Westerländer Strandstraße: Lieblingsklamotten mit langer Halbwertzeit, gerne mit Ökofaktor, von Menschen produziert, die ordentlich bezahlt werden und für Menschen, die Kleidung suchen, die vor allem eins tut: zu ihnen und ihrem Leben zu passen. Nicht zu hochpreisig, aber irgendwie kostbar. Ob Frau, Mann und alle dazwischen - bei Roy geht man aber auch mal vorbei, nur um zu quatschen. Denn einen der 15 Mitarbeitenden aller Altersstufen kennt man sowieso irgendwie persönlich. Im Sommer sieben Tage die Woche geöffnet hat das schöne Geschäft mit dem Firmenschild im Kinostil. Eine schicke Webseite gibt’s natürlich auch. Bewusst allerdings ohne Online-Shop. Bei „Roy“ geht es um Faktor Mensch, um Begegnung, Beratung, um den Moment.

 

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Bei meinem Mann liegen die Jeans gerne im Eisfach. Das bewahrt das tiefe Blau sehr lange und spart die Wäsche.
Simone

Roy celebrates your style“ heißt dann auch der Slogan des Ganzen. Schon die Aufkleber wecken Begehrlichkeiten. Sie wortspielen mit „FROYNde“ „Friede, FROYde, Eierkuchen“ und „ohne ROYe“. Alles gerne mit einem Augenzwinkern. Sich selbst nicht zu ernst nehmen, aber immer alles zu geben. So ist die Haltung. „Alle Möbel im Geschäft sind beweglich, damit man schnell alles freiräumen und auch mal ein Konzert oder ein Event zelebrieren kann. Vielfalt ist unser wichtigstes Prinzip. Wir führen 50 Marken und versuchen mit unserem Portfolio möglichst unterschiedliche Bedürfnisse und Altersstufen zu begeistern - ohne dabei beliebig zu sein. Das gelingt offenbar ganz prima“, meint Simone bescheiden und verteilt die Lorbeeren gleich an das gesamte Team. „Auch beim Einkauf sind Mitarbeitende bei uns vollverantwortlich mit von der Partie. Mit unseren unterschiedlichen Qualitäten und Skills bilden wir ein tolles Ganzes“, meint Simone, mit einem Hauch Stolz, den man unbedingt haben sollte, wenn eine Vision seit 22 Jahren aufgeht.

Doch zurück zum Blau, dem „Evergreen“ der Mode - besonders beliebt im Sommer am Meer: Die Farbe unserer Ausgabe findet sich bei „Roy“ in einer enormen Auswahl an Jeans diverser Marken, Größen und Schnitte. Aber auch in Kleidern, Hemden, Gürteln, Hemden, Sandalen, Mützen, Jacken, Socken, Clogs. Blau geht immer und zu jeder Gelegenheit. „Die Trend-Farben des Sommers 2026 sind jedoch ganz klar zitronengelb und braun“, weiß die Fachfrau, die selbst eher „Bordeaux“ als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen würde, dafür aber Blaubeeren außerordentlich mag. Was gerade angesagt ist und wie man lässige Mode schön kombinieren kann - da kann man sich im Laden auch Inspiration an einem Moodboard holen, das so schick neben dem maßgeschneiderten Verkaufstresen hängt. Roy weiß natürlich, dass die Jeanstrendform für Damen in diesem Sommer „Barrel“ heißt - also eine „fassähnliche Silhouette“ besitzt - und freut sich, wenn Kundinnen diese Form feiern. Für ihn selbst ist die Sache aber eben entschieden einfacher: Straighte Form in blau, tiefblau, da bleibt er sich halt „tROY“.

Lovestory in Blau

„Seit ich mit Roy zusammen bin, bin ich in den Adelsstand gehoben worden. Die meisten Sylter kennen mich nur als: ,Simone von Roy’“, erzählt sie lachend. Die Frau aus Niedersachsen wollte zunächst Sozialpädagogin werden, Tourismus war dann ihr berufliches Thema. Nebenbei jobbte sie als junge Frau in dem Hannoveraner Modetempel „Classic“. Ihre Expertise kam bei ihrem Chef so gut an, dass sie irgendwann eine Filiale übernehmen sollte, was sie nach reiflich Überlegung tat, um dann aber nebenbei noch Betriebswirtschaft zu studieren. Jahre später konnte die Jeans-Brand „Lee“ Simone als Repräsentantin gewinnen. So besuchte sie auf ihren Business-Touren auch Roy, der damals seinen ersten Multibrand-Store in der Elisabethstraße in Westerland hatte. Jeansblau ist also verantwortlich für die erste Begegnung und für alles, was dann kam. „An dem Tag, als ich in Roys Laden stand, war so viel los bei ihm, dass ich helfen musste. Gesprochen haben wir dann später…“, erinnert Simone. Beim Sprechen blieb es nicht. Die beiden wurden bald ein Paar. Und ihnen gelang es, eine Liebe im 24/7-Modus zu kultivieren: Zusammen leben und arbeiten können die beiden seit 22 Jahren ganz hervorragend.

Wie 60 Prozent der aktuellen Sylter Bevölkerung ist auch Roy kein Sylter Friese mit kilometerlanger Ahnentafel. Er wuchs in Kiel auf und wurde in Flensburg Kaufmann - nächstes Jahr ist er seit 50 Jahren selbstständig. Er war lange im Handel mit Surf-Hardwear erfolgreich. Später kamen die ersten großen Labels für Surfmode und -Accessoires dazu - so wie „Chiemsee“ und „Quiksilver“, die er vertrat. Natürlich war Sylt für diese Ware stets eine spannende Adresse. Die gesamte Palette an coolen Damen- und Herrenmode bediente er dann mit einem ersten Roy-Store in der Elisabethstraße. Wie es dazu kam? Auch das ist eine prachtvolle Sylter Geschichte, die Roy gerne erzählt, wenn man ihn im Laden besucht…

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© Lars Wiggert

BLAU in der Kunst

Alle Sieben!

Der Ursprung des Sylter Fames? Ging so: Naturforscher, Künstler und Erholung suchende Großstädter entdeckten zuerst vor etwa 180 Jahren die Landschaft und Einzigartigkeit des Sandknusts ganz im Norden. Sowohl um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert als auch nach dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich auf Sylt zahlreiche Künstler, Literaten, Musiker, Kunsthandwerker und andere schillernde Persönlichkeiten an. Es entstand eine beinahe symbiotischen Beziehung zwischen dieser Szene und den Sommerfrischlern der Upper Class: Die fanden nämlich Inspiration durch die Bohème und sorgten andererseits für die Existenzgrundlage der Kreativen. Heute ist die Dichte der aktiven Kunstszene auf Sylt aufgrund der Miet- und Immobilienpreise vergleichsweise gering. Aber auf eine kleine, feine Szene an bildenden Künstlern, die Teile des Jahres oder auch ganz auf der Insel leben, kann Sylt durchaus verweisen. Drei von ihnen haben wir befragt - nach ihrem Verhältnis zur Farbe Blau.

Im Gespräch mit

LARS WIGGERT, SONNI HÖNSCHEID & THOMAS LANDT

Wenn Du „Blau“ hörst, welchen Ort assoziierst Du als Allererstes?

Lars Wiggert: Ich denke an das türkisfarbene Wasser des oberbayerischen Walchensees. Dann an die Bilder, die der Maler Lovis Corinth (1858-1925) vor Ort gemalt hat. In Corinths Bildern lässt sich die ganze Bandbreite an Blautönen wiederfinden.

Sonni Hönscheid: Wenn ich auf dem offenen Meer bin und in die Weite schaue… der Blick in die Ferne wo der Himmel und das Meer in einem einzigen Blauton verschmelzen.

Thomas Landt: Als ersten Ort: L' Escalet ( St. Tropez ) und als zweiten: der Strandabschnitt Sturmhaube in Kampen, wo ich als saisonaler Strandkorbwärter den blauen Bereich verantworte - d.h. alle meine Körbe haben einen blauen Punkt.
 

Weite, Ruhe, Vertrauen, Klarheit, Verlässigkeit sind die Werte, die der Primärfarbe zuerkannt werden. Welche Wirkung hat Blau auf Dich?

Lars Wiggert: Klarheit, Weite und Tiefe! Als Maler von Landschaften, der Naturstimmungen mit inneren Stimmungen vereint, kommt der Farbe Blau in meinem Werk eine wichtige Bedeutung zu. Wasserwellen, stilles Wasser, brausendes Wasser, sich überschlagendes Wasser – da sollte Blau nicht fehlen! Aber Vorsicht: Das Wasser vor Sylt kann auch als eben noch bleigraues dann graugrün changierendes Element erscheinen.

Sonni Hönscheid: Wenn ich Blau sehe, empfinde ich Freiheit, Abenteuer, Inspiration und auch Ruhe. Und ich verspüre eine tiefe Liebe - ein warmes Gefühl.

Thomas Landt: Blau ist Heimat und fungiert als Hauptbühne, auf der die anderen Farben ihre Akzente setzen.

In Deiner Kunst - welchen Stellenwert hat da die Farbe Blau?

Lars Wiggert: Als Landschaftsmaler auf Sylt: einen herausgehobenen Stellenwert!

Sonni Hönscheid: Meine Kunst ist für mich wie Tagebuch schreiben. Ich benutze meine eigene Sprache, um mein Leben, Erlebnisse, Gefühle, Abenteuer zum Ausdruck zu bringen. Mit meiner Kunst ehre ich das Meer um uns. Entsprechend wichtig ist die Farbe Blau.

Thomas Landt: Eine große Bedeutung. Ich liebe die Leuchtkraft von Blau und all die herrlichen Facetten wie Türkis, Cölin, Azur, Cyan, Kobold, Königs- und Preußischblau.

Könntest Du künstlerisch arbeiten ohne Blau?

Lars Wiggert: Ja - es gibt Arbeiten, in denen ich auf Blau verzichte. Meine Palette besteht dann aus den Erdtönen Ocker, Van-Dyck-Braun, Grünerde, Grau und Titanweiß. Würde man Blau hinzufügen, führt dies zu der Palette von Andreas Dirks, den 1865 in Tinnum geborenen Kapitänssohn, den ich als bedeutenden Maler der Insel schätze.

Sonni Hönscheid: Schwierig. Wäre mal ein interessantes Experiment. Ich denke, die Bilder würden extrem wild werden, ohne die Ruhe, die ich mit Blau ausdrücke. Es würde wohl der Ausgleich, das Gleichgewicht, fehlen.

Thomas Landt: Ja, ich könnte unbedingt auch ohne Blau arbeiten.

Blau in der Musik - wie klingt das?

Lars Wiggert: Ich assoziiere mit „Einzug der Götter in Walhall“, aus dem Rheingold von Richard Wagner, die Farbe Blau. Ein tiefes, majestätisches Königsblau oder ein strahlendes Himmelblau. Es steht für Unendlichkeit, das Göttliche und die Erhabenheit des Himmels. Wassily Kandinsky, der eine stark ausgeprägte Synästhesie besaß, erlebte Wagners Musik ebenfalls oft als Farben.

Sonni Hönscheid: Wie der Klang des Meeres… wenn ich abends höre, wie die Wellen am Riff bei uns vorm Haus auf Fuerteventura brechen… ist es die beste Einschlafmusik, allein schon, weil ich weiß, dass es am Morgen eine gute Surf-Session geben wird.

Thomas Landt: Blau in der Musik - das ist für mich die afrikanische Jazz-Formation aus Gerald Toto, Richard Bona und Lokua Kanza mit „Je Kango“.

Wo kann man Deine Arbeiten im Sommer 2026 sehen?

Lars Wiggert: Ich habe gerade in der Stadtgalerie ausgestellt. Vom 26. September bis zum 4. Oktober zeige ich in der Sommergalerie im Hotel Roth in der Strandstraße neue Arbeiten und stelle meine Autobiografie „Mein Weg als Maler“ vor.

Sonni Hönscheid: Ich habe gerade noch im Kaamp-Hüs ausgestellt. Jetzt sind meine Werk im Headquarter der Wochenzeitung „Sylt Life“ zu sehen und dann ab dem 17. Juli stelle ich in der „Winebank“ in Westerland aus. Bei dem Event „Lyrics, Loungemusik & Art“ am 30. August im „Wohnstudio Martens“ bin ich mit Werken zu Gast - und sonst online auf der syltmeile.de

Thomas Landt: Bis zum 31. Juli sind meine Bilder unter dem Titel „Rückenwind in Farbe II“ in der Galerie des „Kaamp Hüs“ ausgestellt.
 

Überschrift

Hier steht noch eine Subhealdine ggf

© Lars Wiggert
  • Lars Wiggert: Der 1966 geborene Sylter wäre beinahe Fischer geworden, studierte aber Volkswirtschaft und war dann ehrlich sich selbst gegenüber und widmete sich ganz der Kunst. Er ist heute vorwiegend im Hamburger Schanzenviertel ansässig, kommt aber oft auf die Insel: Seine Mutter lebt in der Westerländer Strandstraße. Mit seiner Ausstellung im Juni in der Stadtgalerie hat Lars Wiggert auch seine Autobiografie „Mein Weg als Maler“ veröffentlicht.

© Thomas Landt
  • Thomas Landt wurde in Kiel geboren, ist Mitglied einer ausgesprochen kreativen Familie, studierte Malerei und Kunstgrafik. Das Studium der Farben spielte schon damals eine zentrale Rolle in seinem Werk. Er lebte und arbeitete bis 2010 - mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe - im legendären Künstlerdorf Worpswede. Seit 16 Jahren ist Kampen sein Lebensmittelpunkt und zugleich der Ort, an dem er sich künstlerisch stetig weiterentwickelt.

© Sonni Hönscheid
  • Sonni Hönscheid: Ist ein halbes Wasserwesen. Wie bei ihren Vater Jürgen spielt der professionelle Surfsport an den Gestaden dieser Welt eine prägende Rolle in ihrem Leben. Die zigfache Meisterin im Wellenreiten und Stand-up-Paddeln verarbeitet ihre Erlebnisse auf und am Meer in lebensfrohen Werken. Sie wuchs zwischen Fuerteventura und Sylt auf und lebt auch heute auf ihren Zuhause-Inseln

  • Bildunterschrift… Kunsterk 1: // Kunstwerk 2: // Kunstwerk 3: 

© Finn Anjes l Sylt Marketing

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© Sven Erberich l Sylt Marketing

TAUCHEN VOR SYLT

Into the blue?

Wahrscheinlich heißt jede zweite Tauchschule: „Into the blue.“ Nicht zu vergessen der Action-Thriller von 2005 mit Jessica Alba. Das Idiom führt einen gedanklich stante pede unter Wasser. Außerdem hat „Into the Blue“ natürlich noch die Bedeutungsebene von „Aufbruchs in eine unbekannte Zukunft“. Aber wie ist das nun eigentlich mit dem Tauchen vor Sylt? Macht das überhaupt irgendjemand? Und ist das „große Ungewisse“ im Fall der Nordsee wirklich „blau“? Wir haben zwei gefragt, die sich damit auskennen: Helge Bennewitz und Moritz Berlin.

„An den allerwenigsten Tagen im Jahr ist das Wasser beim Tauchen in der Nordsee blau. Es ist eher so grün-grau und stinklangweilig. Meistens kann man auch nur ein ganz paar Meter weit gucken. Es ist, ehrlich gesagt, ziemlich trübe bei uns in der Nordsee. Das ist einfach wegen der vielen Schwebeteilchen und gut so, wie es ist“, berichtet Helge Bennewitz, Keitumer Urgestein und im Arbeitsalltag Tischler beim Tourismus-Service Kampen. Damit erklärt sich auch, warum auf Sylt weder Schnorcheln noch das Tauchen großartig angeboten wird: Es lohnt sich einfach nicht!

Helge baut im Nebengewerbe Möbel nach Maß und er taucht: Kleine Reparaturen an Booten bis zu zwei Meter Wassertiefe und Sichtungstauchgänge zum Beispiel für die dänische Sandvorspülfirma „Rohde Nielsen“ gehören zu seinem Repertoire. Aus der Tasche gefallene Handys im Hafenbecken wiederzufinden, war auch schon ein Auftrag. Da zu den elementaren Regeln des Tauchens* gehört, niemals allein unter Wasser unterwegs zu sein, hat Helge einen Spannmann: Moritz Berlin. Mit etwas Phantasie gehen beide Männer als Idealbesetzung von Meeresgott Neptun durch. Aber stopp. Sie wären doch eher „Njörds“ - so heißt der Gott des Meeres und des Windes in der nordischen Mythologie. Alle beiden tragen dem Klischee norddeutscher Naturtypen jedenfalls wunderbar Rechnung.

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Extra für die „Natürlich Sylt“ sind sie an einem der superheißen Tage im Juni in ihre klotzschwere Tauchausrüstung gehüpft, damit die Geschichte auch authentisch bebildert werden kann.  „Heute ist in der Tat so ein Tag, um mit Freude in der Nordsee zu tauchen. Das Wasser ist für Juni ungewöhnlich transparent, wahrscheinlich weil es so lange kalt war“, mutmaßt Moritz, der Berlin heißt und gerade aus Berlin kommt und am nächsten Tag nach Paris reisen muss. Nach vielen Jahren als Handwerker beim Tourismus-Service Kampen hat er jetzt seiner zweiten Leidenschaft Raum gegeben und mit seinem Kumpel Dirk in der Kampener Hauptstraße einen Store mit Fashion und Accessoires im Heritage-Style („Modi’s") eröffnet. Tauchmissionen werden Helge und Moritz natürlich auch in Zukunft weiter erledigen. Möglicherweise manchmal wortlos - denn Friesen und solche, die sich mit den Jahren dorthin geschwiegen haben - müssen nicht unbedingt ständig sabbeln beim Arbeiten.

Schnorcheln und Tauchen als Spaßsport für Gäste und Locals hat sich wegen selten guter Bedingungen also nie so richtig durchgesetzt. Eine Handvoll Sylter Taucher gibt es indes doch. Helge hat seinen Tauchschein schon vor 30 Jahre gemacht - Teile des Lehrgangs fanden damals im Keitumer Freibad statt. „Ecken-Sven“ - wie der Inhaber des Westerländer Surfshops an der Ecke Stephan-/WiIhelmstraße liebevoll genannt wird - bot einige Jahre lang die Ausbildung auf Sylt an - mit Tauchgängen in der Ostsee. 

Auf Sylt gut tauchen kann man an der Messstation vor Westerland. Da beträgt die Wassertiefe - je nach Tide - so um die zehn Meter.
Helge
© Helge Bennewitz
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„Auf Sylt gut tauchen kann man an der Messstation vor Westerland. Da beträgt die Wassertiefe - je nach Tide - so um die zehn Meter. Da kann man Taschenkrebse, Herings- und Markelenschwärme und manchmal sogar Katzenhaie beobachten“, berichtet Moritz. Von Land aus würden die beiden Pros auch an der Hörnumer Ostseite unter Wasser gehen („zum Flundern und Schollen gucken“) oder eben an der Flunderbuhne aus Stein im Süden des Westerländer Strandes, weil sich Fische und anderes Meeresgetier rund um das Bauwerk besonders wohl fühlen.

Helge ist übrigens nicht nur unter, sondern gerne auch halb im Wasser im Einsatz: Als Torjäger bei der legendären Keitumer Wasserballmannschaft, die in der Oberliga Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern anderen Teams seit unzähligen Jahren keine Chance lässt. Moritz schraubt mit größter Freude an alten Autos, wenn seine anderen Verpflichtungen es zulassen. Auf Sylt ist fast jeder Local in Multifunktion unterwegs. Familie. Freunde, Job, Nebenjob, Ehrenamt, Hobby. Und alle gewichten die Schwerpunkte natürlich anders.

Auch im Urlaub taucht Helge gerne ab: Ägypten für den kleinen Tauchurlaub oder auch mal Curaçao, wo kristallines Wasser und viele bunte Fische rufen. Unlängst hat er Moritz mit nach Niedersachsen an den Kreidesee in Hemmoor mitgenommen. Da gibt es eine richtige Tauchstation und der Baggersee ist bis zu 60 Meter tief. „Das kannte ich so noch nicht. Da war mir bei 45 Metern Tiefe plötzlich ganz kurz etwas mulmig zumute“, gesteht Moritz. Dadurch, dass das Sylter Tauch-Duo weiß, was in so einem Moment zu tun ist und wie man wieder in die „innere Mitte“ kommt, konnte Moritz diese Expedition am Ende aber richtig genießen. „Die ganze Welt hinter sich zu lassen und ein komplett anderes Element mit eigenen Regeln zu betreten“, ist für beide Männer der Kick des Tauchens.

Neben dem bunten Strauß an Einsätzen, die für Moritz und Helge meistens aus dem Nichts aufploppen, hat Helge auch einen Routine-Termin, der sich als gar nicht so routiniert herausstellt: „Einmal die Woche mache ich die Scheiben im Aquarium in Westerland sauber. Da sind da tatsächlich auch gerne die Haie um mich herum. Wenn die durch Unruhe signalisieren, dass es nicht der richtige Moment ist, um in ihr Zuhause einzudringen, dann tauche ich auf und komme lieber einen anderen Tag wieder“, sagt Helge, den offenbar nichtmal Haie so richtig aus der friesischen Ruhe bringen können.

Zweimal T: Tischlern und Tauchen. Über sein kleines Gewerbe informiert Helge hier: www.tauchwerk-sylt.de 

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STILLE WASSER SIND TIEF - UND BLAU!

Die Reflexion des Himmels spielt eine Rolle für die Wahrnehmung der Farbe des Meeres durch das menschliche Auge. Der gewichtigere Grund für blaues Wasser ist jedoch die Lichtabsorption. Licht bricht an der Wasseroberfläche und spaltet sich in die Regenbogenfarben auf. Rotes Licht wird vom Wasser sofort „verschlungen“. Das blaue Licht ist energiereicher, dringt tiefer vor und wird von den Wassermolekülen am stärksten reflektiert und gestreut. Je tiefer das Wasser, desto mehr blaues Licht und desto intensiver die Farbe. Türkiseffekte in flachem Wasser entstehen, wenn sich das blaue Licht mit dem zurückgeworfenen Licht des Meeresbodens mischt.

Blaues Wasser von der „Maus“ erklärt


Und warum sehen wir den Himmel blau?

Die Erde ist von der Atmosphäre umgeben, in der unzählige kleine Teilchen schweben. Wenn das weiße Sonnenlicht auf diese Luftteilchen trifft, spalten sie sich in die Regenbogenfarben auf. Die langen Lichtwellen (Rot und Gelb) schlüpfen an den Teilchen vorbei Die kurzen Lichtwellen (Blau!) stoßen ständig mit den Luftteilchen zusammen. Dadurch wir das blaue Licht in alle Richtungen gestreut. Die blauen Teilchen verteilen sich überall am Himmel und gelangt aus allen Richtungen in unser Auge.

 

© HOLM LOEFFLER nutzung: nur nach absprache mit dem fotografen, honorarpflichtig

Blau machen!

Die Kolumne von Imke Wein

Lächelnde Frau mit Mütze steht in den Dünen.
© Ben Kliewer
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Bei aller Farbpracht des Sommers: Die meisten assoziieren mit dieser Jahreszeit am Ende doch die Farbe Blau. Gerade auf einer Insel. Himmel und Meer sind hier halt - pragmatisch und bei Sonne betrachtet - die größten Flächen, die uns umgeben. Bei einer ganz und gar nicht repräsentativen Umfrage unter meinen Kumpels - am Rande eines der im Sylter Sommer wirklich unzähligen geselligen Ereignisse - war das jedenfalls das Ergebnis. Zudem kam heraus, wie viele Gefühle, Wirkungen, Melodien („Blues“ = ein eigenes Genre), Sprichworte, Wahrnehmungen, psychologische Bedeutungseben, man der Farbe Blau so zuschreibt.

Nebenbei bemerkt: Möge niemand behaupten, auf der Insel der Insel sei gerade nichts los. Mit meiner „Blaufrage“ unterwegs, habe ich nochmal gemerkt, wie grenzenlos die Möglichkeiten sind. Man weiß gar nicht, wohin man sich zuerst wenden soll. Von B wie Ballett bis Y wie Yogafestival reicht das Spektrum dieses Sommers - zwischendrin fast ein Dutzend Dorffeste, Konzertabende, Skate-Sessions im Multipark, Polo- und Golfturniere, Artistik-Workshops, Literatur- und Konzertabende, Promenadenspektakel, Sunset-DJ-Sessions… und wer seine Ruhe haben will, findet auch jetzt im Juli viele Möglichkeiten, das große Blau allein zu genießen.

© Maike Rudloff

Doch zurück zum Thema: Blau - hier explizit in Redewendungen: Die Aussicht jetzt im Sommer auf das, was kommt, ist eher rosarot als blau. Etwa drei Monate liegen vor uns, in denen wir im Sylter Blau-Grüngrau der Nordsee bei angenehmen Temperaturen schwimmen können. Wenn man dann noch im Herbst ins Blaue hinein einen Kaltbadeworkshop (bei Rettungsschwimmerin und Reisejournalistin Ella Schnebbe) absolviert, kann man vielleicht sogar das ganze Jahr über abtauchen.

  • BU

Davon bekommt man nicht unbedingt blaue Lippen und gewiss kein blaues Blut. Unverantwortlich wäre es indes, blau wie eine Strandhaubitze in die Nordsee zu steigen. Beachtet man jedoch die Regeln und badet den Winter durch, kommt man bei Erkältungskrankheiten immer mit einem blauen Augen davon und fällt dem Blues auch im Januar nicht anheim. Denn Kaltbaden wirkt erwiesenermaßen gegen Trübsal. So nämlich! Haben wir was vergessen?

Nur das „blau machen“ habe ich nicht unterbekommen, obwohl ich da als Schülerin ganz groß drin war. Aber das darf man ja so öffentlich gar nicht sagen!

 Mitarbeiter:innen dieser Ausgabe

NATÜRLICH SYLT:

So schmeckt Sylt

© Peter Bender I Sylt Marketing

200 Lokale und 200 mal besonders! Über Sylter Sterneküche und den facettenreichen Budenzauber.

NATÜRLICH SYLT

Sturm & Drang

© Syltpicture

Auf Sylter Art: Über Naturphänomene, furchtlose Experten und die Sylter Sturmwoche.

Woll-Lust

Sylt im Schafspelz

© Sonja Rommerskirch I Sylt Marketing

Über die Stars der Natur- und Landschaftspflege, ihre Landwirte und das Leben auf der Insel.