Das Thema „antike Götterbilder“ beschäftigt den Künstler August Ohm seit vielen Jahren in immer neuen Variationen. Bereits im Jahr 1998 zeigte Wilhelm Hornbostel als Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe seine „Bilder zur Antike” in einer umfangreichen Einzelausstellung. Es handelte sich um eine Reihe von zum Teil großformatigen griechisch-römischen Gesichtern. In seine eigene Sammlung bezug August Ohm schon früh die von der Antike inspirierten Arbeiten von John Flaxman ein - einen Höhepunkt klassizistischer Zeichenkunst. Im Laufe der Jahre wuchs auch seine eigene kleine Antikensammlung.
Bei dem Begriff der „Antike“ geht man generell von der griechisch-römischen Antike aus, im Sinne des Philosophen Bardaisan, der im 2. Jh. n. Chr. seine zivilisierte Welt von der Welt der Barbaren abhob, als eine schmale Zone vom Atlantik bis Indien. Nördlich und südlich davon „sieht niemand Bildhauer oder Maler … oder Dichter“.
In August Ohms neuen Arbeiten geht er zunächst von frühgriechischen, kykladischen Idolen aus, deren ehemals farbige Fassung fast vollständig verloren ist, und deren Physiognomien unsere Vorstellung ergänzen kann. Bei Vorbildern aus archaischer und klassischer Zeit verlebendigt er die marmorne Versteinerung durch Farbe und Struktur. Die androgynen Züge antiker Figuren überlassen es uns, ihre Gesichter in Nahsicht als Kouroi oder Koren zu deuten. Durch eine irreale Pigmentierung und durch die Rhythmen eines vibrierenden oder gespachtelten Farb-Auftrags erscheinen diese Gesichter einerseits der Wirklichkeit enthoben, andererseits gibt er den Darstellungen durch Über-Dimensionierung, durch einen abrupten Bildausschnitt und die Akzentuierung des Farbauftrags eine neue Unmittelbarkeit und Präsenz. Die Bilder des Künstlers sollen eine hintergründige Spannung erzeugen, durch die Ambivalenz von Verfremdung und emotionaler Nähe. Die antiken Figuren treten unter einander in ein bildhaftes Zwiegespräch. Anders als die zahllosen geschönten Gestalten, die im Internet oder auf Postern an uns vorüber rauschen, sollen sich seine antiken Menschenbilder auf einen anregenden Dialog mit uns einlassen.