„Sturm und Drang“ schießt einem unwillkürlich in den Kopf, wenn man an Natur im Zusammenhang mit Kultur und bahnbrechenden neuen Strömungen denkt. Aber passt der Begriff eigentlich zur Sylter Sturmwoche? Schnell nochmal die KI befragen und feststellen, dass es sich bei „Sturm und Drang“ um eine avantgardistische Bewegung in der Literatur des 18. Jahrhunderts handelte, die einen Gegenentwurf zur Aufklärung bot und das Individuum, das Empfinden und die Natur in den Mittelpunkt stellte. Schiller und Goethe sind die „schillerndsten“ Vertreter des Sturm und Drang. Ist also dicke aufgetragen und auch inhaltlich völlig daneben, „Sturm und Drang“ und die Sylter Sturmwoche in direkten Zusammenhang zu bringen?
Die ein oder andere Schnittmenge gibt's in jedem Fall: Das kleine Festival für windige Zeiten mitten in der touristisch mau'esten Phase des Jahres hat wie der „Sturm und Drang“ seinerzeit etwas herrlich Subversives, Mutiges, mit Konventionen Brechendes.
Sylt hat seinen Zauber immer wieder daraus bezogen, dass Kulturschaffende, Freigeister, Locals, Wirtschaftsbosse, die Natur und die provinzielle Nähe sich mischten und einander guttaten. Daraus ist, ob vor 170 Jahren, um die Wende zum 20. Jahrhundert, zwischen den Kriegen oder in den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders jeweils ein Spirit entstanden, der beflügelte und das Image Sylts prägte. Höchst einzigartig und die Grundlage allen Erfolgs.
Dieses Zusammenspiel aus Faktoren, die vermeintlich gar nicht zusammenpassen, plus einem Hauch Internationalität plus dem Sylter Soziotop durfte ich in den späten 80er Jahren auf Sylt bei der Theatergruppe Fliegende Bauten auf der Wenningstedter Wiese erleben, in den ersten Jahres des Meerkabaretts, auch beim internationalen Artistenpreis SolyCirco, den ich selbst mit kreieren durfte, beim VERDENSBALLETT, aber auch ganz aktuell bei sportlichen Ereignissen wie dem NORTH SEA ULTRA oder bei den Konzerten des Kammermusikfestivals.