Natürlich Sylt

Winter 2026

STURM & DRANG

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Schreibende aller Genres eskalieren gerne, wenn sie die Wucht des Windes in Worte fassen. Stürme sind als Naturphänomen aber nicht nur für Autoren ein Faszinosum: Bedrohlich, bisweilen verheerend, geheimnisvoll, Demut einflößend und auf der Metaebene voller Chancen auf Läuterung und neue Erkenntnis.

Welcher Ort wäre besser als Sylt geeignet, welcher Monat idealer als der Januar, um in der Natur und an besonderen Insel-Orten ein Festival zu feiern, das sich dem Sturm widmet, gleichsam den Horizont weitet, unkonventionell ist, einen Kompass für wilde Zeiten liefert, sich Breitseite in den Wind stellt und Momente der Einmaligkeit beschert?

Voilà: die Sylter Sturmwoche vom 16. bis zum 25. Januar mit 16 Natur- und Kulturerlebnissen.

IM INTERVIEW

…mit Nationalparkführer Werner Mansen

Seit Werner Mansen (73) auf den Füßen steht, hatte die Sylter Natur für den gebürtigen Lister eine nahezu magnetische Anziehungskraft. Schon als „kleiner Butjer“ (plattdeutsche Bezeichnung für Jungs, die gerne Abenteuer erleben) stromerte er in der prallen Natur des nördlichen Inselzipfels herum und brachte sich dabei so manches Mal in Gefahr. Die Abenteuerlust des Naturführers ist heute - sechs Jahrzehnte später - nicht mehr ganz so groß. Bei seinen Expeditionen ist ihm nichts wichtiger als die Sicherheit seiner Gäste. Seine Begeisterung, Menschen den Zauber von Watt und Wellenschlag, Flora und Fauna nahezubringen, ist indes ungebrochen. Dem zertifizierten Nationalparkführer gebührt aus gutem Grund die Eröffnung der 4. Sylter Sturmwoche mit einer nächtlichen Führung um die Odde am 16. Januar.

Werner Mansen

DER FURCHTLOSE

Wenn Du so erzählst von deinen Abenteuern als Kind in der Lister Natur, kommen mir die Bilder aus dem Fatih-Akin-Film „Amrum“ in den Sinn: Als der kleine Nanning zwischen Föhr und Amrum im Watt fast ertrinkt, weil er 1945 für seine kranke Mutter Zucker bei seinem Onkel auf Föhr organisiert….

Werner Mansen: Hört sich spannend an. Ich hab’ den Film noch nicht gesehen. Ich war ab den späten 50er Jahren überall in der Lister Natur unterwegs, habe Vögel beobachtet und die Natur erkundet. Das war mein Leben lang mein Motor. Einmal bin ich als Junge auch in einen Priel* geraten… es ist zum Glück gut gegangen.

Du hast lange das Naturzentrum Braderup geleitet und bringst noch heute Menschen die Naturwunder der Insel näher. Eine Wanderung mit dir ist mehr als Wissensvermittlung, es ist eine kleine Offenbarung. Ein anderes Standbein war für dich früher Sturm als Zeitgeschehen: Dein Vortrag „Sylt im Orkan“ wie auch die „Große Flut“ von Uwe Sönnichsen waren Dauerbrenner im Sylter Veranstaltungskalender. Warum hältst du den Vortrag nicht mehr?

Werner Mansen: Ich brauche richtig guten Schlaf, der ist mir inzwischen heilig. Abends Vorträge zu halten und dann lange nicht zur Ruhe zu kommen, das hat mir nicht gutgetan. Außerdem sind Diavorträge doch etwas aus der Zeit gefallen. Das unmittelbare Naturerlebnis und wilde neue Kulturformate wie jetzt bei der Sturmwoche sind doch viel eindrücklicher.

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Du bist selbst noch immer gerne direkt und im Wortsinn in Stürmen unterwegs. Was macht die Faszination aus?

Werner Mansen: Zunächst ist es bei mir das unmittelbare naturkundliche Interesse und das Dokumentieren der existentiellen Veränderung, die Stürme mit sich bringen. Darum wandern wir auch um die Odde, den nirgends werden die Wirkungen der Naturgewalten offenbarer. Aber Sturm ist auch auf einer spirituellen Ebene spannend: So viel Energie, so viel Kraft. Da ordnet sich der Mensch neu, erlebt Demut und Respekt. Ein Sturm ist Dynamik, Gefahr und Veränderung. Wilde Stürme inspirieren, wecken Emotionen, fördern Mitgefühl und Respekt. Aber eben auch weniger Tugendhaftes wie Sensationslust. All diese Aspekte bis auf den letzten spielen in der Sturmwoche eine Rolle.

Sylter Locals betonen bei Stürmen gerne ihre Unerschütterlichkeit und verniedlichen das Wetterereignis mit Sätzen wie: „Das pustet heute aber ordentlich. Richtig Sturm ist aber erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben!“ Hattest Du eigentlich schon mal Angst bei Sturm?

Werner Mansen: Nö. Stürme zu dokumentieren, hat mich immer gereizt. Ich glaube, ich bin generell ziemlich furchtlos. Kenne und respektiere aber natürlich Regeln und Grenzen, die die Natur mir aufzeigt.

So viel Energie, so viel Kraft. Da ordnet sich der Mensch neu, erlebt Demut und Respekt.
Werner Mansen
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Sicher wirst Du von deinen Gästen auf Führungen immer gefragt, was Sylt bei allen Maßnahmen zur Sicherung eigentlich für eine Langzeit-Prognose hat?

Werner Mansen: Wir erleben gerade eine eher ruhige Phase, was heftige Stürme anbelangt. Aber das kann sich natürlich jederzeit ändern. Vorhersagen sind oft auch mittendrin in einem stürmischen Ereignis gar nicht so einfach. Haben wir jetzt im Oktober erst erlebt, als ein Sturm heftig angesagt war und uns hier dann gar nicht so doll getroffen hat. Was die Langzeit-Prognose für Sylt anbelangt, sage ich zu den Gästen immer: „Wenn Ihr schön weiter bei uns Urlaub macht, ist auch das Interesse an Sylt so groß, dass weiter intensive Küstenschutzmaßnahmen möglich sind.“ Sandvorspülungen gleichen die Erosion aus und mindern die Brandungsenergie. Aber sie sorgen halt auch ganz pragmatisch betrachtet dafür, dass Strandkörbe gut stehen können. Sylt ist ein Bollwerk für das Festland, aber eben unzweifelhaft auch ein Riesenwirtschaftsfaktor, der auch aus diesem Grund geschützt wird.

*Priel = ist ein Wasserlauf ähnlich wie ein Flussbett nur im Wattenmeer. Priele laufen bei Ebbe leer und können beim Wattwandern zu einer großen Gefahr werden. Daher sollte man das Weltnaturerbe nur mit Experten erkunden.

Die Sturmbilder und der Film zum Interview stammen von Lupo, aka Volker Frenzel. Er ist ein „Sylter Original“. Der Mann, der jahrzehntelang jedes stürmische, aber auch gesellschaftliche Ereignis mit seiner Hightech-Kamera-Ausrüstung fotografisch festgehalten hat. Das Archiv des 78-jährigen ist beeindruckend. Fotografenurgestein Lupo war übrigens im wirklichen Leben Polizist. Als Kontaktbeamter war er Brückenbauer zwischen dem Gesetz und der stürmischen Sylter Szene der letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts.

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STURM BASICS

Wann ist ein Sturm ein Sturm?

Starke Windereignisse entstehen durch große Temperaturunterschiede zwischen den Luftmassen. Ein Sturm wird als solcher definiert, wenn der Wind stärker pustet als mit 9 Beaufort (= Windstärken) also 75 km/h. Bei 12 Windstärken oder 118 km/h (64 Knoten) ist der Sturm ein Orkan.

Eine Springflut ist eine besonders starke Gezeitenwelle bei Neumond und Vollmond (Erde, Mond und Sonne bilden dann ein fast gerade Linie, wodurch sich ihre Anziehungskräfte addieren), mit sehr hohem Hochwasser und sehr niedrigem Niedrigwasser.

Die Sylter Sturmfluten kommen zumeist aus allen westlichen Richtungen. Die von 1362 und 1634 sind für die heutige Form der Insel verantwortlich, wobei der Küstenverlauf natürlich weiter ständigem Wandel unterliegt.

Laut dem Chronisten Anton Heimreich sollen bei der ersten „Groten Mandränke“ am 16. Januar 1362 entlang der Nordseeküste 100.000 Menschen umgekommen und 21 Deiche gebrochen sein. Das war vor 664 Jahren. Dutzende vehemente Ereignisse folgten.

In den letzten Jahrzehnten - wegen ihrer Wucht und Schäden herausragend - waren die Stürme von Januar 1976, November 1981, der legendäre „Anatol“ vom Dezember 1999, „Xaver“ von Dezember 2013, „Nadia“ und „Zeynep“ zu Beginn des Jahres 2022.

  • Bildunterschrift

© Sylt Marketing I Katharina Godbersen

SYLTER STURMWOCHE

Was, wie, wo und wann?

NATURERLEBNISSE

Die Südspitze bei Nacht

Mit Werner Mansen wandert man zur Einstimmung auf das Sturmfestival am Freitag. 16. Januar um 17 Uhr (ab Parkplatz Hörnum „Edeka“ Markt) in der Dunkelheit um die Südspitze. Vielleicht funkeln die Sterne, vielleicht rauscht der Wind, in jedem Fall wird’s spannend im umfassenden Sinne.

Stürmische 
Saunafreuden

Den Elementen ganz nah sind Saunafans und alle, die es werden wollen, an jedem Tag der Sturmwoche in der Schwitzhütte von Ruth und Hille am Rantumer Strand.

Die gute Tat am Strand

Winter erleben und gemeinsam Gutes tun: Das verspricht der Sturm Beach Clean-Up am Mi. 21. Januar von 12 bis 14 Uhr. Geht los am Parkplatz „Sansibar 2“ zwischen Rantum und Hörnum. 
 

WORKSHOPS

Fantastisches In- & Outdoor-Programm

Neues wagen:
Immer schonmal Lust verspürt, aber bislang den inneren Schweinehund nie überwunden? Eine Einführung in den viel gepriesenen Skill des Winterbadens: Am Sonntag. 18. Januar, klärt Rettungsschwimmerin und Medizinjournalistin Ela Schnebbe von 10 bis 12 Uhr an der Sturmhaube über die wichtigsten Prinzipen auf und springt am Ende des Workshops mit allen Willigen in die Fluten. Mehr erfahren

Upcycling für Sturmtextilien:
Kaltes Winterwetter und gemütliches Handarbeiten sind eine 1a und seit Generationen erprobte Kombination: Am Samstag, 17 Januar, lädt das „Surfhouse“ auf dem Campingplatz in Westerland dazu ein, wind- und sonnengegerbten Stoffen neues Lebens einzuhauchen. Von 10 bis 14 Uhr mit maximal zehn Teilnehmenden. Mehr erfahren

Schreiben für die Seele:
Wie befreiend es ist, in den Turbulenzen des Lebens, Gedanken, Gefühle, Geschichten, in Worte zu fassen und zu Papier zu bringen, ist die Essenz des Schreibworkshops mit Dorothée Gommen-Hingst am Dienstag, 20. Januar, von 15 bis 18 Uhr im Hotel Rungholt in Kampen. Mehr erfahren

Kompass ausrichten:
Die Zeiten sind wild - im Außen wie im Innen. Um den Handwerkskoffer für stürmische Zeiten mit neuen Tools zu bestücken, bietet die psychologische Beraterin und Coachin Simone Marwede am Mittwoch, 21. Januar, von 17 bis 20 Uhr in der Rooftopbar des „Wyn Hotels“ einen Workshop für einen unerschütterlichen, inneren Kompass an. Bei Bedarf auch mit gemeinsamem Abendessen. Mehr erfahren

BEWEGUNG & SPASS

Yo Day: 
Winter-Edition

Die Sturmwochen-Mini-Ausgabe des Sommer-Yoga- und Movementfestivals „Yo Day“ wird am Sonnabend, 24. Januar, von morgens um 9.30 Uhr bis abends 17.30 Uhr im Kaamp Hüs gefeiert. Für alle, die ihren guten Vorsätzen Taten folgen lassen wollen. Mit reichlich Auswahl aus einem prickelnden Kursangebot für Körper und Geist. 
Für Neueinsteiger und alle Levels.

Klapprad-Rennen „Sylter Sturmklatsche“

Man wird sich anschließend fragen, warum diese Sport-Competition nicht schon längst zu den Sylter Events-Highlights gehört: Am Sonntag, 25. Januar, feiert um 11 Uhr auf der Promenade das erste Sylter Klapprad-Rennen „Sturmklatsche“ seine Premiere. Am Start: unerschrockene Biker mit ihren Mini-Fahrrädern. Oberstes Gebot: Sie sollten den Faltmechanismus ihres Drahtesels beherrschen. Alles andere ergibt sich.

ENTERTAINMENT & GESELLIGKEIT

Dancing 
im Galaxis

Leerer Club-Dancefloor mit violett-blauer Beleuchtung und hängenden Spiegelkugeln.
© Dennis Bullen

Für eine Nacht wird das „Lila-Wunder“ im Westerländer Kurzentrum lebendig: Am Freitag, 23. Januar gehen um 20 Uhr für alle, die rechtzeitig ein Ticket erworben haben, die Lichter in der „Galaxis“ an und sie tanzen zu „Hits ins Herz“ durch die Winternacht.

Dänisches
Abendbrot

Viele Menschen sitzen an langer Tafel und essen gemeinsam.
© Taylor Heery I Unsplash

Große Tafel, lecker Essen, nette Leute, das eine oder andere Lied und eine Bingo-Runde gefällig? Genauso geht bei den dänischen Nachbarn „Fællesspisning“. Das Essen in großer Gemeinschaft feiert dank des dänischen Kulturvereins am Donnerstag. 22. Januar, sein Debüt in den Hörnumer Dünen im „Fünf-Städte-Heim“.

Tattoos hautnah
im Sylt Museum

Verschränkte, tätowierte Arme vor Meer, dunkles T-Shirt mit Samoa Logo.
© Tom Tautz

Ein Ereignis, für das es keine Schublade gibt: Eine wilde Künstlerin aus Sevilla wird im Sylt Museum in Keitum anhand eines lebenden Models erläutern, wie Seemanns-Tattoos die Welt eroberten. Sie wird vor Ort eine kleine Live-Demonstration ihres Könnens geben.

KULTUR, WISSEN &
UNTERHALTUNG

So schmeckt die Promenade

Historische Strandpromenade Westerlands mit vielen Spaziergängern und Gebäuden am Meer.
© Pförtner

Von den ersten Badegästen 1855 bis zu den aktuellen DJ-Sunset-Sets in der Musikmuschel: Die Westerländer Promenade hat in 170 Jahren reichlich erlebt. Die Expertinnen aus dem Sylter Archiv laden am Mittwoch, 21. Januar, ein, in Kur-Nostalgie zu baden. Dazu der zeitlich korrespondierende Promenadeneintopf vom „Goldene-Möwe-Team“ und das gemeinsame Visionieren für die maritime Flaniermeile der Zukunft. 
 

Sturm in der Kunst

© Akademie am Meer

Wie haben Kunstschaffende eigentlich in allen Epochen Luftbewegung den sanften Hauch, das laue Lüftchen und den wilden Sturm dargestellt? Dr. Karen Michels bringt für ihren Vortrag im Lister Klappholttal ihre Gabe mit, kunsthistorisches Fakten absolut unterhaltsam und lebensnah zu vermitteln. Am Montag, 19. Januar, um 20 Uhr.

Lesung mit
Labskaus

Wenn jemand sein Leben dem Sturm gewidmet hat, dann ist es Autor und Verleger Stefan Kruecken. Im „Weinraum“ in Westerland liest der „Ankerherz“-Chef seine besten Stories mit 12 und mehr Windstärken vor. Am Sonntag, 25. Januar, um 19 Uhr, dazu natürlich unbedingt auch: Bestes Labskaus aus der Weinraum-Küche.

Für fast alle Events ist eine Anmeldung erforderlich. Die Diskonacht in der „Galaxis“ ist bereits ausverkauft. Mehr Details zu allen Ereignissen und Tickets:

DIE FOTOSTORY

Ela und das Meer

Ein Tag wie jeder andere für Ela Schnebbe. In diesem Fall bei stürmischem Ostwind, 6 Grad Luft, 5 Grad Wasser irgendwann im Dezember. Die Wahl-Sylterin springt seit Jahren - wie bestenfalls ein Dutzend anderer Sylterinnen und Sylter entlang der Insel-Westküste - jeden Morgen ins Meer. Betonung auf jeden. Nur ganz manchmal ist sie milde mit sich und dreht sich noch einmal im Bett um.

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Ela Schnebbe arbeitet meistens remote für die Gesundheitsmagazine des Bauer Verlags. Bevor sie sich morgens an den Computer setzt, radelt sie von Wenningstedt nach Kampen, weil der Strandabschnitt „Sturmhaube“ für ihren Winterbadespaß mit seiner kurzen Zuwegung und seiner imposanten Schönheit die besten Voraussetzungen bietet. Auch ihren Kaltbade-Workshop wird sie im gleichnamigen Restaurant (für den theoretischen Part) vor der Kulisse des Roten Kliff zelebrieren.

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Im Winter kennt man als Sylter am Strand so gut wie jeden, den man trifft. In diesem Fall gewinnt Ela ihre Zufallsbegegnung für ein kleines Warmmachtraining und für das Antesten der Badetemperatur mit der Hand.

Merke: Für Eisbade-Debütanten ist es ganz wichtig, zu wissen, ob das Herz gesund ist. Auch gut: Unter der kalten Dusche über eine ganze Weile testen, ob der eigene Körper den extremen Kältereiz überhaupt mag.

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Hier steht ein Zitat von Ela...
Ela Schnebbe
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Sehr von Vorteil für das Winterbaden sind lockere, wollige Klamotten in diversen Lagen, in die man geschwind hinein- und hinausschlüpfen kann. Beim Workshop erklärt Ela natürlich auch die medizinisch relevanten Details des Ganzen. 

Ob nackig oder mit Badeanzug, ist wurst. Hauptsache: Wollmütze auf dem Kopf.
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In Hamburg generiert das kollektive Eisbaden Geld für soziale Zwecke.  Auf Sylt ziehen Weihnachts- und Neujahrsbaden Tausende Schaulustige an. Für andere ist der große Kältereiz ein sehr individuelles Glück und Vitalität spendendes Erlebnis.

Hanns-Christian Gunga, Weltraummediziner von der Charité, ist Experte für extreme klimatische Wirkungen auf den Menschen. Er hat sich gerade in einem Zeit-Interview eher kritisch über das Eisbaden geäußert. „Wenn sie den Unsinn machen, dann langsam!“ heißt die Überschrift.

Ela Schnebbe wird auf die Vorteile und Risiken des eisigen Bades natürlich genau eingehen.

Für die Mutter zweier erwachsener Kinder, Medizin- und Reisejournalistin sowie Rettungsschwimmerin gibt es jedenfalls kaum ein größeres Glück als im Winter an einem der schönsten Plätze der Welt ins Meer zu hüpfen.

Optional und je nach zeitlicher Gemengelage: Die Nahbetrachtung des Badespaßes bei einem heißen Tee. Beim Workshop wird es ebenfalls in der „Sturmhaube“ Gelegenheit geben.

NEO-STURM-UND-DRANG

Die Kolumne von Imke Wein

Eine Frau steht lächelnd in die Kamera schauend auf einem Holzsteg.
© Nicole Mai
00:00

„Sturm und Drang“ schießt einem unwillkürlich in den Kopf, wenn man an Natur im Zusammenhang mit Kultur und bahnbrechenden neue Strömungen denkt. Aber passt der Begriff eigentlich zur Sylter Sturmwoche? Schnell nochmal die KI befragen und feststellen, dass es sich bei „Sturm und Drang“ um eine avantgardistische Bewegung in der Literatur des 18. Jahrhunderts handelte, die einen Gegenentwurf zur Aufklärung bot und das Individuum, das Empfinden und die Natur in den Mittelpunkt stellte. Schiller und Goethe sind die „schillerndsten“ Vertreter des Sturm und Drang. Ist also dicke aufgetragen und auch inhaltlich völlig daneben, „Sturm und Drang“ und die Sylter Sturmwoche in direkten Zusammenhang zu bringen?
Die ein oder andere Schnittmenge haben „Sturm und Drang“ und die Sturmwoche in jedem Fall: Das kleine Festival für windige Zeiten mitten in der touristisch mau'esten Phase des Jahres hat wie der „Sturm und Drang“ seinerzeit etwas herrlich Subversives, Mutiges, mit Konventionen Brechendes.

Sylt hat seinen Zauber immer wieder daraus bezogen, dass Kulturschaffende, Freigeister, Locals, Wirtschaftsbosse, die Natur und die provinzielle Nähe sich mischten und einander guttaten. Daraus ist, ob vor 170 Jahren, um die Wende zum 20. Jahrhundert, zwischen den Kriegen oder in den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders jeweils ein Spirit entstanden, der beflügelte und das Image Sylts prägte. Höchst einzigartig und die Grundlage allen Erfolgs.

Dieses Zusammenspiel aus Unkonventionellem, oft auch Internationalem, der Natur und dem speziellen Sylter Soziotop habe ich dann in den späten 80er Jahren bei den Fliegenden Bauten auf der Wenningstedter Wiese erlebt, in den ersten Jahres des Meerkabaretts, auch beim internationalen Artistenpreis SolyCirco, den ich selbst mit kreieren durfte, beim VERDENSBALLETT, auch ganz aktuell bei sportlichen Ereignisse wie dem NORTH SEA ULTRA oder bei den Konzerten des Kammermusikfestivals.

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Und diesen Zauber erlebt man halt im tiefsten Januar bei den Veranstaltungen der Sturmwoche. Nichts ist in Stein gemeißelt. Es geschieht Unerwartetes an besonderen Orten. Alles darf gefallen oder eben auch nicht, ist niedrigschwellig, liegt deutlich abseits des Mainstreams, weist in die Zukunft und ist so nur auf Sylt möglich. Und genau das steht der Insel so verdammt gut zu Gesicht.

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