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Klappi-Genusstour No. 2
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Text: Julia Petersen

Nach der ersten Klappi-Genusstour, die über Westerland, Keitum, Munkmarsch bis nach Wenningstedt-Braderup führte, geht es diesmal gen Inselsüden. Mein Vintage-Klapprad aus den 70ern und ich starten in Rantum und radeln bis nach Hörnum, natürlich nicht ohne den einen oder anderen kulinarischen Zwischenstopp. Meine Strategie für heute: lieber mehrere kleine Gänge als eine große Mahlzeit und einfach treiben lassen. So entsteht unterwegs mein ganz eigenes Menü. Das Wetter spielt mit. Leicht bewölkt, kaum Wind, sogar die Sonne zeigt sich immer mal wieder. Ziemlich perfekte Bedingungen, wenn man ohne elektrischen Antrieb und nur mit eigener Muskelkraft unterwegs ist. 

Startschuss mit Cappuccino

Los geht es um 11 Uhr am Rantumer Hafen. Ganz hinten, bei der Kaffeerösterei, wird hier seit zehn Jahren wöchentlich frisch geröstet und für mich gibt es zum Start erst einmal einen (koffeinfreien) Cappuccino. Je nach Wetter kann man wunderbar draußen sitzen oder es sich drinnen gemütlich machen. Praktisch für die Tourenplanung: Geöffnet ist täglich. Ich mag diesen Standort etwas ab vom Schuss sehr. Nebenan kannst du bei Hafen 9 auf Schatzsuche gehen. Hier erwarten dich Kunst, handgefertigte Wimpel und Second Hand Mode. 

Für mich reicht in diesem Moment noch der Kaffee. Wer schon hungrig startet, findet hier aber auch selbstgemachte Florentiner, Torten und Kuchen. Eine wunderbare Ergänzung zur Kaffeerösterei ist seit diesem Sommer auch das Café do Brasil in der Sylt Quelle. Hier bekommst du unter anderem brasilianische Spezialitäten, auch Kaffee aus der Siebträgermaschine und kannst durch den Concept Store Coco & James stöbern. Witzig, dass uns beide Betriebe schon bei der ersten Klappi-Genusstour begegneten, letztes Jahr noch in Braderup, nun sind sie gemeinsam nach Rantum in die Sylt Quelle gezogen. Hier kannst du die gesamte Geschichte dazu lesen.

Bevor es richtig Richtung Süden geht, drehe ich eine kleine Runde zum Rantumbecken, fahre oben auf den Deich und genieße den Blick über den Hafen. Die Boote liegen entspannt im Wasser und warten auf ihren nächsten Törn, ein paar Spaziergänger sind mit ihren Hunden unterwegs. Nach den stürmischen und immer wieder nassen vergangenen Tagen fühlt sich das Wetter heute wie ein großes Geschenk an. Den Regenponcho habe ich, neben einer Trinkflasche, trotzdem dabei. Auf Sylt weiß man schließlich nie. Und sollte unterwegs doch ein größerer Schauer kommen, eignen sich die reetgedeckten Bushaltestellen erstaunlich gut als spontaner Unterstand. Wer irgendwann überhaupt keine Lust mehr aufs Strampeln hat, kann außerdem auf den Bus umsteigen. Mein Klappi dürfte umsonst mitfahren, aber grundsätzlich empfehle ich dir für die Fahrradmitnahme am besten vorher noch einmal die aktuellen Bedingungen der Sylter Verkehrsgesellschaft zu checken. Laut Website ist auch das Deutschlandticket in allen SVG-Bussen uneingeschränkt nutzbar. 

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Im Hus in Lee treffen traditionelle Gerichte auf kreative Ideen, ein modernes Lebensgefühl und entspannte Leichtigkeit.
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Hus in Lee
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Klappi Genusstour No 2
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Hus in Lee
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Hus in Lee
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Meine zweite Genussstation liegt im südlichsten Teil Rantums: das Hus in Lee. Ich war tatsächlich noch nie hier, obwohl es schon lange auf meiner Liste steht. Ab 12 Uhr kann gegessen werden, zeitlich passt das also ziemlich perfekt. „Hus in Lee“ bedeutet so viel wie „Haus im Windschatten“. Und genau dort liegt das hübsche Reetdachhaus: geschützt hinter der Düne. Im großen Garten warten Schirme und Strandkörbe, dazu gibt es den Blick aufs Wattenmeer. Sehr idyllisch. Anfang 2025 hat Leon Blume gemeinsam mit seinem Kompagnon Clemens Maiwald das Zepter von seinem Vater übernommen. Seitdem bringen die beiden frischen Wind ins Haus, ohne dessen Charakter über Bord zu werfen. Traditionelle Gerichte treffen auf kreative Ideen, ein modernes Lebensgefühl und entspannte Leichtigkeit. Die große Weinauswahl ist geblieben, die Herzlichkeit auch. Auf der Karte stehen auch Waffeln, Kuchen und allerlei Süßes, aber meine Menüplanung sieht erst einmal herzhaft vor. Ich entscheide mich für vegetarisches Avocado-Ceviche und Thunfisch-Tataki. Dazu gibt es Sauerteigbrot mit köstlicher Butter, die immer wieder variiert, und einen alkoholfreien Martini Floreale. Alles schmeckt zum Reinlegen und ist eine ziemlich gute Grundlage für die Strecke nach Hörnum.

Am Watt entlang Richtung Süden

Für den Weg gibt es zwei Möglichkeiten: den asphaltierten Fuß- und Radweg direkt an der Straße oder den Schotterweg näher am Watt. Ich entscheide mich für Variante zwei und freue mich sehr über diese traumhafte Aussicht: Rechts und links ziehen Wattenmeer, grüne Salzwiesen und Heideflächen vorbei. Zwischendurch steige ich immer wieder vom Rad, mache Fotos und genieße einfach diese wirklich sehr grüne Landschaft. Kurz überlege ich, bei Samoa oder der Sansibar auf einen Tee oder eine Erdbeerbowle einzukehren. Nur für eine kleine Pause. Ich radle erstmal weiter. Eine Entscheidung, die ich später noch bereuen werde. Denn der Weg mit meinem Klappi dauert länger als gedacht. Falls auch du den Schotterweg am Watt wählen solltest, behalte unbedingt die „Ausfahrt“ zu den Strand-Restaurants im Auge, ich bin (zurecht) etwas verträumt gefahren und dann leider daran vorbeigeradelt. Ja, das kann auch gebürtigen Locals mal passieren.

Hörnum, Matcha und ein bisschen Südseegefühl

Mein Weg führt mich schnurstracks zum Hörnumer Hafen, vorbei an der Schutzstation Wattenmeer (absolut einen Besuch wert, wenn dich die Sylter Flora und Fauna interessiert), Salty Elements mit Mode und allerlei schönen Dingen. Die nächste Station heißt Sydhavn. Hier ist ordentlich was los. Ich bestelle bei Justin einen Matcha, setze mich damit auf die Strandmauer und schaue aufs Meer am Oststrand. Sonntags findet hier am Hörnumer Hafen übrigens ein Flohmarkt statt, bei dem du alles Mögliche an Gedöns und Schätzen finden kannst. Hörnum fühlt sich für mich immer ein bisschen anders an als der Rest der Insel. Das Wasser liegt ruhig da, keine große Welle weit und breit und irgendwie scheint hier sogar das Klima ein anderes zu sein. „Hörnum, der sonnige Süden“ passt heute jedenfalls wieder einmal hervorragend. Kurz denke ich über einen Kinderriegel-Crêpe nach. Oder Kaiserschmarrn im Kap-Horn. Mein nächster kleiner Gang wird dann aber ein Mandelhörnchen (und eine Kokosmakrone für wann auch immer, die musste einfach mit) von Lund und dazu gibt es einen Spaziergang durch das Hörnumer Zauberwäldchen direkt am Leuchtturm. Wer an dieser Stelle eher Lust auf etwas Herzhaftes hat, könnte sich stattdessen am Hafen ein Fischbrötchen oder ein paar Sylter Miesmuscheln gönnen.

Klappi Genusstour No 2
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Beim Spaziergang durch den kleinen Wald entdecke ich einen Platz, an dem ich sofort bleiben möchte. Geradeaus Bäume, links der Hörnumer Leuchtturm, rechts Dünenlandschaft und dahinter die Kersig-Siedlung. Die einheitlich geplante Ansammlung kleiner Reetdachhäuser stammt aus den 1960er-Jahren und fügt sich so idyllisch in die Hörnumer Landschaft ein, dass sie gerne mit einem kleinen „Auenland“ verglichen wird. Hübsch anzuschauen ist sie auf jeden Fall. Und dort zu wohnen? Wäre natürlich ein Traum. Ich mache Pause, genieße die Sonne und vor allem die Ruhe. Einer dieser Momente, für die sich diese Radtour besonders lohnt.

Backfisch-Tacos mit Nordseeblick

In Hörnum könnte ich jetzt noch problemlos ein paar Stunden verbringen. Ein Cosmopolitan an der Budersand-Bar, Scholle im Kap-Horn oder einmal zu Fuß um die Odde. Möglichkeiten gibt es wirklich so viele. Je nach Budget, Hunger und Zeit. Manche Betriebe haben heute Ruhetag, es lohnt sich vorher vielleicht schon mal zu schauen, wer so offen hat. 

Mich zieht es heute, ebenfalls eine Premiere für mich, ins Landfein oben auf der Düne. Von hier habe ich einen traumhaften Blick über die Nordsee und sitze windgeschützt hinter der Scheibe. Plötzlich fühlt es sich noch einmal ein bisschen nach Hochsommer an. Lieben wir! Auch diese Karte ist wieder sehr kreativ. Mittags gibt es unter anderem Tapas zum Teilen, Meeresfrüchte und vegetarische Kreationen; generell orientiert sich die Landfein-Küche an Saison und Region und interpretiert ihre Gerichte mal nordisch, mal klassisch, mal modern. Mich spricht einiges an, aber heute habe ich Lust auf Fisch: Es werden Backfisch-Tacos mit Guacamole und scharfer Sriracha-Sauce. Dazu ein Glas Crémant und Sylter Wasser. Dieses wird hier aufbereitet und in Karaffen ausgeschenkt. Ein Gedanke, den ich sehr mag, insbesondere weil das Sylter Leitungswasser laut Messungen sehr gut ist. Sylt hat eigene Süßwasserlinsen unter dem Geestkern und ist somit autark. Immer wieder beeindruckend, was sich die Natur so einfallen lässt. 
Nach dem Essen genieße ich noch ein bisschen die spätsommerliche Strandatmosphäre. Ein paar Strandkörbe stehen noch im Sand, die Nordsee zeigt sich heute erstaunlich handzahm und lädt noch einmal zum Baden ein.

Auf dem Rückweg wartet noch ein Gang

Sehr gestärkt, ziemlich glücklich und mit Musik auf den Ohren geht es zurück Richtung Rantum. Und wieder stellt sich die Frage: Sansibar, Samoa? Beide gehören für mich seit meiner Kindheit fest zu Sylt und kulinarisch wurde ich dort noch nie enttäuscht. Empfehlen kann ich sie also von Herzen. Heute möchte ich aber noch etwas anderes ausprobieren und lande im Taatjem Deel. Meerblick gibt es hier zwar nicht, dafür wieder eine kreative Karte und sehr sympathischen Service. Das marineblaue Holzhaus liegt geschützt hinter der Düne und innen wie außen geht es bunt, entspannt und ein bisschen nach Ibiza aussehend zu. Auch hier fällt die Entscheidung nicht leicht. Karamellisierte Burrata, Lobster Pasta oder Spicy Cream aus Süßkartoffel und Kokos? Ich wähle Letzteres, on top kommt noch eine Riesengarnele und begleitend einen alkoholfreien Aperol Spritz. Auch hier bekomme ich dazu richtig köstliches Sauerteigbrot. Überhaupt scheint Sauerteig inzwischen diversen Sylter Restaurants angekommen zu sein und dem klassischen Friesenbrot Konkurrenz zu machen. Ich mag den Trend.

Auch sonst passiert im Taatjem Deel einiges. Neben der regulären Karte gibt es eine eigene Brunchkarte und immer mal wieder sonntags „Brunch & Boogie“ Events mit Musik, Drinks und Brunchgerichten. In diesem liebevoll eingerichteten Haus steckt spürbar viel Kreativität. Einer dieser Orte, bei denen man beim Gehen schon denkt: Hier möchte ich wieder herkommen.

Ein Dessert im Taatjem Deel wäre jetzt durchaus noch drin. Aber ich habe einen anderen Plan. Meine Hörnumer Kokosmakrone wartet noch auf mich. Also geht es für den letzten Gang des Tages direkt an den Strand. Klapprad abstellen, in den Sand setzen, Kokosmakrone auspacken und diesen ziemlich perfekten spätsommerlichen Genusstag ausklingen lassen. Glücklich, satt und mit sehr viel neuer Inspiration für die nächste Tour. Denn nach Klappi-Genusstour No. 2 ist ziemlich sicher vor Klappi-Genusstour No. 3.

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Klappi Genusstour No 2
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