Schon morgens kurz nach dem Öffnen füllen sich die Plätze in der sonnengelben Halle am Rantumer Hafen. Es duftet nach frisch geröstetem Kaffee, Omas Butterkuchen und nach Leichtigkeit. Während draußen der Blick über das Rantumbecken schweift, sitzen drinnen und auf der geschützten Terrasse längst nicht mehr nur neugierige Gäste. Viele von ihnen kommen seit Jahren hierher, manche sogar seit dem ersten Tag. Mittlerweile ist die Kaffeerösterei Sylt also kein unbekannter Geheimtipp mehr, sondern eine gestandene Inselinstitution mit Herz.
Dass sich dieser besondere Ort etwas versteckt im nördlichen Teil des Hafens befindet, ist mittlerweile natürlicher Teil des Konzepts und ein absoluter Vorteil. Man könnte meinen, dass der Standort aufgrund seiner abgeschotteten Lage durchaus gewagt ist, letzten Endes aber mehr als Sinn macht. Die unmittelbare Nähe zum idyllischen Naturschutzgebiet ist ein Geschenk für Seele und Nervensystem und hier in den Tag zu starten, mehr als eine gute Idee. Wer den Weg einmal gefunden hat, kommt meistens wieder. Viele wissen die hohe Qualität des Kaffees zu schätzen, stöbern gerne im benachbarten Kreativ- und Vintage-Shop Hafen 9 oder genießen einfach die Ruhe und das Gefühl, hier für einen Moment dem Tempo des Alltags entkommen zu können. Die Kombination ist reines Gold in der heutigen schnelllebigen Zeit. Hier trifft echtes Handwerk auf Sylter Natur, der pure Luxus des Lebens.
Vor zehn Jahren haben Christian und Nicol Appel hier in Rantum ihren Traum verwirklicht. Damals ließen sie ihr Leben in Köln hinter sich und gingen auf Sylt „all in“. Zweifel daran, dass das Konzept funktionieren könnte, hatten sie offenbar nie. „Wir hatten vom ersten Tag an das Gefühl, dass es funktioniert“, erinnert sich Christian Appel. „Nach sechs Wochen haben wir schon die erste Aushilfe eingestellt.“ Während Christian heute zwischen Röster, Telefon und Büro pendelt, wartet er an diesem Donnerstagvormittag sehnsüchtig auf eine Kaffeelieferung. „So spät wie heute kam die Lieferung in zehn Jahren noch nie“, sagt er und schaut immer wieder Richtung Hof. Zwischendurch kommt Cousin Okke herein und fragt nach einer Außensteckdose. Er ist Vermieter dieser Halle in der Rantumer Hafenstraße, enger Wegbegleiter der Familie und Namensgeber für den „Okke“-Espresso, eine Mischung aus Bohnen aus Guatemala und Indonesien mit schokoladigem Aroma. „Dass uns Okke diesen Standort anbot, war großes Glück.“