© Peter Bender | Sylt Marketing

10 Jahre Kaffeerösterei Sylt

Die Kaffeerösterei Sylt in Rantum wird 10!

Zwischen Röster, Butterkuchen und Wattblick entstand in Rantum ein ganz besonderer Lieblingsort.

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Text: Julia Petersen

Schon morgens kurz nach dem Öffnen füllen sich die Plätze in der sonnengelben Halle am Rantumer Hafen. Es duftet nach frisch geröstetem Kaffee, Omas Butterkuchen und nach Leichtigkeit. Während draußen der Blick über das Rantumbecken schweift, sitzen drinnen und auf der geschützten Terrasse längst nicht mehr nur neugierige Gäste. Viele von ihnen kommen seit Jahren hierher, manche sogar seit dem ersten Tag. Mittlerweile ist die Kaffeerösterei Sylt also kein unbekannter Geheimtipp mehr, sondern eine gestandene Inselinstitution mit Herz.

Dass sich dieser besondere Ort etwas versteckt im nördlichen Teil des Hafens befindet, ist mittlerweile natürlicher Teil des Konzepts und ein absoluter Vorteil. Man könnte meinen, dass der Standort aufgrund seiner abgeschotteten Lage durchaus gewagt ist, letzten Endes aber mehr als Sinn macht. Die unmittelbare Nähe zum idyllischen Naturschutzgebiet ist ein Geschenk für Seele und Nervensystem und hier in den Tag zu starten, mehr als eine gute Idee. Wer den Weg einmal gefunden hat, kommt meistens wieder. Viele wissen die hohe Qualität des Kaffees zu schätzen, stöbern gerne im benachbarten Kreativ- und Vintage-Shop Hafen 9 oder genießen einfach die Ruhe und das Gefühl, hier für einen Moment dem Tempo des Alltags entkommen zu können. Die Kombination ist reines Gold in der heutigen schnelllebigen Zeit. Hier trifft echtes Handwerk auf Sylter Natur, der pure Luxus des Lebens.

Vor zehn Jahren haben Christian und Nicol Appel hier in Rantum ihren Traum verwirklicht. Damals ließen sie ihr Leben in Köln hinter sich und gingen auf Sylt „all in“. Zweifel daran, dass das Konzept funktionieren könnte, hatten sie offenbar nie. „Wir hatten vom ersten Tag an das Gefühl, dass es funktioniert“, erinnert sich Christian Appel. „Nach sechs Wochen haben wir schon die erste Aushilfe eingestellt.“ Während Christian heute zwischen Röster, Telefon und Büro pendelt, wartet er an diesem Donnerstagvormittag sehnsüchtig auf eine Kaffeelieferung. „So spät wie heute kam die Lieferung in zehn Jahren noch nie“, sagt er und schaut immer wieder Richtung Hof. Zwischendurch kommt Cousin Okke herein und fragt nach einer Außensteckdose. Er ist Vermieter dieser Halle in der Rantumer Hafenstraße, enger Wegbegleiter der Familie und Namensgeber für den „Okke“-Espresso, eine Mischung aus Bohnen aus Guatemala und Indonesien mit schokoladigem Aroma. „Dass uns Okke diesen Standort anbot, war großes Glück.“

Eine kleine Kaffeeschule wäre mein Traum.
Christian Appel

Tradition, Teamgeist und echter Geschmack

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Dass Christian irgendwann Röster werden würde, zeichnete sich insgeheim früh ab. Seine Mutter Elke führte damals eine Pension in Westerland und Kaffee spielte dort immer eine wichtige Rolle, die ihn nachhaltig prägte. Auch wenn sich in den vergangenen zehn Jahren vieles weiterentwickelt hat und das Team mittlerweile von zwei auf zwölf Personen wuchs, ist dieser familiäre Spirit hier immer noch spürbar. Nicol Appel kümmert sich vor allem um Organisation und Backoffice, zudem um ihre eigene Selbständigkeit „Kobido Sylt“, die sich rund um das Thema japanische Gesichtsmassagen dreht. Christian ist mittlerweile professioneller Röster am Vormittag und später steht auch für ihn Schreibtischkram an. Am Wochenende ist Familienzeit. Die beiden Söhne, heute 16 und 18 Jahre alt, helfen inzwischen ebenfalls mit. „Ich versuche sie immer mal wieder ins Boot zu holen, ihnen die Barista-Kunst näherzubringen, denn überall auf der Welt, von Sylt bis Australien, ist dieser Beruf bekannt und beliebt“, so Christian.

Trotz des Wachstums und der stetig wachsenden Produktpalette im Shop von eigenen nachhaltigen Kaffeekapseln aus Holz bis zum Kaffeelikör oder Kaffeeöl ist vieles bewusst klein geblieben. Noch immer wird in den eigenen vier Wänden und der hauseigenen kleinen Backstube alles selbst gebacken. Ohne Fertigmischungen, ohne Abkürzungen. Butter- oder Streuselkuchen, Rumkugeln oder Windbeuteltorte sollen schmecken „wie bei Oma, das ist unser Anspruch“, sagt Christian. Ganz am Anfang habe man auch anderes ausprobiert, aber schnell gemerkt: „Nee, das passt nicht zu uns.“ Auch die Arbeit am Kaffee selbst ist in den vergangenen Jahren immer präziser geworden. Sein Computer ist mittlerweile mit der holländischen Röstmaschine, dem Herzstück des Ladens, verbunden. Eine neue Röstsoftware ermöglicht es, jede Sorte mit einem eigenen Profil zu rösten. Temperaturen und Parameter lassen sich während des Röstvorgangs exakt steuern. Gleichzeitig ist das Kredenzen der verschiedenen Kaffeekreationen trotz aller Technik immer noch vor allem Handwerk. „Nur am Geräusch beim Milchschäumen höre ich schon, ob jemand richtig schäumt“, sagt Christian und lacht.

Die Welt der Aromen in Rantum auf Sylt

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Besonders fasziniert ihn bis heute die Aromavielfalt. Früher sprach man von 600 bis 800 Aromen im Kaffee, heute kennen Forscher weit über 2.000 Geschmacksnuancen. „Von Granatapfel über Vanille bis Umami ist alles dabei“, erzählt er. Seine Nase hat sich über die Jahre regelrecht trainiert und könnte vielleicht sogar mit Sternekoch Johannes King mithalten. Dieser war mal mit seinen Azubis hier und konnte mühelos die natürlichen Aromen der Bohnen, etwa Mandel-, Nuss- und Nugatnoten, herausschnüffeln. Besonders am Herzen liegt Christian derzeit ein kenianischer Kaffee. Nicht nur wegen seiner intensiven Blaubeernote, sondern auch wegen der Menschen dahinter. Die Bohnen stammen von Kleinbauern, gleichzeitig werden dort soziale Projekte der Kedovo Organic Farm unterstützt, unter anderem Schulküchen sowie Bildungsangebote für Frauen und Kinder.

Gefeiert wurde das Jubiläum zunächst eher nordisch zurückhaltend. Es fand ein gemeinsames Teamessen statt, ohne viel Firlefanz, dafür mit Dankbarkeit für das Erreichte. Gründe zum Feiern gibt es allerdings jede Menge. Allen voran die just genehmigte Baugenehmigung für die obere Etage. Diese soll umgebaut werden, damit zukünftig auch Barista-Kurse angeboten werden können. „Eine kleine Kaffeeschule wäre mein Traum“, freut sich Christian. Dann rollt endlich die verspätete Kaffeelieferung auf den Hof. Säcke werden hereingetragen, irgendwo klappert Geschirr, aus der Backstube zieht der Duft von frischem Blechkuchen durch das Café. Viel Zeit zum Trödeln bleibt an diesem Donnerstag nicht. Vielleicht ist genau das das Erfolgsgeheimnis der Sylter Kaffeerösterei. Dass hier in den vergangenen zehn Jahren nie versucht wurde, größer, lauter oder schneller zu werden. Stattdessen entstand am Rantumer Hafen ein Ort, der geblieben ist, wie er von Anfang an gedacht war: familiär, ehrlich und voller Leidenschaft für richtig guten Kaffee.