„100 Jahre Syltdamm“
Sylt feiert Jubiläumsjahr
Am 1. Juni 2027 ist es soweit: die Einweihung des Syltdamms jährt sich zum 100. Mal! Das Jubiläumsjahr wird begleitet von kulturellen Veranstaltungen über historische Angebote bis hin zu Aktionen für Einheimische und Gäste. Von Niebüll über Klanxbüll und den Syltdamm bis nach Westerland und von Hörnum bis List sollen dabei ganz unterschiedliche Formate entstehen. Im Mittelpunkt steht ein Festaktwochenende am 29. und 30. Mai 2027.
Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
Dampflokfahrt Niebüll - Westerland
Ein historischer Zug mit Dampflok wird am Samstag über den Syltdamm auf die Insel fahren. Die Zwischenhalte in Klanxbüll und Morsum werden von Feierlichkeiten begleitet.
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29. Mai 2027
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Von Niebüll über Klanxbüll und Morsum nach Westerland
Festakt Abendveranstaltung
Am Samstagabend wird das 100-jährige Jubiläum des Syltdamms für geladene Gäste im Stil der 20er Jahre im Alten Kursaal zelebriert.
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29. Mai 2027
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Alter Kursaal in Westerland
Straßenfest in Westerland
Am Wochenende wird das Syltdamm-Jubiläum in Form eines Straßenfestes in Westerland gefeiert, wobei jeder Inselort sowie die Festlandgemeinden Niebüll und Klanxbüll mit eigenen Ständen vertreten sein werden.
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29. & 30. Mai 2027
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Innenstadt von Westerland
Ausstellung im Rathaus Foyer
Die Ausstellung des Sylter Archivs widmet sich der Geschichte des Bahndamms, seiner Bedeutung für die Insel und insbesondere der historischen und aktuellen Diskussion um die bis heute verbreitete Bezeichnung „Hindenburgdamm“.
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April bis September 2027
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Foyer im Rathaus in Westerland
Ausstellung in Klanxbüll
Die Ausstellung „Verbindung, Wandel, Perspektiven – Das Wiedingharder Festland und der Syltdamm“ im Infozentrum Wiedingharde lädt dazu ein, die Geschichte des Syltdamms nicht nur als technisches Bauwerk, sondern vor allem als Geschichte der Menschen hinter dem Projekt zu sehen – im Mittelpunkt steht dabei der Blick auf die Wiedingharde. Zusätzlich zur Ausstellung sind Vorträge, Führungen und Spaziergänge an die zentralen Festlands-Schauplätze in Planung.
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Mai bis Dezember 2027
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Infozentrum Wiedingharde in Klanxbüll
Ausstellung im Sylt Museum
Die Sölring Museen werden im Rahmen einer Sonderausstellung im Sylt Museum in Keitum die Geschichte des Syltdamms thematisieren. Flankiert wird die Ausstellung von Vorträgen und dem Ferienprojekt Sylter TalentCAMPus.
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Sommer 2027
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Sylt Museum in Keitum
Kinovorführung “Sylt, das Blumenmädchen und der Damm”
Die Kinowelt Sylt wird die NDR-Dokumentation über die dramatische Geschichte vom Bau des Damms und die des kleinen Mädchens Karin zeigen, die als Kind Reichspräsident Paul von Hindenburg bei der Eröffnung der Strecke einen Blumenstrauß überreichte.
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Datum noch unbekannt
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Kinowelt Westerland
Du möchtest mit einer Veranstaltung zum Jubiläumsjahr beitragen?
Das Event-Team zum Syltdamm-Jubiläum freut sich über deine Beteiligung!
Hier findest du die passenden Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen:
- Petra Brüggemann
- Petra.Brueggemann@deutschebahn.com
- Morsumer Kulturfreunde
- info@morsumer-kulturfreunde.de
- Carola Steltner
- info@nordfrieslanderleben.de
Stimmen zum Syltdamm
Tipp
Podcast zum Syltdamm Jubiläum
Der Podcast der Inselverwaltung „Zwischen Düne und Dienstweg“ startet eine Sonderreihe zum Syltdamm. In mehreren Folgen sprechen beteiligte Akteure über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der wichtigen Verbindung.
In der Auftaktfolge ist Martin Brüggemann vom DB Sylt Shuttle zu Gast. Er spricht über die Bedeutung des Syltdamms, aktuelle Herausforderungen, seine Rolle im Planungsteam und das geplante Festaktwochenende.
„Der Syltdamm verbindet seit fast einem ganzen Jahrhundert das Festland mit der Insel und damit Menschen, Lebenswelten und Perspektiven und ist als fester Bestandteil unserer Region weit mehr als reine Infrastruktur."Tina Haltermann, Bürgermeisterin Gemeinde Sylt
„Der Syltdamm ist weit mehr als eine Bahnverbindung nach Sylt. Seit Generationen prägt er die Entwicklung unserer gesamten Region – wirtschaftlich, kulturell und menschlich. Und in Klanxbüll wird dies jeden Tag spürbar: als letzter Halt vor der Insel und zugleich als erstes Tor nach Sylt.“Sascha Lewi, Bürgermeister Klanxbüll
„Während der Rest der Marschbahn unter Infrastrukturstörungen leidet, bleibt der Hindenburgdamm das verlässlichste Stück der Verbindung nach Sylt.“Achim Bonnichsen, Pendlerintiative Sylt
Die Historie des Syltdamms
Der Bau des Damms
Mit dem Bau des Syltdamms begann eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte Norddeutschlands bereits lange vor seiner Fertigstellung: Nachdem das Vorhaben 1913 genehmigt wurde, verhinderten zunächst der Erste Weltkrieg den sofortigen Start. Gleichzeitig wurde nach dem Krieg eine feste Verbindung nach Sylt immer wichtiger, da Reisende infolge der neuen Grenzziehung auf dem Weg zur Insel zunächst dänisches Staatsgebiet bei Hoyer passieren mussten. Erst im Frühjahr 1923 startete offiziell der Bau des Eisenbahndamms durch das Wattenmeer, nachdem vorher schon die Bauarbeiten an der Strecke Niebüll - Klanxbüll sowie der Bahntrasse auf Sylt begonnen hatten. Die Arbeiten standen von Beginn an unter extremen Bedingungen: Bereits am 30. August 1923 zerstörte eine schwere Sturmflut große Teile der Baustelle, spülte rund 250.000 Kubikmeter Boden sowie zahlreiche schwere Arbeitsgeräte fort und warf das Projekt erheblich zurück. Dennoch wurde der Bau mit enormem Einsatz und veränderter Bauweise mit Spundwänden fortgeführt, zeitweise arbeiteten bis zu 1.500 Menschen Tag und Nacht am Damm. Von der Festlandsseite transportierte täglich ein Materialzug mit bis zu 70 Wagen Steine und Baumaterial auf Feldbahngleisen zur Baustelle, während von Sylt aus 30 Segler, drei Schlepper und 20 Schuten die Versorgung der Arbeiter mit Baustoffen aus Husum sicherstellten. Für das insgesamt 11,2 Kilometer lange Bauwerk wurden rund 2,7 Millionen Kubikmeter Sandboden für den Dammkern, 500.000 Kubikmeter Kleiboden zur Abdeckung, 120.000 Tonnen Granitsteine sowie 200.000 Quadratmeter Böschungspflaster verbaut. Die Sohlenbreite des Damms beträgt 50 Meter, die Dammkrone misst elf Meter, die Gesamthöhe rund zehn Meter. Im September 1925 konnte der Schienenweg von beiden Seiten vereinigt werden und vom Festland auf die Insel durchfahrende Materialzüge den Bau beschleunigen. Der Bau des Westerländer Bahnhofsgebäudes wurde 1926 unter hohem Zeitdruck gestartet. Der Eisenbahndamm wurde schließlich am 1. Juni 1927 feierlich vom damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg eröffnet.
Unsere Buchtipps zum Thema:
ist die originale Länge des Damms
ist die Sohle des Damms breit
Sandboden wurden für den Dammkern verbaut
Granitsteine wurden verbaut
waren Tag und Nacht im Einsatz
hat der Bau des Damms gekostet
Meilensteine des Syltdamms
Zur Persona Hindenburg
Der Bahndamm nach Sylt wurde am 1. Juni 1927 eröffnet. Einen offiziell festgelegten Namen erhielt das Bauwerk zunächst nicht. In den offiziellen Unterlagen zur Eröffnung wurde die Strecke entweder als „Reichsbahnstrecke Klanxbüll–Westerland“ oder als „Eisenbahndamm Sylt–Festland“ bezeichnet. An den Eröffnungsfeierlichkeiten nahm auch Reichspräsident Paul von Hindenburg persönlich teil. Während der Feier im Kursaal des heutigen Rathauses in Westerland verwendete der damalige Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, Julius Dorpmüller, beim gemeinsamen Frühstück mit Ehrengästen den Namen „Hindenburgdamm“, was als Ehrung des damaligen Reichspräsidenten verstanden werden kann. Die Bezeichnung setzte sich anschließend im allgemeinen Sprachgebrauch durch, obwohl sie nie offiziell festgelegt wurde.
Dass sich der Name so schnell und nachhaltig etablierte hing eng mit der damaligen Bedeutung Hindenburgs zusammen. In der Weimarer Republik galt er vielen Menschen als nationaler Held, Symbolfigur des Ersten Weltkriegs und Garant für Stabilität in politisch unsicheren Zeiten. Gleichzeitig wurde der Damm als technische Großleistung und als Hoffnungsträger für die wirtschaftliche Entwicklung Sylts wahrgenommen. Zuvor erfolgte die Verbindung zwischen dem Festland und Sylt über die Fähre zwischen Hoyerschleuse und Munkmarsch. Diese Verbindung fiel infolge der Volksabstimmung in Schleswig im Jahr 1920 und der daraus folgenden neuen deutsch-dänischen Grenze weg, nachdem Nordschleswig für die dänische Zugehörigkeit abgestimmt hatte. Der Damm schuf eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Sylt und dem deutschen Festland.
Die Benennung spiegelte damit auch den Zeitgeist wider: Nationalstolz, Technikbegeisterung und die große gesellschaftliche Wertschätzung militärischer Autoritäten prägten weite Teile der Bevölkerung. Der Erste Weltkrieg lag erst wenige Jahre zurück, zudem wurde die Grenzverschiebung aufgrund der Volksabstimmung 1920 in Schleswig.-Holstein und besonders auf Sylt als großer Verlust und vielfach als Unrecht wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund lässt sich ein militärisch-technischer Deutungshorizont erkennen, in dem infrastrukturelle Großprojekte wie der Bahndamm nicht allein als wirtschaftliche Maßnahme, sondern im Rahmen einer Semantik des Bezwingens interpretiert wurden: Der Bau erschien als Triumph über Natur und widrige Umstände. Die wirtschaftliche Lage nach dem Ersten Weltkrieg war vielerorts schwierig und wurde von vielen Menschen mit der jungen Weimarer Republik verbunden, nicht zuletzt aufgrund der von Hindenburg verbreiteten Dolchstoßlegende. Besonders auf Sylt verbanden sich wirtschaftliche Hoffnungen mit dem neuen Bahndamm und mit Hindenburg als Symbol für Ordnung, nationale Einheit und einen möglichen Aufschwung.
Bei der Deutschen Bahn heißt der Damm übrigens offiziell „Strecke 1210“. Laut einer Bahnsprecherin werden nur Tunnel offiziell getauft, nicht aber Bahndämme.
Paul von Hindenburg war Generalfeldmarschall im Ersten Weltkrieg sowie später Reichspräsident des Deutschen Reiches von 1925 bis zu seinem Tod im Jahr 1934. Große Bekanntheit erlangte er insbesondere nach der Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1914. Der militärische Sieg über die russische Armee machte Hindenburg zu einer national verehrten Symbolfigur und begründete seinen Ruf als „Kriegsheld“. Historiker weisen jedoch darauf hin, dass der Erfolg nicht allein Hindenburg zuzuschreiben war, sondern ebenso seinem Generalstabschef Erich Ludendorff sowie der gesamten militärischen Führung. Zudem kostete die Schlacht zehntausenden Soldaten auf beiden Seiten das Leben. Die Vorstellung vom unangefochtenen „Kriegshelden“ wird deshalb heute deutlich kritischer betrachtet.
Kritik an Hindenburg richtet sich vor allem auf seine politische Rolle in der Endphase der Weimarer Republik. Hindenburg stand der parlamentarischen Demokratie distanziert gegenüber und befürwortete eine stärker autoritär geprägte Staatsordnung. Zudem verbreitete er die sogenannte Dolchstoßlegende. Diese Behauptung besagte, das deutsche Heer sei im Ersten Weltkrieg nicht militärisch besiegt, sondern von demokratischen Politikern und Revolutionären „von hinten erdolcht“ worden. Besonders durch Hindenburgs Aussage vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Jahr 1919 erhielt die Erzählung große öffentliche Aufmerksamkeit und weite Verbreitung. Die Dolchstoßlegende schwächte das Vertrauen vieler Menschen in die Demokratie erheblich und trug zur politischen Radikalisierung in der Weimarer Republik bei.
Als Reichspräsident regierte Hindenburg seit Beginn der 1930er Jahre zunehmend mit Hilfe von Notverordnungen nach Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung. Dadurch verlor der Reichstag immer stärker an politischer Bedeutung, während sich die Macht auf den Reichspräsidenten und die sogenannten Präsidialkabinette verlagerte. Eine Maßnahme, welche die parlamentarischen Demokratie entscheidend schwächte.
Besonders kritisch bewertet wird zudem Hindenburgs Entscheidung, Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler zu ernennen. Zwar stand Hindenburg Hitler persönlich zunächst ablehnend gegenüber, dennoch stimmte er schließlich einer Regierung unter Hitler zu. In den folgenden Monaten wurden mithilfe von Notverordnungen und Gesetzen zentrale demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt und die nationalsozialistische Diktatur aufgebaut. Deshalb gilt Hindenburg heute als Mitverantwortlicher beziehungsweise als Wegbereiter des Nationalsozialismus.
Tipp
Ausstellung im Rathaus Foyer
Von April bis September 2027 wird es eine Ausstellung des Sylter Archivs anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bahndamms im Foyer des Westerländer Rathauses geben.
Die Ausstellung widmet sich der Geschichte des Bahndamms, seiner Bedeutung für die Insel und insbesondere der historischen und aktuellen Diskussion um die bis heute verbreitete Bezeichnung „Hindenburgdamm“. Thematisiert werden unter anderem die Entstehung des Namens, die Person Paul von Hindenburg, sowie vergangene und aktuelle Debatten über den Umgang mit Ehrungen von Persönlichkeiten die inzwischen kritisch betrachtet werden, und mögliche Formen der Auseinandersetzung damit.
Die Ausstellung soll den Besuchenden ermöglichen, die historischen Entwicklungen und Rahmenbedingungen rund um den Bahndamm verständlich nachzuvollziehen, die Zusammenhänge zu erfassen und Veränderungen im gesellschaftlichen und politischen Umgang mit dem Bahndamm einordnen zu können.