Der Sylter Winter zeigt sich aktuell von einer sehr prächtigen Seite: Gepuderte Sandstrände und Dünenwege, Friesenhäuser mit kunstvollen Eiszapfen und eine klare Nordseeluft sorgen für gemütliche Insel-Romantik. Doch bei all den schönen Momenten und Kulissen, gilt diese winterliche Zeit für viele als besonders herausfordernd. Mit welchen Teesorten du dein Immunsystem und Wohlbefinden unterstützen und stärken kannst, verrät dir Tee-Experte Ernst Janssen im Interview. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine Krüger, Stieftochter Andrea Krüger und ihrem Ehemann Abdi Krüger führt er das biozertifizierte Teegeschäft mitsamt weltweitem Versand in der Strandstraße 28. Nur wenige Meter vom Meer entfernt hat die Familie dort eine Paradies für Wunderpflanzen der Natur kriert und für alle, die in den Genuss dieser kommen möchten. Goldene Päckchen reihen sich auf mehreren Regalen inmitten des Raumes und noch größere goldene Dosen befinden sich fein säuberlich sortiert und eng gekuschelt in den Regalen entlang der Wand des feinen Ladens. Montagabends verwandelt sich diese Sylter Schatzkiste in einen Seminarraum für Teeinteressierte und dienstags in ein Wohnzimmertheater, wo Sabine Krüger dann mit eigenen Liedern und Texten anspruchsvolle Kleinkunst präsentiert. Es ist einer dieser besonderen Orte auf Sylt, an dem man in Kulturen und Geschichten eintauchen kann und garantiert ehrlich beraten wird.
Herr Janssen, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten intensiv mit Tee, sind also ein erfahrener Tee-Experte mit geballtem Wissen - das wird auch bei Ihren Teeseminaren sehr deutlich. Erinnern Sie sich noch an Ihren allerersten bewussten Kontakt mit Tee?
Ernst Janssen: Wenn ich als Fünfjähriger über Bauchschmerzen klagte, dann hat schon die Ankündigung meiner Mutter geholfen, ihre Geheimwaffe Kamillentee einzusetzen, plötzlich war das Bauchweh weg. Ich konnte den Duft von Azulen, eines Wirkstoffs in den Blüten, nicht ausstehen. Meine Mutter, war als „Kräuterhexe“ mit Tee- und Wildkräutern sehr vertraut. Sie wusste sie zum Wohle der Familie zielgenau einzusetzen. Wildkräuter, auf Wanderungen durch die Natur gesammelt, zuhause auf dem Dachboden getrocknet, wurden zur Zeit Goethes von „Buckelapothekern auf dem Strich“ von Thüringen aus durch alle Lande getragen und gegen Krankheiten eingesetzt. Vor der Zeit Goethes verbrannte man sie auf dem Scheiterhaufen in kirchlichem Auftrag. Mir selber sind Heilkräuter aus der Zeit quälender Hungersnöte (1943 bis ca. 1947 Schlesien – 1947 bis 1949 Freiberg/Erzgebirge) auch für die Zubereitung von Suppen, Soßen und als vitale Ergänzung noch bekannt. Mit Teemischungen aus Löwenzahn, Brennessel, Kamille, Sauerampfer und Gänseblümchen sind wir regelmäßig versorgt worden.
Heute werden Wildpflanzen oftmals mittels Herbiziden wie Glyphosat ausgerottet und der Natur schwerer Schaden zugefügt. Rückbesinnung auf bewährte Kräuteranwendungen könnte vielen im Wesentlichen helfen.
Meine Zuneigung zu Tee intensivierte sich nach der Ausbildung zum Drogisten und ich befand mich so gegen 1970 beruflich inmitten einer Welt aus tausenden von weltweit gehandelten pflanzlichen Rohstoffen, Chemikalien, Reagenzien, pflanzlichen Drogen, Gewürzen und auch Betäubungsmitteln. Eine bunte, geruchsintensiv betörende Welt aus aller Herren Länder. Als Drogist verfügte man damals über gute pharmazeutische und ernährungsphysiologische Kenntnisse.