© Julia Petersen

Teehaus
Ernst Janssen

Wunderpflanzen der Natur im Bio-Teehaus Ernst Janssen in Westerland

Interview mit Tee-Experte Ernst Janssen: Diese Sorten helfen dir gestärkt und
gesund durch den Winter zu kommen.

Getrocknete Kräuter- und Blütenmischung in Nahaufnahme.
© Julia Petersen

Interview: Julia Petersen

Der Sylter Winter zeigt sich aktuell von einer sehr prächtigen Seite: Gepuderte Sandstrände und Dünenwege, Friesenhäuser mit kunstvollen Eiszapfen und eine klare Nordseeluft sorgen für gemütliche Insel-Romantik. Doch bei all den schönen Momenten und Kulissen, gilt diese winterliche Zeit für viele als besonders herausfordernd. Mit welchen Teesorten du dein Immunsystem und Wohlbefinden unterstützen und stärken kannst, verrät dir Tee-Experte Ernst Janssen im Interview. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine Krüger, Stieftochter Andrea Krüger und ihrem Ehemann Abdi Krüger führt er das biozertifizierte Teegeschäft mitsamt weltweitem Versand in der Strandstraße 28. Nur wenige Meter vom Meer entfernt hat die Familie dort eine Paradies für Wunderpflanzen der Natur kriert und für alle, die in den Genuss dieser kommen möchten. Goldene Päckchen reihen sich auf mehreren Regalen inmitten des Raumes und noch größere goldene Dosen befinden sich fein säuberlich sortiert und eng gekuschelt in den Regalen entlang der Wand des feinen Ladens. Montagabends verwandelt sich diese Sylter Schatzkiste in einen Seminarraum für Teeinteressierte und dienstags in ein Wohnzimmertheater, wo Sabine Krüger dann mit eigenen Liedern und Texten anspruchsvolle Kleinkunst präsentiert. Es ist einer dieser besonderen Orte auf Sylt, an dem man in Kulturen und Geschichten eintauchen kann und garantiert ehrlich beraten wird. 

Herr Janssen, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten intensiv mit Tee, sind also ein erfahrener Tee-Experte mit geballtem Wissen - das wird auch bei Ihren Teeseminaren sehr deutlich. Erinnern Sie sich noch an Ihren allerersten bewussten Kontakt mit Tee?
Ernst Janssen: Wenn ich als Fünfjähriger über Bauchschmerzen klagte, dann hat schon die Ankündigung meiner Mutter geholfen, ihre Geheimwaffe Kamillentee einzusetzen, plötzlich war das Bauchweh weg. Ich konnte den Duft von Azulen, eines Wirkstoffs in den Blüten, nicht ausstehen. Meine Mutter, war als „Kräuterhexe“ mit Tee- und Wildkräutern sehr vertraut. Sie wusste sie zum Wohle der Familie zielgenau einzusetzen. Wildkräuter, auf Wanderungen durch die Natur gesammelt, zuhause auf dem Dachboden getrocknet, wurden zur Zeit Goethes von „Buckelapothekern auf dem Strich“ von Thüringen aus durch alle Lande getragen und gegen Krankheiten eingesetzt. Vor der Zeit Goethes verbrannte man sie auf dem Scheiterhaufen in kirchlichem Auftrag. Mir selber sind Heilkräuter aus der Zeit quälender Hungersnöte (1943 bis ca. 1947 Schlesien – 1947 bis 1949 Freiberg/Erzgebirge) auch für die Zubereitung von Suppen, Soßen und als vitale Ergänzung noch bekannt. Mit Teemischungen aus Löwenzahn, Brennessel, Kamille, Sauerampfer und Gänseblümchen sind wir regelmäßig versorgt worden.
Heute werden Wildpflanzen oftmals mittels Herbiziden wie Glyphosat ausgerottet und der Natur schwerer Schaden zugefügt. Rückbesinnung auf bewährte Kräuteranwendungen könnte vielen im Wesentlichen helfen.
Meine Zuneigung zu Tee intensivierte sich nach der Ausbildung zum Drogisten und ich befand mich so gegen 1970 beruflich inmitten einer Welt aus tausenden von weltweit gehandelten pflanzlichen Rohstoffen, Chemikalien, Reagenzien, pflanzlichen Drogen, Gewürzen und auch Betäubungsmitteln. Eine bunte, geruchsintensiv betörende Welt aus aller Herren Länder. Als Drogist verfügte man damals über gute pharmazeutische und ernährungsphysiologische Kenntnisse. 

© Julia Petersen
“Ein Drittel der Lebenszeit ist mit Arbeit ausgefüllt. Ein weiteres dient der Freizeit und Familie. Ein Drittes dient gesundem Schlaf. Mit und bei Teegenuss lebt es sich einfach besser. Wer mir das nicht glauben mag, der probiere es wenigstens mal vier Wochen lang aus und urteile dann.”

Authentisch & echt: Das Teehaus am Meer

Metalldose mit grünem Etikett „Janssens Sylter Vanille“
© Julia Petersen

Was hat Sie persönlich so fasziniert, dass Tee bis heute Ihr Leben bestimmt? Und welche Rolle spielt Sylt dabei?
Ernst Janssen: Sylt hat meine berufliche Identität gefestigt. Wenn man den Menschen hier freundlich und aufrichtig begegnet, natürliche Produkte auf qualitativem Höchstniveau mit glaubwürdiger Sylter Identität bereitstellt, dann kommt es später doppelt nachhaltig zurück. Unser familiengeführtes Versandunternehmen besitzt als einziges in der Region eine EU-Biozertifizierung und mit EU-Fördermitteln sind wir dabei ein aufwändiges Vorhaben zur Volldigitalisierung des Gesamtunternehmens zu realisieren. Viele Sylter Feriengäste zeigen ein starkes Interesse an Natur- und Umweltschutz und sind am Bezug von Bio-Produkten in Premiumqualität stark interessiert. Zumal ein Liter Tee doch nur 30 bis 50 Cent kostet und die weltweiten Wasserressourcen schützt.
Nach gut fünf Jahrzehnten kann ich heute mit mehr als viertausend Teeseminaren („TEE WIRKT“) sagen, zur Identität als „Tee-Insel“ ein wenig Anteil geleistet zu haben.

Viele Menschen suchen gerade im Winter nach natürlichen Wegen, gesund zu bleiben. Welche Rolle spielt Tee und insbesondere Bio-Tee dabei?
Ernst Janssen: Teegetränke pur regulieren das Säure-Basen Gleichgewicht, putzen die Gefäße von alterungsfördernden Anhaftungen frei, fördern die Tätigkeit von Hirn und Herz, ermöglichen eine gesunde Zellteilung, fördern beschwerdefreieres und selbstbestimmtes Leben. Das gilt in Sommer- und Winterzeiten gleichermaßen. Bio-Teebauern betreiben, alternativ zu Chemieeinsatz, natürliche Kompost- und Mulchwirtschaft. Derart verantwortungsvoll bewirtschaftete Flächen nehmen mehr Regenwasser auf, verfügen über eine reichhaltige Mikroorganismenwelt und können eigeninitiativ Umgebungsgewächse über bevorstehende Schadereignisse informieren. Mit Bioware zu handeln oder solche nach eigenen Texturen herzustellen, ist heute mit hohem Arbeitsaufwand verbunden. Hut ab vor jenen, die Gewissens und meiner gefühlten Verantwortung arbeiten.

Welche Teesorten empfehlen Sie besonders zur Stärkung des Immunsystems?
Ernst Janssen: Immunstärkend wirken Polyphenole (Gerbstoffe) aus Pflanzen. Reichlich vertreten in der Kapland-Pelargonie (Alge) sowie in der mediterranen, wildwachsenden Zistrose. Zistrosepolyphenole spüren maskierte Viren, Bakterien und Pilze im Körper auf. Indem sie deren schützende Fibrinhülle knacken ist es dem Bösewicht nicht mehr möglich, sich in Körperzellen weiter zu vermehren. Ich habe persönlich tausendfache Kenntnis davon der viren- und keimvernichtenden Wirkung durch Berichte und auch selbst erlebt und kann als Fachjournalist davon Zeugnis ablegen. Als Kaufmann wäre es mir verboten.

Die richtige Zubereitung und ihre Wirkung

Hand hält lose Kräuter-Teemischung über offener Metalldose
© Julia Petersen

Gibt es Tees, die Sie bei Erkältungsanfälligkeit oder Erschöpfung ans Herz legen?
Ernst Janssen: Da wären zur Vorbeugung wässrige Zistroseanwendungen, äußerlich bei allen Problemen der Haut und zur Abwehr von Zecken. Über Zistrose habe ich eine Informationsschrift verfasst. Außerdem: Wenig Wasseraufnahme = erlahmende Immunabwehr. Ingwer- und Gewürztees sind empfehlenswert. Darüber hinaus steht die körpereigene Schutztruppe bei ausgeglichenem Säure-Basenhaushalt in guter Abwehrstellung. Wichtig wäre noch, Tee ohne Zusatz von Zucker, Süßstoffen, Kuhmilch, zu genießen. 

Worauf sollte man bei der Qualität von Tee achten, wenn man ihn aus gesundheitlichen Gründen trinkt?
Ernst Janssen: Ich empfehle den Kauf loser Tees in zertifizierter EU-Bioqualität. Da ist die Blattqualität erkennbar. Feine Teekrümel, auch in Teebeuteln, besitzen einen erhöhten Lösungsgrad der Inhaltstoffe. Zu stark mit zu viel Blatt oder zu langer Ziehzeit kann bei Schwarz- und Grüntee zu Verstopfung und Eisenaufnahmestörung pflanzlichen Nahrungseisens führen.

Wie wichtig ist die richtige Zubereitung für die Wirkung eines Tees?
Ernst Janssen: Sehr wichtig. Grüner, Oolong- und Schwarztee mit 3-5 Gramm/Liter, 100°C übergossen, 3-4 Ziehminuten. Kräutertee mit 5-7 Gramm/Liter, 100°C heiß ansetzen, 5-8 Minuten Ziehzeit. Früchtetee mit 10-15 Gramm/Liter, 100°C aufgießen10 bis 20 Ziehminuten. Das Zubereiten von Tee ist einfacher, als bei Kaffee. An Gerätschaften für Tee ist eine gute Teekanne, ein richtig dimensioniertes Teesieb und ein Wasserkessel nötig. Für Kaffeeautomaten werden oft statusgemäß tausende Euros hingeblättert. Dafür trinke ich jahrelang kostenlos meinen Tee. 

Gibt es typische Fehler, die Teetrinkende machen können?
Ernst Janssen: In der Eingewöhnungszeit neigt man dazu, zu viel Teeblätter für zu starke Geschmacksentwicklung anzusetzen. Ernährungsphysiologisch sind milde Lösungen bekömmlicher. Ein Löffel mehr an Teeblättern schmeckt nicht besser, sondern eher schlechter. 

Besondere Teesorten für den Winter

Mann öffnet Metalldose mit getrockneten Kräutern in einem Teeladen.
© Julia Petersen

Haben Sie ein persönliches Tee-Ritual – besonders in der kalten Jahreszeit? 
Ernst Janssen: Nö. Ich trinke Tee das ganze Jahr hinweg täglich nach Bedarf und Belieben, insbesondere während der Arbeitszeiten. Je öfter, je lieber. Wenn ich einmal alt geworden im Lehnstuhl sitze, dann habe ich Zeit für rituelles Teetrinken. 

Kann Tee Ihrer Meinung nach mehr sein als ein Getränk – vielleicht sogar eine Art Medizin für Körper und Seele?
Ernst Janssen: Tee ist ein Remedium für Körper, Seele und Geist. Fernreisende berichteten schon im frühen 18. Jahrhundert Folgendes: „Die Eingeborenen (Persiens) spuken und schneutzen sich nie. Ihr Gehirn ist von jenen Überflüssigkeiten befreit, die den Sitz des Verstandes beschweren.“

Sie haben mit unzähligen Menschen über Tee gesprochen. Was lehrt einen diese Arbeit über Menschen?
Ernst Janssen: Teetrinker bleiben länger jung, sie sind lernfähiger, sie hören geduldiger zu, handeln weniger adrenalingestresst und verhalten sich durchweg freundlich. Das merkt man, wenn man mal ein paar Stunden im Bio-Teehaus, umweht von natürlichen Düften, steht.

Gibt es etwas, das Tee Ihnen fürs Leben beigebracht hat?
Ernst Janssen: Schwierige Frage. Ein Drittel der Lebenszeit ist mit Arbeit ausgefüllt. Ein weiteres dient der Freizeit und Familie. Ein Drittes dient gesundem Schlaf. Mit und bei Teegenuss lebt es sich einfach besser. Wer mir das nicht glauben mag, der probiere es wenigstens mal vier Wochen lang aus und urteile dann.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Teekultur in Deutschland?
Ernst Janssen: Ansteigender Teekonsum in Deutschland verändert die Menschen positiv und ergäbe sogar eine starke Kostenentlastung im Bereich der Gesundheits- und Sozialleistungen.

Welchen Tee würden Sie jemandem empfehlen, der gerade erst beginnt, sich ernsthaft mit Tee zu beschäftigen?
Ernst Janssen: Für einen guten Teeanfang empfehle ich die Teilnahme an einem meiner Teeseminare. Von Teeläden verlange ich, dass sie fundiert und frei von Verkaufsdruck beraten. Argumente wie: „Nehmen Sie den, den trinke ich auch“, überzeugen nicht. Verwechseln Sie nie den aufdringlich künstlichen Duft in manchen Teeläden mit Frische. Teesorten niemals in Klarsichttüten kaufen. 

Wenn Sie unseren Leser:innen einen einzigen Tee für den Winter mitgeben dürften – welcher wäre es und warum? 
Ernst Janssen: Zur Infektvorsorge „Zistrosekraut“. Ich bearbeite dieses Thema fachjournalistisch seit Jahren. Zum Genusse trinke ich gern den gewürzten Rooibos-Kräutertee „Sylter Liebe“. Gern auch mal mit einem kleinen Schuss Rum.

Haben Sie einen Lieblingstee?
Ernst Janssen: Bei Tag belebend: Grüner/Weißer Tee „Pai Mu Tan“ und Grüner Tee „Grüne Welle“. Nicht belebend: Zistrosekraut, Rooibostee, Früchtetee „Aronia-Granatapfel“.
Für guten Schlaf und ein aktives Kurz- und Langzeeitgedächtnis: „Griechischer Bergtee“.