Die Sylter Landschlachterei in Keitum
Bleicke Andersen - der Gallowayflüsterer in dritter Generation
Erfahrungsgemäß haben Sylter Landwirte am liebsten ihre Ruhe und wenig übrig für unnötige Sabbelei. Sie arbeiten draußen, konzentriert auf das, was zu tun ist, ohne viel Chichi – tief verbunden mit der Natur.
Wie eng auch Insulaner Bleicke Andersen mit der Sylter Landschaft verwoben ist, wird an jenem Mittwochnachmittag deutlich. Bei strahlendem Sonnenschein fährt er vom Hof der Sylter Landschlachterei in Keitum mit dem Traktor gen Westen zu einer schneebedeckten Wiese. Dort überwintert derzeit die Galloway-Herde der Familie Andersen, bis die überfluteten Salzwiesen wieder trocken genug sind. Ihnen verdankt die Herdbuchzucht auch ihren Namen: „Von Sylter Salzwiesen“, deren Wurzeln in Shankend Farm Cottage, Hawick, Roxburghshire im Südwesten Schottlands liegen.
Gemeinsam mit seinem Bruder Theide, der für den kulinarischen Part verantwortlich ist, und Vater Sönke Andersen, dem Initiator und überall Mitwirkenden, führt Bleicke den Familienbetrieb „Sylter Landschlachterei“ in dritter Generation. Mit Leidenschaft kümmern sich die Andersens um ihre Galloways mit dem dunkel gelockten, doppelschichtigen Fell. Das wasserabweisende Deckhaar mit isolierendem Unterhaar und ihr robuster Körperbau sorgen dafür, dass sie dem rauen Nordseeklima mühelos trotzen und ganzjährig draußen stehen können.
„Wir achten darauf, dass unsere Tiere trockenen Boden unter den Klauen haben und sich vor dem Wind schützen können“, erzählt Bleicke und krault dabei einer Mutterkuh liebevoll den Rücken. Sie genießt die Aufmerksamkeit sichtlich, ebenso wie die trockenen Brötchen, die er heute in einem blauen Sack mitgebracht hat. Inzwischen hat sich die gesamte Herde dicht um ihn versammelt. Doch von Angst oder Hektik keine Spur. Bleicke bleibt ruhig und geerdet. Er kennt seine Tiere genau und weiß, wie er sich zwischen ihnen bewegt.
Mindestens zweimal täglich schaut der Keitumer insbesondere bei eisigen Temperaturen nach ihnen, kloppt den zugefrorenen Wassertrog frei und versorgt die trächtigen Tiere mit Heu. Im Frühjahr erwarten sie ihre Kälber, ihre Bäuche sind bereits kugelrund. Dass die Kalbung unter freiem Himmel erfolgt, ist Teil der Zuchtphilosophie der Andersens. Sie sorgen dafür, dass die Galloways ein stressfreies und glückliches Leben führen und die Mutterkuhhaltung auf natürlichste Art erfolgt. Für die Familie ist das die Grundlage für Fleisch, hinter dem sie mit gutem Gewissen stehen kann.
Dass Bleicke eines Tages Vollzeit in den Familienbetrieb einsteigen würde, war ursprünglich nicht geplant. Als sich jedoch die Gelegenheit bot, tauschte er seinen klassischen Bürojob in Hamburg gegen das Leben auf dem Sylter Land. Heute ist der zweifache Vater unter anderem für administrative Aufgaben zuständig. Mit ihm als weiterer Stimme in der Geschäftsführung und mit seiner offenen Art hat sich der Betrieb strategisch weiterentwickelt. Was ihm besonders an der Arbeit mit den Tieren gefällt?
„Das Schöne ist, dass man aus dem Alltag rauskommt. Man hat gar keine Möglichkeit, sich stressen zu lassen, sonst hat man verloren. Hier komme ich wunderbar zur Ruhe.“
Zwar ist das Wintergeschäft im Vergleich zum Sommer etwas runtergefahren, dennoch hat der Hofladen in der Bäderstraße 2 in Keitum montags bis samstags für dich geöffnet. Du bist gerade nicht auf Sylt? Dann lohnt sich ein Besuch im Onlineshop!