Die Jacke liegt seit morgens im Fahrradkorb. Gebraucht haben wir sie nicht. Dafür gab es einen Matcha in der Braderuper Sonne, einen spontanen Abstecher an den Lieblings-Strand, ein paar Longboardwellen mit glasklarem Nordseewasser und die kurze Nachricht: „Samoa später?“ Aus kurz wird lang, aus einem Plan werden drei und irgendwann radelt man mit salzigen Haaren und einer Handvoll Sand in der Tasche nach Hause. Morgen ist schließlich auch noch Sommer.
Wenn er denn mitspielt. Denn auf eines kann man sich beim Sylter Sommer ziemlich gut verlassen: auf nichts. Manchmal legt er schon im Mai los, verwöhnt uns mit den ersten warmen Sonnenstunden am Strand und lässt uns glauben, dass das jetzt monatelang so weitergeht. Das Gemüt? Unerschütterlich hoffnungsvoll. Die Regenstunden des Vorjahres schon längst vergessen. Davon spricht man nicht, lässt Vergangenes da, wo es hingehört. Selten ist man so wenig nachtragend. Auch wenn wir manchmal deutlich länger auf ihn warten müssen. Und zwischendurch? Schietwetter. Herbststimmung. Zwiebellook. Alles drin. Und dann wieder: Ein einziger guter Tag lässt uns alles vergessen. Vielleicht lieben wir ihn auch genau deshalb so sehr. Denn wenn der Sylter Sommer gut ist, ist er so richtig gut.