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Surf + Strand Kultur Sylt

Das neue Surf Museum im Westerländer Rathaus

Auf den Spuren der Väter des Wellenreitens

© Julia Petersen

Text: Julia Petersen

Die weiten Räume des ehemaligen Casinos mit ihren meterhohen Decken im Westerländer Rathaus füllten sich immer mehr. Viele Menschen machten sich an jenem ersten Mai bei Sonnenschein auf den Weg, um die neue Ausstellung „Surf + Strandkultur Sylt“ zu entdecken und in vergangene Zeiten, prägende Erlebnisse und Geschichten vom Meer einzutauchen.

Ein ähnliches Bild bot sich bereits 2024, wesentlich weiter östlich, unmittelbar am Wattenmeer. Dort, wo vielleicht nie eine Welle bricht, aber ein Teil der Inselgeschichte mit großer Sorgfalt bewahrt wird, im Sylt Museum in Keitum. Der Museumsleiter Alexander Römer und die Sölring Foriining erkannten glücklicherweise die Bedeutung des Vorhabens der beiden Insulaner Angelo Schmitt und Dennis Bullen rund um die Sylter Surf- und Strandkultur und gaben dem Kreativteam ein wunderbares Zuhause auf Zeit. Schon bei der Eröffnung des ersten Teils der Ausstellung füllten sich die Räumlichkeiten des traditionellen Kapitänshauses in Gänze: mit Stolz und Freude, Neugierigen und Zeitzeugen mehrerer Generationen.

Ganz im Sinne des Surfspirits machte sich die Fortsetzung der „Surf + Strandkultur Sylt“ nun erneut auf den Weg, reiste quer über die Insel und fand schließlich zurück an ihren historischen Ursprung nach Westerland. Dort, wo vieles begann. Hier, zwischen Brandung, Dünen und dem endlosen Horizont der Nordsee, entstand über Generationen hinweg eine einzigartige Strandkultur, die das Leben auf der Insel bis heute prägt. Auch hier, unmittelbar vor der Küste Westerlands, wurde 1952 der Grundstein für das Wellenreiten auf Sylt und tatsächlich in ganz Deutschland gelegt. Dafür sorgte unter anderem der Rettungsschwimmer Uwe Drath, der die erste Welle mit einer massiven hölzernen Rettungsplanke abritt. Dass sich parallel zur Strandkultur aus jenem Moment eine bis heute lebendige Surfkultur entwickeln würde, ahnte damals wohl niemand. Zu sehr war man mit dem Moment verwoben, genoss das Hier und Jetzt und das lebendige Inselleben.

© Markus Mager
Surfen ist ein fester Bestandteil der Inselkultur
Angelo Schmitt

Ein Rathaus voller Geschichte

© Surf + Strandkultur I Privatarchiv

„Es gibt ein paar Indizien, die dafür sprechen, dass die Sylter Rettungsschwimmer mit die ersten Surfer in Europa waren“, so Angelo Schmitt, der dieses Projekt gemeinsam mit Dennis Bullen initiierte. Bereits vor vier Jahren entstand das Konzept rund um die Ausstellung, die von Donnerstag bis Sonntag in dem ehemaligen Casino des Westerländer Rathauses besucht werden kann. Es ist eines dieser Projekte, die ihren Initiatoren Geduld abverlangten und wieder einmal verdeutlichen, wie wichtig es sein kann, an einer Vision festzuhalten. „Ich bin sehr dankbar, dass wir dieses Projekt mit vielen helfenden Händen umsetzen konnten. Sei es die Handwerkskunst von Martin Hoppe und Oscar Neumann-Asmussen oder die Expertise von Sinje Lornsen, Mitarbeiterin des Sylter Archivs. Nur, um einige Namen zu nennen.“

Mit dem zweiten Teil der Ausstellung „Surf + Strandkultur Sylt“ rückt Angelo Schmitt neben den 1950er-, 60er- und 70er-Jahren nun die 1980er-Jahre in den Fokus der neuen Ausstellung. „Mit diesem Jahrzehnt nehmen wir eine Zeit in den Blick, in der sich die Surfkultur auf Sylt noch einmal deutlich weiterentwickelt und neue Impulse erhalten hat.“ Die Besucherinnen und Besucher haben die Chance, tief in das Inselgeschehen vergangener Jahrzehnte einzutauchen und die Geschichten vom Strand, die die Sylter Inselkultur bis heute prägen, zu erleben. Denn Gründe, nach Sylt zu reisen, gibt es viele. Der wohl überzeugendste von ihnen ist und bleibt jedoch der vierzig Kilometer lange Strand und der Zauber, den er das gesamte Jahr über versprüht.

„Die Rettungsschwimmer sind die unbesungenen Helden des Strandes, die damals wie heute für unsere Sicherheit am Strand sorgen. Und sie nahmen die nächste Generation unter ihre Fittiche und gaben alles weiter, was sie wussten. Das hat mir sehr imponiert und mich nachhaltig geprägt“, erinnert sich Angelo Schmitt, der sich ein Beispiel an seinen Vorgängern nahm und sich jahrelang ehrenamtlich für die Jugend des Surf Club Sylt e.V. engagierte. Der gebürtige Sylter kennt die Nordsee mit all ihren Launen. Als Rettungsschwimmer und Surfer studierte er sie von klein auf Tag für Tag mit Leidenschaft.

© Julia Petersen
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Eine Reise durch das Inselleben vergangener Jahrzehnte

© Surf + Strandkultur I Privatarchiv

Das Wasser ist sein Element, wie könnte es für einen gebürtigen Insulaner auch anders sein. Er bereiste die Welt, oft mit nichts weiter als einem Rucksack und einem Surfboard unter dem Arm. Doch auf Sylt ist der zweifache Familienvater zu Hause. Die Insel ist seine Heimat, sein Leben. Auch deswegen ist es ihm so wichtig, diese Identität und Kultur zu bewahren. Zudem möchte er sichtbar machen, wie eng der Sport, die Gemeinschaft und die Natur miteinander verbunden sind und wie wichtig es ist, die Küste und das Meer zu schützen. Das wird in seiner Sonderausstellung „Shades of Trash“, die sich ebenfalls im ehemaligen Casino im Rathaus befindet, auf spielerisch-kunstvolle Weise deutlich. Angelo Schmitt greift mit seinen aus Strandmüll kreierten Figuren das Thema Umwelt- und Meeresschutz auf und macht auch mit Pop-up-Mahnmalen an verschiedenen Orten, von Sylt bis Sri Lanka, darauf aufmerksam. Ohne erhobenen Finger, dafür mit viel Inspiration und großer Wirkung.

Neben verschiedenen Exponaten wie Surfbrettern und originalen Surfanzügen über fossile Fundstücke, Surfkunst und Fotografien sowie Rettungsschwimmer-Equipment wie Leinen und Karren zeigt das Museumsduo ebenfalls einen zwanzigminütigen Film, der alle Epochen hervorhebt und Zeitzeugen interviewt. Er transportiert die besondere Energie der „Väter des Wellenreitens“ und veranschaulicht auch für noch Unwissende eindrucksvoll, was es mit dem generationsübergreifenden Lebensgefühl auf sich hat. 

Seit dem 2. Mai sind beide Ausstellungen jeweils von Donnerstag bis Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. Verlängerte Öffnungszeiten ab Juni werden auf dem Instagram-Account @surfundstrandkultursylt bekannt gegeben. Der Eintritt beträgt 10 Euro, Kinder zahlen die Hälfte. Mitglieder des Surf Club Sylt und des Vereins Skateboarding Sylt haben freien Eintritt.

Impressionen der Surfgeschichte

Die nächsten Generationen rücken nach: Wie zum Beispiel Momme Drath, Enkel von Uwe Drath, dem ersten Surfer Deutschlands. Oder Jana Kleemann, Tochter von Surfikone und Surf Club Sylt Gründungsmitglied Markus Mager.