© Alte Strandvogtei Kampen

So ging vor über 130 Jahren der »Fremdenverkehr« in Kampen los: »Gästezimmer« im eigenen Haus wurden an die frühen Sommerfrischler vermietet. 1894 kam dann das Hotel »Kurhaus« direkt am Meer dazu. Das Modell »Privatpension« ist inzwischen eher selten. Gewünscht wird das kleine, feine Quartier mit eigener Küche, Bad und Grün drumherum. Für möglichst viel individuellen Gestaltungsraum. Heute stellen wir in der Serie »Bettgeschichten« eine leidenschaftliche Vertreterin der Spezies »Privatvermieter« vor: Stefanie Jones mit der »Alten Strandvogtei«.

Stefanie Jones - Alte Strandvogtei Kampen
© Luca Huth | TS Kampen

Text: Imke Wein

Die sagenumwobene Geschichte der »Alten Strandvogtei« und somit auch die Geschichte der Familie Jones und Knudsen ist im Buch »Mensch, Kampen« festgehalten. Darin werden 22 Persönlichkeiten des Dorfs porträtiert. Und ein Kapitel widmet dieses Lesebilderbuch der Mutter und Tante von Stefanie Jones. Sie ist heute die Gastgeberin von acht zauberhaften Ferienwohnungen in einem der traditionsreichsten Häuser des Dorfes.
»Der Dorfkrug sowie das Haus gegenüber von uns (Anm.: heute »Esel Galerie«) und die Alte Strandvogtei waren der dörfliche Ursprung Kampens«, berichtet Stefanie Jones in ihrer schnuckeligen Küche.

Viele Details in Stefanie Jones’ privatem Wohnbereich erinnern an die Zeit, als Sylter Friesen noch als Strandvogte und Walfänger im Einsatz waren.

Die modernen Küchengeräte und der Computer holen jedoch schnell in die Jetzt-Zeit zurück. »Mein Opa, Martin Knudsen, war der Beste. Als Opa und überhaupt als Mensch. Er hat mit Kohle und Heizöl gehandelt. Die Firma mit seinem Namen gibt es auf Sylt bis heute. Da- mit niemand frieren musste, hat er damals seine Ware auch mal gegen ein Gemälde oder andere schöne Dinge getauscht«, erzählt Stefanie mit Blick auf etliche Objek- te im Wohnzimmer und im Pesel, die das Ergebnis von Naturalientausch à la Opa Knudsen sind. Stefanie Jones ist mit ihrer Familie im Alter von zehn Jahren in das Haus mit der Sonnenuhr gezogen – ins Elternhaus ihrer Mama. Zuvor hatte die Familie in etlichen Städten in den USA und in Italien gelebt. »Mein Vater war bei der Coastguard undwurde alle zwei Jahre versetzt«, berichtet sie von ihrer frühen Kindheit. In Kampen und auf Sylt hat sie als Kind und Jugendliche »einfach alles geliebt«, die Natur, ihr uriges Zuhause, die Freunde, die Stetigkeit des Insellebens. »In den 80er-Jahren waren die allermeister Geschäfte in der Friedrichstraße im Winter noch mit Brettern zugenagelt. Wir haben uns als Jugendliche schon damals immer bei ›McDonalds‹ getroffen – wegen Mangel an Alternativen. Mein Vater konnte mit den Sylter Wintern nicht so viel an- fangen. Er hat noch sehr beim Umbau des Hauses geholfen. Dann haben meine Eltern sich getrennt.«

© Alte Strandvogtei Kampen I S. Jones
»Mit 19 Jahren habe ich meiner Mama versprochen, dass ich das Haus irgendwann übernehme.«
Stefanie Jones

Stefanie Jones - Alte Strandvogtei Kampen
© Luca Huth | TS Kampen

Beim damaligen Großumbau entstand die heutige Struktur der entzückenden Wohnungen im weitläufigen Haus rund um den Bilderbuchgarten. »Meine Mutter hatte damals die Vision und hat unermüdlich an diesem Traum von einem authentisch friesischen Ferienidyll gearbeitet, bis es fertig war«, erinnert die Gastgeberin mit dem Riesenherz für das Wohlergehen aller Bewohner im Haus. Sie lernte Hotelkauffrau im »Hotel Berlin« in Ham- burg, gründete eine Familie, bekam durch ihren Mann Holger einen Bonussohn. Und einige Jahre später wurde das eigene gemeinsame Kind geboren: Quentin, der heute 26 Jahre alt ist. »Mein Mann kommt gleich mit dem Autozug. Er hat in Hamburg ein Catering-Unternehmen, bei dem ich früher auch mitgearbeitet habe, bevor ich mich entschied, nach Kampen zurückzugehen. Im Sommer sehen wir uns nicht so oft, aber auch so ist das eine schöne Form des Zusammenlebens. Ich freue mich jedes Mal total auf ihm, wir telefonieren täglich zweimal und vermissen uns wie verrückt«, erzählt Stefanie Jones.

Sie kam mit einem der letzten Züge vor dem Lockdown im Frühjahr 2020 auf ihre Zuhause-Insel. Ihre Mama brauchte sie. Stefanie löste ihr Versprechen ein und übernahm von ihrer Mutter Karen die Vermietung. »Seitdem haben wir hier nach allen Regeln der Kunst renoviert und erneuert. Jetzt ist zum ersten Mal ein Zustand erreicht, der mir erlaubt zu sagen: Diesen Winter gibt es nur kleine Renovierungsprojekte«, freut sich die Hausherrin.

Pläne für mehr persönliche Freiheit oder längere Zeiten auf Reisen hat sie im Augenblick nicht. »Meine Mama braucht meine Unterstützung, um ihre Gesundheit steht es nicht gut. Ich bin natürlich für sie da«, versichert Stefanie, die sich wie selbstverständlich auch um eine betagte Freundin der Familie in Wenningstedt kümmert. Von ihren Gästen, darunter unzählige Menschen, die die Idylle der »Alten Strandvogtei« für ihren Urlaub mit nichts auf der Welt tauschen würden, schwärmt Stephanie, als wäre es ihre Familie: »Ich liebe meine Gäste. Sie sind die Allerbesten.« Ein kleiner Ausdruck ihrer Liebe und Fürsorge ist die selbstgemachte Marmelade, Wein und Kekse von Bäcker Speck, die jeder in seiner Wohnung zur Begrüßung bekommt. Unter ihren Gästen sind viele Freundschaften entstanden. Nicht selten isst man zusammen im Garten – auch im Herbst. Dann eben mit Wollmütze. Für den wohligen Urlaubsschlaf ihrer Gäste hält Stefanie Jones alle erdenklichen Variationen von Kissen und Decken parat. »Für die Gäste nur das Beste« ist ihr Credo. »Aber für uns natürlich auch«, lacht sie und erzählt davon, wie wichtig ihr und ihrem Mann Holger die »totale Muckeligkeit« im eigenen Bett ist.

Alte Strandvogtei Kampen
Alte Strandvogtei Kampen
Alte Strandvogtei Kampen
© Alte Strandvogtei Kampen
Alte Strandvogtei Kampen - Scheune
© Alte Strandvogtei Kampen
Stefanie Jones - Alte Strandvogtei Kampen
© Luca Huth | TS Kampen
Alte Strandvogtei Kampen
© Alte Strandvogtei Kampen I S. Jones