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NATÜRLICH SYLT
Gute Buhnen, schlechte Buhnen

Einst sollten sie dem Küstenschutz dienen, heute sind sie nur noch gefährlich und sollen entfernt werden. Den Metall- und Betonbuhnen geht es noch in diesem Jahr an ihre scharfen Kanten, die Holzbuhnen dürfen vorerst bleiben.

Helge Jansen macht einen großen Bogen um die Buhne, die sich ihm am Strand von Hörnum in den Weg legt. Eigentlich gar nicht seine Art, denn normalerweise ist der Vorsitzende der Stiftung Küstenschutz Sylt immer auf Tuchfühlung mit Bauwerken und Maßnahmen, die der Sicherung der Insel dienen. »Die Buhnen haben nicht das gehalten, was man sich vor 130 Jahren von ihnen versprochen hat. Sie haben sich weder als Wellenbrecher noch als Sandfänger bewiesen.« Hundert Jahre lang galten Buhnen als das richtige Mittel, um den Sylter Weststrand vor dem Meer zu schützen. Zwischen 1867 und 1968 wurden die Pfahlreihen aus Holz, Beton und Stahl in verschiedenen Größen und Formen rechtwinklig zur Uferlinie ins Meer gebaut. Tief in den Sand gerammt sollten sie den Sandabtrag bremsen, indem sie die Strömung von der Küste weg in Richtung Meer verlagern. In den 1960ern musste man aber feststellen, dass die Buhnen keinerlei Nutzen für den Küstenschutz haben. Die Buhnen halten nämlich nicht nur die Strömungen fern, die den Sand abtragen, sondern auch diejenigen, die Sand an die Küste transportieren. »Keinen Nutzen für den Küstenschutz, stattdessen sind sie eine Bedrohung für Spaziergänger und Wassersportler. Die harten Buhnen sind besonders tückisch.« Helge Jansen zeigt auf die Stahlspitzenden, die aus einer bröckelnden Betonbuhne herausschauen. »Wie kleine Pfeile. Und die Wände der angerosteten Stahlbuhnen ragen teilweise wie Schwertspitzen aus dem Sand.« Gelbe Warnkreuze am Strand warnen zwar vor den Buhnen und auch die Rettungsschwimmer halten Badende von den Bauwerken fern – aber Unfälle gibt es immer wieder.

(c) Ralf Henningsen - Helge JansenHelge Jansen, Stiftung Küstenschutz

»Die Buhnen haben nicht das gehalten, was man sich vor 130 Jahren von ihnen versprochen hat. Sie haben sich weder als Wellenbrecher noch als Sandfänger bewiesen.«

Über das Gefahrenpotenzial herrscht weitestgehend Einigkeit, ebenso über die daraus resultierende Forderung, die Stahl- und Betonbuhnen möglichst bald entfernen zu lassen. Die Fragen nach Verantwortlichkeit und Finanzierung blieben allerdings lange Zeit ungeklärt. »Die Errichtung der Buhnen war einstmals von den staatlichen Wasserbaubehörden in Auftrag gegeben worden. Eine Verantwortlichkeit für eine Entfernung der gefährlichen Teile war daher nicht geregelt. Nach und nach konnten zwar einige Buhnenanlagen im Rahmen von Sandvorspülungsmaßnahmen entfernt werden, aber die Finanzierung einer großangelegten Buhnenentfernung blieb ungeklärt.« Aktuell machen sich 81 Stahl- und Betonbuhnen und 160 Pfahlreihen aus Holz an der Sylter Küste breit beziehungsweise lang. Metallbuhnen sind vor allem nörd- lich von Kampen bis zum Lister Ellenbogen zu finden. In Richtung Süden dominieren die Betonbuhnen, ab Westerland gibt es fast ausschließlich Holzbuhnen. In Hörnum wiederum wurden hauptsächlich Beton- und Metallbuhnen eingesetzt. »Und um die geht es auch in erster Linie«, sagt Helge Jansen. »Gefährlich sind sie alle, aber letztlich schaffen sich die Holzbuhnen selbst ab. Durch die Witterung erodieren sie und verfallen.« Im Gegensatz zu den Stahl- und Betonbuhnen, deren Beseitigung aufwändig und teuer ist. Bis zu sechs Meter sind sie in den Boden gerammt. Dazu kommen die schwierigen Bedingungen: Mal ist ein Teil der Buhne eingesandet, mal ein anderer unter Wasser. Dass es den Stahl- und Betonbuhnen nun endlich an den Kragen gehen soll, das ist den konsequenten Bemühungen der involvierten Institutionen zu verdanken: Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN. SH) und der Sylter Landschaftszweckverband haben ein Konzept ausgearbeitet, das die Finanzierung der Buhnenentfernung in der Hauptsache mit Ausgleichsgeldern aus den Sandvorspülungsmaßnahmen sicherstellt. Ein Millionenprojekt, das noch in diesem Jahr angegangen werden soll.

Bis zu 20.000 Euro kostet die Beseitigung einer einzigen Buhnenanlage. Eine Summe, für die ein kleines Mädchen lange flechten muss. Das hat die Hamburgerin Charlotte Mautner aber nicht davon abgehalten, seit 2011 regelmäßig Geld für eben dieses Projekt zu spenden. Als kleines Kind verletzte sie sich beim Spielen an einer Betonbuhne und hinterfragte Sinn und Zweck der Pfahlreihen. Als elfjährige interessierte sie sich immer noch für den Küstenschutz, entdeckte aber auch ihre kreative Ader und begann gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Sophie aus alten Stofffetzen Freundschaftsarmbänder zu flechten und zu verkaufen. Fortan verbrachten die beiden ihre Sommerferien auf einer Verkaufsdecke an der Buhne 16 am Kampener Strand. Zum Abschluss einer jeden Saison spendeten sie einen Großteil des Verkaufserlöses an die Gemeinde Kampen und an die Stiftung Küstenschutz Sylt zweckgebunden zur Entfernung von Buhnen. Mittlerweile ist ein hoher vierstelliger Betrag zusammengekommen. »Wir freuen uns natürlich, dass unser Beitrag nun zum Einsatz kommt, sagt Charlotte, die ihre Armbänder mittlerweile unter dem Label »Sylt-Boheme« vertreibt. Bei einem Gesamtkostenvolumen von rund 1.620.000 Euro kommt einem unweigerlich der Tropfen auf den heißen Stein in den Sinn. Helge Jansen aber macht klar, dass jeder Cent gebraucht wird. »Mit öffentlichen Mitteln allein lässt sich ein solches Projekt nicht stemmen. Wir sind angewiesen auf Spenden aus der Wirtschaft, aber eben auch auf das private Engagement kleiner und großer Syltschützer.« Charlotte flechtet auf jeden Fall weiter – und verkauft ihre Armbänder in diesem Sommer vielleicht schon an einem Kampener Strand ganz ohne Buhnen.

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