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Inselliebe

Wie geht es weiter?

Autorin Johanna macht sich Gedanken über aufkommende Fragen, anstehende Veränderungen und mögliche Chancen.

Wo man sonst das Frühlingserwachen gemeinsam mit Lachen feiert und draußen sitzend sehnsüchtig die ersten Sonnenstrahlen einfängt, hört man nun nur das Kreischen der Möwen auf der vergeblichen Suche nach Crêpes in den Händen der ausbleibenden Passanten. Wie in jedem Jahr sahen die Unternehmer nach dem Winter mit den nahenden Osterferien dankbar das Licht am Ende des Nebensaison-Tunnels. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Geschlossene Geschäfte, Restaurants und Cafés. Alle mit Zetteln und der gleichen Botschaft versehen. Sonst ist kaum jemand zu sehen. Menschenleere Straßen und einsame Strände. Stille zwischen den Häuserreihen und Abstand zwischen den wenigen Personen. Der Autozug rollt nur noch halb so oft, die Syltfähre ruht die meiste Zeit im Hafen, Ausweiskontrolle in Niebüll. März 2020 ist plötzlich nicht nur Nebensaison – es ist gar keine Saison. Unversehens tauchte kurz vor dem Ende der Nebensaison der nächste Tunnel auf, als wären wir alle gegen eine Wand gefahren. Und nun fragen wir uns, wie die Welt danach wohl aussehen mag. Und wann wir sie wiedersehen dürfen.

Mit ungefragter, rücksichtsloser Wucht und Dynamik stellt etwas so Kleines die ganze Welt auf den Kopf. Was wir als Gesellschaft und als Einzelne oft über Jahrzehnte aufgebaut haben, scheint nun binnen Tagen zu kollabieren. Als hätte jemand rücksichtslos auf das mühsam Erbaute, scheinbar so stabile, doch offensichtlich sehr fragile, eingetreten, steht unser Alltag still. Selbstverständlich ist plötzlich gar nichts mehr. Das öffentliche Leben wird heruntergefahren, als müsse es selbst künstlich beatmet werden und darum kämpfen, dass es irgendwie weitergeht. Es wird weitergehen. Nur wie? Das ist die große Frage.  Und die große Chance. Denn im Zusammenfall der Bausteine liegt die Möglichkeit für eine neue Ordnung. Für uns selbst und für das große Ganze.

Kurzarbeit und ausbleibende Einnahmen bei laufenden Ausgaben in der Selbstständigkeit – das reicht kaum für die Miete auf Sylt. Und doch fühle ich ein innerliches Aufatmen bei dem Gedanken an eine Pause, die länger andauert und von Größerem umwoben ist, als der zweiwöchige Jahresurlaub. Dieser Stillstand tut meiner Seele gut. Und unserem Planeten erst recht. Hinter den finanziellen Einbußen kann ich einen Gewinn erkennen, der mir mehr bedeutet: Erholung für uns und die Erde, Verbundenheit und die Chance auf ein längst überfälliges Umdenken für eine neue Ordnung. Wir werden förmlich dazu gezwungen zu entschleunigen, weniger zu konsumieren, uns mehr mit uns selbst und dem eigenen Leben und Lebensstil zu beschäftigen. Kein Theater, kein Konzert; kein Schwimmbad, kein Fitnessstudio; kein Restaurantbesuch, kein Urlaub – alles hat zu. Und nun? Das, was wir jetzt vermissen, zeigt die Wertschätzung für das, was wir sonst haben: Die Gesellschaft unserer Gesellschaft, das unbeschwerte Miteinander, das Gespräch am Straßenrand. Die Yogaeinheit im Fitnessstudio, der Besuch im Altenheim, das Tanzen durch die Nacht. Die spontane Zugfahrt zu Verwandten, das Miteinander von Großeltern und ihren Enkeln, der Urlaub. Der Cappuccino im Lieblingscafé, der Kinobesuch – Gesundheit und unsere Freiheit.

Was entsteht, ist ein Raum, der uns durch die auferlegten Maßnahmen zugänglich wird, den wir sonst nicht hätten betreten können. Der uns für eine Weile raus aus dem Hamsterrad führt, uns Zeit schenkt und uns bei uns selbst ankommen lässt. Und nebenbei vielleicht noch die (Um)Welt rettet. Denn das Virus hat für uns eine Notbremse gezogen, die kein Politiker, kein Aktivist und keine Statistik je hätte auslösen können. Und weil der internationale Stillstand zeigt, wie schnell sich die Natur vom Raubbau erholt, bietet er die beste Chance, um umzudenken und anders zu handeln. Die Reduktion und das Chaos im Außen führen nach innen und uns das Wesentliche vor Augen: Die Familie, die Kommunikation, das Zuhause, die Natur, die Nahrung für Körper, Geist und Seele.

Weit entfernt von Hektik, Stress und grenzenloser Mobilität bleibt nun Zeit für Selbstfürsorge und all die Dinge, die im Alltag oft zu kurz kommen. Denn weniger Möglichkeiten bedeuten momentan für die meisten von uns auch: weniger Termine und ein leerer Kalender. Unsere Chance ist es jetzt den Blickwinkel zu ändern, den aktuellen Zustand nicht als ein Ende anzusehen, sondern als einen gemeinsamen Neuanfang.

Weitere Gedanken und Zeilen von Johanna gibt es auf ihrem Blog: www.einfachachtsam.de und bei Instagram.

Tags:
  • Inselliebe
  • Johanna Wagner

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Johanna Katzera

Johanna Katzera war viel unterwegs, ehe sie auf Sylt ein Zuhause fand. Fast zehn Jahre schaukelte sie zwischen Heimat und Fremde, zwischen Überfluss und Einfachheit. Jetzt ist sie angekommen.
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Hallo Johanna, vielen Dank für den netten Blog. Es tut gut, eine Stimme von der plötzlich für uns unerreichbaren geliebten Insel zu hörenlesen und damit die altvertraute Verbundenheit zu Sylt zu spüren. Sylt ist seit 40 Jahren unser favorisiertes Urlaubsziel und wenn schon nicht der Haupturlaub, dann muss es wenigstens die eine oder andere Woche in der Nebensaison sein. Das alles vermissen wir jetzt sehr und werden es mit einem ganz besonderen Glücksgefühl zu schätzen wissen, wenn es denn wieder geht. Bleiben sie gesund! Bis ganz bald, liebe Grüße aus Bremen
Bernd
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