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Typisch Sylt

FKK auf Sylt - einst und heute

FKK gehört zu Sylt wie Salzwasser und Wellen. Wie sich die sogenannte „Freikörperkultur“ in den letzten zwei Jahrhundert auf Sylt entwickelt hat, lässt sich wunderbar im Sylter Archiv in Westerland nachlesen.

So schreibt Manfred Wedemeyer für die Zeitschrift „Die Heimat“ im Jahre 1981, dass in dieser Zeit fast 70 Prozent der Sylter Gäste unbekleidet baden.

In den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde unsere Insel durch die anreisenden Prominenten noch bekannter, als sie ohnehin bereits war. Die FKK-Bereiche waren ein nicht unerheblicher Teil dieses Mythos. Das Zitat von Romy Schneider „In jeder Welle hängt ein nackter Arsch“ tat sein Übriges. So war FKK zu der Zeit in ganz Deutschland ein Thema und stand auf Sylt für Freiheit und Toleranz. Seit den Fünfziger Jahren waren die FKK-Bereiche in jedem Inselort mit Strand, separat von den Textilbereichen, zu finden. Damals waren sie sogar ganz offiziell vom zuständigen Landrat Südtondern angeordnet worden. Das war aber lange nicht der Anfang der Nacktbaderei auf Sylt. Schon im Jahre 1858 riet der Badearzt Jenner nämlich „unter allen Umständen ohne Kleidung zu baden“. Der Wellenschlag hatte nach seinem Dafürhalten nur die rechte Wirkung auf dem nackten Leibe.

Aber so weit voraus war man in der Wilhelminischen Zeit noch nicht, man war ziemlich prüde. Damen und Herren mussten mit Badebekleidung und Badewärtern in getrennten Bereichen baden. Erst 1902 wurde in Westerland ein „Familienbad“ nach einem großen Für und Wider gegründet. Nun konnte sich langsam die Nacktkultur oder „Naturismus“ als Teil der Wandervogel- und Jugendbewegung entwickeln. Auch Ferdinand Avenarius, der Herausgeber der Zeitschrift „Kunstwart“, baute 1903 in Kampen das Haus „Uhlenkamp“ mit einer kupfernen Badewanne oben auf dem Reetdach, wo er unbekleidet in der Sonne liegen konnte. In den Dünen von Westerland wurde 1904 hinter einer hohen hölzernen Einfriedung der erste Bereich für FKK eingerichtet, aber da dieser nicht oft besucht wurde, wurde er auch bald wieder geschlossen.

Erst in den zwanziger Jahren kam die FKK-Entwicklung so richtig in Gang. Dr. Knud Ahlborn hatte 1919 als Treffpunkt für die „Freideutsche Jugendbewegung“ in den Sylter Dünen das „Lager Klappholttal“ gegründet. Es war dem „Bund deutscher Lichtkämpfer“ angeschlossen, wo man Badebekleidung nicht kannte. Zur Zeit des Nationalsozialismus musste man im Klappholttal jedoch früh aufstehen, um ohne Kleidung, Frauen und Männer 200 m voneinander getrennt, zu baden und danach Gymnastik am Strand zu machen. Die anderen Gäste auf Sylt sollten es nicht bemerken, weil sonst ein „Öffentliches Ärgernis“ genommen werden könnte. Der Sylter Amtsvorsteher war gegen diese Kultur und nachdem ein Polizist frühmorgens eine Gruppe beim Nacktbaden beobachtete, wurde im Jahre 1938 ein Prozess gegen Dr. Ahlborn angesetzt. Er hatte Glück und traf auf einen Richter, der in der nationalsozialistischen Zeit doch ein Herz für Menschen mit einem individuellen Leben hatte, die gern frei die Wellen und die Luft genießen wollten.

Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es bis zu Beginn der sechziger Jahre ab und zu Schwierigkeiten zwischen den Gästen der Textil- und FKK-Bereiche auf unserer Insel. So wurde man früher oft von den FKK-Gästen dazu gezwungen, die Hosen auszuziehen, wenn man sich am FKK-Strand aufhalten wollte. Das war viel später, im Jahre 2009, erneut ein Thema: Eine Gruppe von Gästen in Wenningstedt und Kampen trat dafür ein, dass die Freikörperkultur wieder mehr respektiert werden sollte, da man immer mehr Leute mit Badekleidung an den FKK-Stränden antreffen konnte. Es gab gleichzeitig jedoch auch Leute, die sich bei der Kurverwaltung über die nackten Gäste am Strand beschwerten.

Heutzutage ist die „Freikörperkultur“ auf unserer Insel und in Deutschland keinen Bericht mehr in den Medien wert, so scheint es zumindest. Gerade junge Leute sieht man selten an den Nacktstränden. Vermutlich haben die Menschen heute Angst, dass sie mit einem Smartphone unbemerkt fotografiert und irgendwo online auftauchen könnten. Auch in den 50ern waren Fotoapparate und Ferngläser laut Badeordnung am FKK-Strand strengstens verboten. Strandwärter griffen damals durch, in dem sie dem Übeltäter den analogen Film abnahmen. So einfach ist das im heutigen digitalen Zeitalter wahrlich nicht mehr.

Tags:
  • Typisch Sylt
  • Inselliebe
  • Maren Jessen

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Maren Jessen

Als waschechte Friesin und Vorstandsmitglied der Sölring Foriining setze ich mich leidenschaftlich für den Erhalt des Sylter Friesisch ein.
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