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DEUTSCHLANDS EINMALIGER MODELLVERSUCH – SYLTER HEBAMMEN-RUFBEREITSCHAFT STARTET IM OKTOBER

Möwe statt Klapperstorch, und siehe da: Ein echter Sylter! Ob gebürtige Insulaner vielleicht doch nicht aussterben müssen?

Während Schwangere sich in den letzten Wochen normalerweise gern im eigenen Heim einkuscheln und auf den kleinen Mitbewohner warten, fangen werdende Sylter Mütter an zu packen, sobald der Bauch runder wird: Inselkinder kommen in Helmstedt und Husum, Flensburg und Hamburg zur Welt. Oder wo immer auch Verwandtschaft wohnt oder eine Geburtenstation zur Verfügung steht. Auf Sylt ist das seit 2014 nicht mehr der Fall.

Da denken Schwangere beim Boarding nicht an Flugzeugreisen, sondern an das Ausquartieren aufs Festland. In ein sogenanntes Boarding-Haus. Das soll rund zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bezogen werden und liegt in der Nähe einer Entbindungsklinik, wie zum Beispiel in Niebüll oder Flensburg. Keine leichte Situation für Familien, grade wenn noch ältere Geschwisterkinder Mamas Anwesenheit brauchen. Und Babys halten sich frecherweise nicht an exakte Zeitpläne - da hat doch auch wieder keiner dran gedacht. Aber Scherz beiseite, zum Lachen ist es wahrlich nicht, wenn man, oder besser Frau, beim Einsetzen der Wehen ohne erfahrene Geburtshelfer dasteht – und der letzte Autozug vor Stunden die Insel verließ. Auch wenn das unermüdliche DRK-Rettungsteam keine ‚Geht-nicht‘-Uhrzeiten kennt und ein Hubschrauber den Weg in die nächste Klinik in kurzer Zeit überwinden kann: Sicherheitsgefühl geht anders.

Und so haben sich Sylter Hebammen, das DRK, die Sylter Inselgemeinden, die Krankenkassen und der Kreis Nordfriesland sowie das Land Schleswig-Holstein zu einem in Deutschland einmaligen Modellversuch zusammengeschlossen: Eine durchgehende Hebammen-Rufbereitschaft ab Oktober 2015. Das Projekt selbst war auch eine eher schwere Geburt – da galt es die rechtlichen Grundlagen zu klären, die Bereitschaftstage zu verteilen und nicht zuletzt die nötigen Finanzmittel zusammenzutragen: 60.000 Euro sind für die gesamte Laufzeit des bundesweiten Pilotprojekts nötig. Davon fallen 100 Euro je Bereitschaftstag an und werden 12.600 Euro an Haftpflichtversicherungen fällig. Wird eine Hebamme dann tatsächlich vor Ort tätig, übernimmt die Krankenkasse alle weiteren Kosten.

Der 15-monatige Test startet mit den beiden Sylter Hebammen Cornelia Bäcker und Heidrun Hepper, die sich den Bereitschaftsdienst teilen und die Situation für schwangere Familien damit deutlich entspannter bewerten. Denn sie kennen in der Regel ‚ihre‘ Schwangeren, und auch werdende Mütter, die ihren Urlaub auf der Insel verbringen und plötzlich Wehen statt Wellness auf dem Tagesplan haben, sind so in erfahrenen Händen.

Wir finden es großartig, dass es diese Rufbereitschaft nun gibt, weiterhin traurig, dass es eine Geburtenstation nicht mehr gibt, und werden berichten, wie sich die Zahl der gebürtigen Sylter so entwickelt. Damit die Insel auf Geburtsurkunden nicht ganz ausstirbt. Und wenn die Erfahrungen positiv sind, dann können sich hoffentlich auch andere Regionen ohne nahen Kreißsaal auf eine Ausweitung des Programms freuen.

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