Menü Schließen
BBuchen

Suchen & Buchen

' Wetter

Sylter "Eigenarten"

Sylter haben so manche Eigenart. Seltsame? Nun, das liegt im Auge des Betrachters.

Wesen der Sylter

„Lewwer duad üs Slaav!“ Verstehen Sie nicht? Dann muss das übersetzt werden, denn es charakterisiert das Wesen der Sylter doch ziemlich gut:
Eine Geschichte von goldener Ehrlichkeit und mangelnder Unterordnung.

 „Lieber tot als Sklave!“ ruft laut alter Sage Pidder Lüng. Wann das war? Ist ebenso unsicher wie sonstige historische Daten des Sylter Freiheitskämpfers. Aber das schwierige Verhältnis der Sylter zu Obrigkeiten war wohl häufiger das Thema von Chronisten - so schrieb der Sylter Lehrer Christian Peter Hansen 1860: "Überdies lag es nicht im Charakter des friesischen Volkes, dass es zum Gehorchen oder zur Unterordnung jemals recht geneigt gewesen wäre. Jeder stolze Friese wollte lieber selbst befehlen." Diese zweifelhafte Charakterisierung wird ergänzt durch ein charmantes Bild, das ein Reisender zu gleicher Zeit von den Insulanern zeichnet: "Die Sylter, das sind die besten Menschen unter der Sonne, ehrlich wie Gold und zuverlässig wie Eisen. Sie halten noch an der alten Sitte der Väter und sind weniger als andere Menschen von dem neuen Geiste verdorben."
Aus dem Jahr 1755 datiert die Anmerkung "Die Einwohner sind stark und gutherzig, dabei einfältig, fromm und Löwen zur See." Auch seien sie "von einem durchdringenden Verstande und einem kindlich frommen Gemüte". Und auch dies ist nachzulesen: "Neben einem klaren und mathematischen Denken und einem einfachen Sinn lebt in ihnen eine phantastische, dämonische Welt von Aberglauben." Dahin gehört vielleicht sogar die Geschichte von Pidder Lüng. Aber so schließt sich dann der Kreis…

Sylter Tracht

Gut betucht und mit Münzen bekleidet – der Wohlstand, den die Seefahrt brachte, schlug sich im inseltypischen Outfit nieder, das der Vergessenheit erst wieder entrissen werden musste: Die Sylter Tracht ist eine schwarz-weiß-rote Hommage an goldene Zeiten.

Sollen das Hüte sein? Die sind doch falschrum, oder? Es ist schon ein etwas exotisch anmutendes Schauspiel, wenn die Trachtengruppen der Sölring Foriining heute ihre Tänze aufführen. Und doch: Das ist keine Kostümierung, sondern Verbundenheit mit der eigenen Herkunft. Das Dirndl der Sylterinnen sozusagen.
Dabei lässt sich die Inseltracht bis ins Jahr 1597 zurückverfolgen – aus dieser Zeit ist die älteste Zeichnung erhalten. Im 18. Jahrhundert wurde dann die bis dahin eher schlichte Tracht aufgemöbelt: Der Wohlstand durch die Seefahrt ließ Samt und Seide Einzug halten, goldene Münzen wurden an Hochzeitskleider genäht. Doch schon Anfang des 20. Jahrhunderts war damit Schluss: Der "Sylter Badeführer" registrierte 1904, dass "die Nationaltracht fast völlig der Vergessenheit anheimgefallen ist und sich nur spärlich in einem eigentümlich geschlungenen Kopftuch erhalten hat".
Und der Kampener Arzt Knud Ahlborn bemängelte 1933: "Es wäre außerordentlich wünschenswert, dass an die Stelle der so wenig ausdrucksvollen städtischen Massenkonfektion wieder das heimatgebundene Eigenkleid tritt." Heute gibt es rund 100 Sylterinnen und Sylter, die alte Kleidungstraditionen aufrecht erhalten. Nicht grade im Büro, aber zu Feiern und Festlichkeiten. Wenn Sie also die Gelegenheit haben, einen Trachtentanz zu beobachten, dann erleben Sie ein Stück Sylter Ursprünglichkeit. Und Ihre Fragen sind bei den Mitgliedern der Söl'ring Foriining immer hoch willkommen.

Sylter Rechtsprechung

Mörderische Anfälle führten zum Thing, jedenfalls im Herbst. Bei reichlich inselweiter Rauflust musste dann einiges abgearbeitet werden:
Beim Sylter Rechtssystem der vorigen Jahrhunderte waren ziemliche Wartezeiten einzuplanen.

Rechtliche Angelegenheiten wurden früher beim sogenannten Thing geregelt. Eine alte Schrift verrät: "Dreimal im Jahr kommen alle eingesessenen Sylter zusammen; zweimal, nämlich im Frühjahr und im Mittsommer, um Rechte zu machen, und einmal im Herbst, um Recht zu sprechen: Wenn einer Not oder Unrecht erleidet, sollen die anderen ihm zur Hilfe kommen oder zu seinem Rechte verhelfen. Wenn einer ungehorsam wird gegen das Gesetz des Landes, sollen die anderen ihn beim Thing verurteilen und bestrafen."
Vor allem Diebstähle wurden dann verhandelt, aber auch "körperliche Beschädigungen und selbst mörderische Anfälle". Denn da die Sylter als "sehr hart- und grobschlächtig" galten, prügelten sie einander noch im 17. Jahrhundert nicht selten mit Forken und Dreschflegeln. "Ein solcher braun und blau Geschlagener pflegte sofort Zeugen herbeizurufen und ging dann mit diesen und mit den Zeichen seiner empfangenen Prügel vor Gericht." Das Resultat dieser Rauflustigkeit: "Im Jahre 1700 waren soviel Streitsachen abzumachen, dass zum Herbstthing ganze acht Tage erforderlich waren."

Sylter Mystik

Was kann man schon machen in kalten Wintern? Auf einer Insel, auf der Gespenster- und Hexenmärchen von (laut Chronisten) schwatzhaften, zum Aberglauben neigenden Einwohnern begeistert weitergetragen werden, keine Frage:  Sylter Sagen waren das Salz in der Inselsuppe.

Die bekannteste Sylter Sage rankt sich um den Freiheitskämpfer Pidder Lüng. Von ihm ist die bekannte Losung "Lewwer duad üs Slaaw!" ("Lieber tot als Sklave!") überliefert, die trefflich den Freiheitswillen der alten Friesen charakterisiert, die sich nur ungern der Obrigkeit beugten. Berühmt wurde Pidder Lüng für eine – je nach Sichtweise – heroische oder ketzerische Tat: Ein dänischer Steuereintreiber hatte Pidder Lüng und seine Eltern, die in ihrer Hörnumer Hütte gerade beim Abendmahl saßen, bös gedemütigt und zu guter letzt auch noch in den Topf gespuckt, in dem frischer Grünkohl dampfte. Da sprang der junge Pidder erbost auf, rief "Wer in den Kohl spuckt, der soll ihn auch fressen!" und drückte das Gesicht des Steuereintreibers so lange in den dampfenden Kohl, bis sich der Zappelnde nicht mehr rührte. Auf der Flucht vor seinen Häschern verließ Pidder schleunigst die Insel und kreuzte mit Gleichgesinnten ruhelos übers Meer. Doch nach einiger Zeit wurde aus dem Heroen ein gemeiner Seeräuber, mit dem es ein böses Ende nahm: Auf Sylt wurde Pidder Lüng vor Gericht gestellt. Sein Lebenslicht und das von sechs seiner Spießgesellen verlöschte auf dem Galgenhügel bei Munkmarsch.

Wer den massiven Kirchturm der Keitumer Kirche einmal genauer betrachtet, der entdeckt im Mauerwerk zwei unförmige Granitsteine. Bei diesen Steinen handelt es sich angeblich um Abbilder der beiden Stifterinnen des Turms, zwei Nonnen namens Ing und Dung. Beim Bau des Kirchturms soll eine böse Prophezeiung ausgesprochen worden sein: Eines Tages werde die Glocke aus den Angeln brechen und den schönsten Jüngling der Insel erschlagen, später dann der ganze Turm zusammenstürzen und die schönste Sylter Jungfrau unter sich begraben. Tatsächlich stürzte die schwere Glocke am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1739 hinab und erschlug einen jungen Seemann. Seitdem, so wird gemunkelt, machen alle hübschen Sylter Mädchen aus Furcht einen großen Bogen um das Gotteshaus.

Nahe Wenningstedt trägt eines der zahlreichen Dünentäler den Namen Osetal und erinnert damit an die selbstlose Tapferkeit einer braven Frau. Deren Mann hatte während eines Festes im Streit einen Gast erschlagen und war getürmt. Seitdem ward er nicht mehr gesehen, doch als seine Flucht nach Jahren schon beinahe in Vergessenheit geraten war, gebar die Frau plötzlich ein Kind. Das machte die Wenningstedter freilich misstrauisch, und als sie der Frau nachspionierten, entdeckten sie das Paar in einem verschwiegenen Dünental. Dort hatte der Totschläger zehn Jahre lang gehaust, treu verpflegt von seiner Liebsten. Da verziehen die Wenningstedter dem Mann seine schändliche Tat, führten das Paar nach Hause zurück und rühmten die unverbrüchliche Liebe der treuen Ose.

Sylter Ess- und Trinksitten

Getrockneter Rochen und Biergrütze. Was für ein Start in den Tag… Aber auch in der Kohlzubereitung waren die Sylter erfindungsreich, denn karg war die Ernährung an der Küste:  Kulinarische Vorlieben mussten sich den Gegebenheiten anpassen. Die Betonung liegt auf der Vergangenheitsform.

Na lecker: Im 14. und 15. Jahrhundert waren getrocknete Rochen neben Grütze das übliche Mittagsmahl. Zum Frühstück gab es Grütze mit Eiern, abends Fisch. Im 17. Jahrhundert ergänzten Kohl, Speck und Schwarzbrot den Speiseplan, erst im 18. Jahrhundert wurde auf Sylt die Kartoffel eingeführt. Der erste Kaffee gelangte 1742 auf die Insel. Tee ist hier seit 1735 bekannt, als einige Kisten mit Teeblättern aus Japan und China als Strandgut antrieben.
Manche Ess- und Trinkgewohnheit erscheint uns heute recht befremdlich. Eine alte Schrift verrät, dass "ein jeder immer sein selbst gebrautes Bier vorrätig hatte. Niemand kannte zum Frühstück andere Genüsse als Grütze mit Bier." Aus einfachen Pflanzen bereitete man angesichts des Mangels Kohl zu. Ein Fremder monierte bei seiner Rückkehr von Sylt: "Da war ich auf einem wunderlichen Lande, wo selbst ich Gras fressen musste, und wäre ich zum Winter geblieben, so hätte man mir wohl Heu gegeben." Um Sie nicht gänzlich abzuschrecken sei gesagt: Die Speisepläne haben sich seither doch ein wenig verändert…

Loading
  • Informationsquelle für Ihren Sylt-Urlaub
  • Offizielles Buchungssystem für Ihre Unterkunft
  • Ihr Partner für Meetings & Incentives