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NATURSCHUTZGEMEINSCHAFT SYLT – AUF SYLTER PFADEN ZWISCHEN TÜTEN UND BLÜTEN 

Die insulare Flora und Fauna bleibt auch ohne Plastikverpackung frisch – ganz sicher.

Heimatliebe Sylt – Plastikinsel nein danke!

 Sie sind zurück vom Strandsäubern – auch in diesem März fischten sie wieder Berge von Plastikmüll von den Sylter Stränden: Wenn der Surf Club Sylt das alljährliche Beach Clean Up veranstaltet, ist auch die Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., kurz NSG-Sylt, mit Säcken und Schaufeln im Einsatz und kämpft gegen die Vermüllung der Insel. Denn was an globalem Müll, vom fernöstlichen Elektroteil bis zur heimischen Gummibärtüte, so angespült wird, sind Souvenirs der eher abschreckenden Art. „Wenn ich bedenke, dass wir bei der Sammelaktion im Januar gemeinsam mit den Sylter Werkstätten allein schon 10 Kubikmeter Müll aus der Vegetation im Listland geholt haben, dann erschrecke ich immer wieder neu vor diesen unfassbaren Plastikmassen“, konstatiert Margit Ludwig. Die Geschäftsführerin der NSG-Sylt arbeitet mit ihrem achtköpfigen Team seit letztem Jahr verstärkt daran, auf Risiken der Plastiknutzung hinzuweisen – und aktiv dagegen anzugehen. „Seit September 2015 arbeiten wir unter Federführung der Sylter Werkstätten und gemeinsam mit der Gemeinde Sylt am Projekt Heimatliebe Sylt – Plastikinsel nein danke!“, so Ludwig, denn „die Problematik hat ja Auswirkungen auf unser alltägliches Leben, nicht nur hier auf Sylt.“ Und so hat ein NSG-Team die Radioserie Plastik im Meer – Warum es jeden betrifft entwickelt, die im Rahmen des Bundesumweltwettbewerbs Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln läuft.

Tütenfreies Sylt

Damit aus Worten Taten werden engagiert sich die NSG-Sylt, die auch das Naturzentrum Braderup betreibt, auch für ein tütenfreies Sylt: „Wir können hier Vorreiter sein auf der Insel, irgendwo muss jemand anfangen. Es kommen so viele Menschen hierher und nehmen gute, tragfähige Ideen ja auch mit nach Hause“, ist Ludwigs Ansatz. Momentan geht es um so konkrete wie schwierige Fragen der Lagerung umweltfreundlicher Alternativen. „Das schaffen wir nur, wenn alle an einem Strang ziehen“ ist sie sicher – und optimistisch. Eine gute Mischung aus Humor und Beharrlichkeit scheint die beste Grundlage im Naturschutz zu sein. Naja, eigentlich ja überall. Ist nur nicht immer leicht, wenn viel auf der Agenda steht…

Und tatsächlich ist der Plastikmüll ja nicht die einzige Baustelle, die die Sylter Naturschützer beackern – denn beackert im wahrsten Wortsinn wird auch die Vegetation der Insel, die einen Nährboden der ganz besonderen Art bietet: Mager, sauer, umtost von den Elementen – vieles hält dem Einfluss von Wind und Salzwasser dauerhaft nicht stand. Aber die Heide, die hat’s gern nährstoffarm – und verträgt die Stickstoffdüngung, an der auch Autoabgase üppig beteiligt sind, so gar nicht und zieht sich immer weiter zurück, zu retten nur durch aufwändige Kultivierungsmaßnahmen. Ohne die sie ohnehin nicht überleben könnte: Die Geestheide zwischen Kampen und Morsum ist keine Wildnis, diese Heide braucht Pflege.

Margit LudwigMargit Ludwig

"Die Problematik hat Auswirkungen auf unser alltägliches Leben, nicht nur hier auf Sylt."

Mit Liebe zur Natur

Aber wie positioniert man sich als Mensch eigentlich inmitten von „Natur“? Alles wachsen lassen wie’s kommt? Kultivieren und wenn ja wieviel?  Am vergangenen Montag fand eine Begehung der Insellandschaft statt, Landschaftsökologen und Botaniker, Heidegebietsbetreuer und Naturschutzverbände befassten sich mit kritischen Fragen, die auch schnell philosophisch werden: Was wollen wir schützen und weshalb? Die Heide ist eine Kulturlandschaft – müsste man sie nicht eigentlich verwildern lassen? Dabei sorgt doch gerade diese Landschaft für Vielfalt und Artenreichtum bei Flora und Fauna. „Viele Menschen berichten, wie sehr dieses Stück Inselnatur sie berührt“, berichtet Margit Ludwig. „Und wir sind ja froh, dass Sylt eine der letzten Bastionen der bedrohten Heide hält: Die Hälfte der gesamten Schleswig-Holsteinischen Heidelandschaft liegt auf der Insel.“ Und dann das Dünengras, das die Insel befestigt: Es sorgt dafür, dass Sylt nicht mehr mit den Bewegungen der Nordsee wandert – dafür aber den Sturmfluten stärker ausgesetzt ist und nur durch Sandvorspülungen an Ort und Stelle gehalten werden kann. Doch welcher Westseitenbewohner möchte sein Heim gern an der wandernden Abbruchkante sehen? „Das Dünengras haben ja die Preussen im 19 Jahrhundert zur Dünenbefestigung eingeschleppt. Das ist keine einheimische Pflanze“, erklärt die Biologin. Eine spannende Integrationsgeschichte.

Die Sylt-Rose

Und wenn die Rosa Rugosa ihre Blüten in den blauen Sylter Himmel streckt, dann wächst da unter der irreführenden Bezeichnung Sylt-Rose doch tatsächlich ein sibirischer Gast auf der Insel. Angesiedelt als Windschutz breitet sich die Kamtschatka-Rose (benannt nach ihrer ursprünglichen Heimat) rasant auf Sylt aus und stellt mit ihrer Wuchshöhe die bodennähere Dünenrose, die ein ganz ureigenes Sylter Gewächs ist, wortwörtlich in den Schatten. In einen immerhin sehr hübschen, also: Was ist da nun der beste Weg? Tja, auch bei Fauna und Flora gibt’s also Globalisierungsfragen.

Wenn Sie zu all dem mehr wissen wollen, als wir es hier in einem kurzen Artikel ausführen können, und vor allem: Wenn sie es gern lebendig präsentiert bekommen, vor Ort, von Menschen mit irre viel Wissen und Begeisterung, dann machen Sie sich mit einer Tour der NSG auf den Weg: durchs Watt oder die Braderuper Heide, ums Morsum Kliff oder durch den Kräutergarten im Naturzentrum Braderup, der nicht nur die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter mit duftendem Tee versorgt. Im April startet die neue Saison, Reservierungen können Sie über die Seite des NSG und seiner Buchungspartner schon vorab bequem von zu Hause vornehmen. Und wenn Sie schon vor dem nächsten Sylturlaub mehr wissen wollen: Hier sind bewegte Bilder.

Die Sylter Natur

Erleben Sie die facettenreichen und beeindruckenden Landschaften der Insel.

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