Sylter LifeguART

Ein Sylter Rettungsschwimmer präsentiert seine Kunst im Kaamp-Hüs.

Biikebrennen

Heißkalte Erleuchtung, neue Bekanntschaften und Grünkohl inklusive:

Light my Fire ist im Sylter Winter eine sehr konkrete Aufforderung.

DER 21. FEBRUAR: BIIKE AUF SYLT

Wissen Sie eigentlich, was beim Biikebrennen auf Sie zukommt? Erst rufen Einheimische unverständliches Zeugs wie „Tjen di Biiki ön“ und dann setzen Sie einen riesigen Holzstoß in Flammen und dann singen sie in einer Sprache, kaum einer versteht. Söl‘ring… ein komischer Name für eine Sprache… oder? Und dann wird es heiß. Sehr heiß. Wenn das Gesicht glüht und der Rücken friert, hat man es bisher versäumt, sich mal umzudrehen und den Hintermann kennenzulernen. Wenn dann auch die hintere Körperseite warm ist, dann hat man neue Bekannte. Und einen Friesentee mehr intus. Und immer noch glühende Wangen - das kann dann aber andere Gründe haben als das Feuer

.Ja, Feuer…  Jedes Jahr gehen inselweit neun sorgsam aufgetürmte Holzstöße in Flammen auf, nachdem ellenlange Fackelzüge schon durch dämmrige Dünen und Wiesen unterwegs waren. Und die Feuerwehr steht daneben, aber von Löschen keine Spur! Was geht da nur vor in dieser kalten dunklen Sylter Nacht am 21. Februar, bei diesem seltsamen Brauch, von dem keiner sicher weiß, was sein Ursprung ist. „Den Winter verabschieden“ ist Ende Februar doch wohl noch nicht realistisch, aber ist „böse Geister abschrecken“ realistischer? Vielleicht ist die Erklärung vom Verabschieden der Walfänger doch näher dran an der Wahrheit, aber wer weiß das schon. Ach so, nicht dass Sie erschrecken, falls Sie zum ersten Mal zur Biike anreisen: Der Kerl, der da verbrannt wird, ist nur eine Strohpuppe. Als Symbol für den Winter… die spinnen, die Sylter.

Falls Sie nach dem feurigen Spektakel Hunger haben: Nach einer Speisekarte brauchen Sie gar nicht zu fragen. Essen Sie einfach mit, was alle an dem Abend essen: Grünkohl. Und Bratkartoffeln. Und Schweinebacke, Kassler und Kochwurst. Tischreservierung ist übrigens eine gute Idee – wenn das Biikefeuer langsam zum glimmenden Aschehaufen mutiert, dann wollen 11.000 Menschen was essen. Im Warmen. Gemeinsam. Unbedingt. Tja.

Wenn dann die erwachsenen Sylter am Tag danach eher Aspirin als Action brauchen, ist bei den Kindern längst nicht Schluss mit lustig: Petritag ist Partytag – jedenfalls für die jungen Sylter, die dann einfach mal so alle schulfrei haben und tanzen gehen. Sitten sind das hier…

Mancher ist nach seiner ersten Biike schon süchtig geworden nach dem Sylter Winter. Und dann… ja, dann ist es meist zu spät für einen Entzug. Wie gut, dass die Insel als Droge total legal ist.

 

 

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