Gut betucht und mit Münzen bekleidet – der Wohlstand, den die Seefahrt brachte, schlug sich im inseltypischen Outfit nieder, das der Vergessenheit erst wieder entrissen werden musste:
Die Sylter Tracht ist eine schwarz-weiß-rote Hommage an goldene Zeiten.
Sylter Tracht
Sollen das Hüte sein? Die sind doch falschrum, oder? Es ist schon ein etwas exotisch anmutendes Schauspiel, wenn die Trachtengruppen der Sölring Foriining heute ihre Tänze aufführen. Und doch: Das ist keine Kostümierung, sondern Verbundenheit mit der eigenen Herkunft. Das Dirndl der Sylterinnen sozusagen.
Dabei lässt sich die Inseltracht bis ins Jahr 1597 zurückverfolgen – aus dieser Zeit ist die älteste Zeichnung erhalten. Im 18. Jahrhundert wurde dann die bis dahin eher schlichte Tracht aufgemöbelt: Der Wohlstand durch die Seefahrt ließ Samt und Seide Einzug halten, goldene Münzen wurden an Hochzeitskleider genäht. Doch schon Anfang des 20. Jahrhunderts war damit Schluss: Der "Sylter Badeführer" registrierte 1904, dass "die Nationaltracht fast völlig der Vergessenheit anheimgefallen ist und sich nur spärlich in einem eigentümlich geschlungenen Kopftuch erhalten hat".
Und der Kampener Arzt Knud Ahlborn bemängelte 1933: "Es wäre außerordentlich wünschenswert, dass an die Stelle der so wenig ausdrucksvollen städtischen Massenkonfektion wieder das heimatgebundene Eigenkleid tritt." Heute gibt es rund 100 Sylterinnen und Sylter, die alte Kleidungstraditionen aufrecht erhalten. Nicht grade im Büro, aber zu Feiern und Festlichkeiten. Wenn Sie also die Gelegenheit haben, einen Trachtentanz zu beobachten, dann erleben Sie ein Stück Sylter Ursprünglichkeit. Und Ihre Fragen sind bei den Mitgliedern der Söl'ring Foriining immer hoch willkommen.