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Typisch Sylt

Seemannsgarn und feuchte Augen

beim Lister Krabbenfischer

Vorgestern Abend ging’s mit Paul Walter auf seinen Krabbenkutter „Tümmler“ im Lister Hafen. Gerade noch rechtzeitig kam ich an. Paul hatte schon leicht nervös angerufen: „Wo bleibst du? Die Tide läuft wech!“ … „Jo, bin in zwei Minuten da“ – *hetz. Zuvor waren wir mit dem Twizy auf der Insel unterwegs, ein paar Einstellungen mit Olaf, unserem Kameramann, drehen, bevor er am Donnerstag die Insel wieder verlässt. Volles Pensum grad. Aber in letzter Sekunde haben wir es noch „on Board“ geschafft.

„So, setzt euch mal dahinten hin … dann seid ihr mir nicht im Weg. Wir müssen dringend los, sonst fischen wir die ganze Nacht.“ Der Ton gleich zünftig wie man es auf See erwartet. Nach wenigen Handgriffen laufen wir aus. Endlich Zeit sich zu begrüßen. „Walter … großes ‚W‘ kleines ‚alter‘ – schau mich doch an.“, grinst mich der Sylter Seebär an, der seit 1946 zur See fährt. Ich notiere es auf meinem iPhone und denke nur, das wird bestimmt ne lustige Fahrt. Und genau das wurde es.

Die See ist ruhig, das Wetter perfekt – es ist 19:00 Uhr. Ich werfe einen Blick zurück zum Hafen und an die Küste. Wunderbar diese Perspektive, denke ich. Normalerweise sieht man ja eher aufs Meer – jetzt schaue ich vom Meer aus auf die Insel. Ich kann mich nicht satt sehen.

Flink wie ein Wiesel erledigt Paul in wenigen Sekunden die unterschiedlichsten Handgriffe, bis einem selbst schwindelig wird. Dann lässt er die Netze aus – das Fischen kann beginnen.

Paul, ein stattlicher Kerl mit einem unverschämt einnehmenden Grinsen, bewaffnet mit einem lupenreinen Humor und einer derart charmant-autentischen Art, gewinnt einen sofort. Wer diesen Kerl nicht mag ist selbst schuld. Unkompliziert, offen, gerade aus. Der schroffe Ton vom Beginn ist komplett verflogen.

Es folgen Geschichten. Wie er als kleiner Junge Schollen im Lister Hafen gefangen hat, später – 1963 – vor Ostgrönland in „Scharzen Frost“ geraten ist (flüssiger Frost, der Schiffe binnen Sekunden zum Kentern bringen kann), von Flugzeugteilen in seinem Netz beim Fischen und von einem Kinoabend, bei dem er zwar einen Anzug trug, jedoch vergessen hatte die Hauspantoffeln auszuziehen. Geschichten,die das Leben schreibt, Seemansgarn. Wir lachen viel. Zwischendurch wirft er immer wieder einen Blick auf sein Radar, springt auf, gibt mehr Leine und korrigiert den Kurs.

Dann gehts los: das Netz wird eingeholt und ausgeleert. Ich darf mit aussortieren, was nicht Krabbe ist. Krebse zwicken mir in die Finger, Seesterne werden für meine Kinder beseite gelegt. Dann wird alles in den Gaskessel auf Deck geworfen, in dem schon das Wasser kocht und anschließend darf probiert werden. Lecker! ECHT Lecker.

Eine unglaubliche Kulisse: Die Sonne geht langsam unter, das Wasser im Kessel dampft, der Diesel rattert und es riecht nach leckeren, vor sich hinkochenden Krabben.

Olaf, mein Kamermann, bekommt feuchte Augen. Genau wie ich, ist er absolut begeistert von diesem – zumindest für uns Landratten – nicht alltäglichen Szenario. „Paul, weißt du das alles hier eigentlich noch zu schätzen?“, frage ich. Die Antwort: „Jeden einzelnen Tag.“, antwortet er während er die Augen zusammenkneift und mich breit angrinst.

Während der Fahrt versuche ich alles auf Facebook so live wie möglich über mein iPhone zu dokumentieren. Zum Glück ist der Empfang gut. Ich freue mich über viele Kommentare und Likes und bedauere es, dass ich nicht in Echtzeit antworten kann. Zu sehr umarmen mich die Momente an Deck.

Wieder zurück im Hafen – es ist bereits dunkel – erklärt mir Paul kurz worauf ich zu achten habe, denn ich darf an Bord schlafen. Eine absolute Ehre. Die Krabben werden auf einen kleinen Handwagen verladen, wir verabschieden uns und ich fall in die Koje. Komplett erledigt, aber total erfüllt von unvergesslichen Eindrücken. Die Nacht ist ruhig nachdem das Nachbarboot aufgehört hat zu feiern, das Boot schaukelt ruhig am Kai. Ich höre Mövenkreischen und Takelage – Wellen die gegen die Hafenwand schlagen – bevor ich einschlafe.

Was für ein Tag! Danke Paul! Ich komme wieder.

Mehr über Paul erfahrt ihr hier:
www.fischerhaus-tuemmler.de/kutter.html
www.facebook.com/Krabbenfischer

Tags:
  • Typisch Sylt
  • Meer
  • Genuss
  • Tom Tautz

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Tom Tautz

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