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Typisch Sylt

Gute-Dachgeschichte

von Bambus Klaus

Ich treffe Klaus nachmittags in List – in seiner Strandbar – neben einer Bushaltestelle. Der groß gewachsene Kerl in blond – irgendwo zwischen Mitte 20 und Anfang 40 – greift mir an die Arme und sagt: „Will mal sehen, ob du Muckies hast!“. „Wieso?“, frage ich. „Naja, du wirst doch heute Abend bei der Party Getränkekisten schleppen.“, bekomme ich zu hören.

Das ist mir neu.

Es wurde extra eine Person weniger für den Service bestellt, um mich mit einzubinden. – meint er. Günstiger geht‘s nicht – meine ich. Scheinbar hat er gewusst, dass ich mir vier Wochen lang für nichts zu schade bin.

Vor etwa 25 Jahren übernahm Klaus den alten Kiosk an der Bushaltestelle in List und funktionierte ihn in eine Art „Hippie-Bar“ namens „Bambus“ um. BAM-BUS – „Bar Am Meer Bushaltestelle“. Klingt logisch, oder?

Die eigentliche Attraktion ist jedoch nicht die Bar an sich, sondern ihr Eigentümer der es par excellence versteht, sich in Szene zu setzen. Und das auf eine wunderbar schräg-sympathische Art und Weise. Denn im echten Leben ist Klaus nicht nur Besitzer des Bambus-Ladens und einer Skihütte in Österreich namens „Klausthal“ – die er in den Wintermonaten betreibt – sondern vor allen Dingen: „tataaaa“ – Sänger.

„Musik und Texte sind das Wichtigste – und Probleme treten nur dann auf, wenn die Playback-CD hakt.“, weiß Klaus einzuschätzen. 2004 nahm er das Album „Meine Inselhits“ auf. Eine Liebeserklärung an das Leben auf Sylt mit insgesamt 14 gut gelaunten Songs, wie zum Beispiel: „Ich bin so gerne auf Sylt“, „Party am Strand“ oder „Insel Twist“. Ganz ehrlich: diese Gassenhauer dürfen auf keinem MP3-Player fehlen. Schon gar nicht, wenn man Sylt-Fan und simultan Partyhase/-häschen ist.

Aber dem nicht genug: Bambus-Klaus performt sein Repertoire auch sehr gern live – und zwar am liebsten um null Uhr auf dem Dach seiner Strandbar bei jeder Vollmondparty. Das ist Kult!

Einmal im Monat – zu Vollmond – lädt der gelernte Zahntechniker aus Feiern zum Essen ein – äh, ne – andersrum.  Schon längst kein Insidertipp mehr, begegnen sich hier Jung und Alt, Familien und Singles, Surfer und Kururlauber, die hier alle gemeinsam und zur nächtlicher Stunde auf‘s Leben anstoßen.

Kururlauber? Ja! Zufällig komme ich mit Judith ins Gespräch, die hier eine fünfwöchige Kur absolviert. Ich darf sie nicht für meinen Blog fotografieren. Natürlich nicht – ich mein, es ist halb zwölf und sie müsste längst im Bett sein. Verabschieden tut sich sich mit den Worten: „Ich muss dann zurück zu meinen Kurkollegen“. So läuft das also!

Es wird allmählich dunkel und der Platz um die Bushaltestelle füllt sich immer mehr. Wolken am Himmel, dazwischen immer wieder das Licht der bereits untergegangenen Sonne im Westen, ein leichter Wind und natürlich: der große Vollmond.

Wunderbar hell noch, denke ich. Stimmungsvolle Bedingungen – nur etwas wärmer hätte es sein können. Immerhin noch 20 Grad.

Während alle dem Höhepunkt der Party entgegenfiebern – also dem Moment, in dem sich Klaus selbst aufs Dach steigt – wird die Musik immer wieder für eine Ansage vom Bar-Chef unterbrochen, die er säuselnd ins Mikrofon quakt: „TOHOOOM, BITTE 2 BIER-KÄSTEN VOM ANHÄNGER ZUR BAR BRINGEN!“. Jap, und das ist dann meine Showeinlage. Das Showgeschäft ist nicht leicht und die Bierkästen ziemlich … schwer. Während ich mir die ersten Male tatsächlich den Weg durch die Menge bahne – „Schuldigung, SCHUldigung, AAachtung, vooorsicht“ – laufe ich später einfach außen herum – von hinten an die Bar. Bin ja nicht doof.

Dort treffe ich auch ein Kamerateam vom ZDF, das eine kleine Reportage auf Sylt dreht und heute Abend auch einen der legendären Auftritte von Klaus aufzeichnen möchte. Zusammen trinken wir Bier und scherzen rum, bis es ernst wird. Eine Leiter wird hinter der Bar ans Dach gelehnt und der Kameramann kraxelt als erster nach oben.

Okay, denke ich, stelle mein Bier beiseite und klettere ebenfalls hinauf. Nach und nach folgen ein paar Tänzer – fast ausschließlich sehr ansehnliche Abiturientinnen, die auf der für die Partygäste nicht sichtbaren Dachhälfte in Deckung gehen. Auch Klaus kommt schließlich herauf. In der Hand eine Tüte. Geduckt kommt er auf mich zu gekrochen, zaubert eine orangefarbene Sportjacke heraus, die er anzieht, nachdem er mir die Tüte in die Hand gedrückt hat. Dann beginnt die Show.

Ich werde Zeuge einer fast einstündigen Performance, bei der kein Auge trocken bleibt, die Menge vor der Bar kreischt und mitsingt, bei der ich Fotos mache, filme und blogge. Einer Party, bei der ein Dach eine Bühne ist und ich zugleich Gast, Zuschauer, Statist, Helfer und ein winzig kleiner Teil der Show bin. Bei der irgendwie alles verkehrt herum, seltsam und vielleicht ein wenig utopisch ist. Eine eigene kleine Welt.

Gute Nacht.

Tags:
  • Typisch Sylt
  • Tom Tautz

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Tom Tautz

Nicht nur der Wind verschlägt einem hier auf Sylt ab und zu die Sprache.
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q Gästestimme lesen:
Sehr witziger Text... irgendwo zwischen Mitte 20 und Anfang 40.Hahaha... Danke
Dinah
/Alle Gästestimmen lesen (1) NGästestimme abgeben

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