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Typisch Sylt

Die Urfriesen

von der Buhne 16

Ich bin wieder einmal viel zu spät und flitze mit meinem Twizy von Rantum in Richtung Norden – nach Kampen. Auf dem Rücksitz: immerhin 50 Prozent meines Gepäcks. Den Rest konnte ich glücklicherweise bei Maik auf dem Campingplatz in Rantum zwischenlagern.

Ich habe eine Verabredung mit Falk Eitner – einer lebenden Sylt-Legende. Zunächst treffe ich auf sein Vehikel. Einen alten VW Käfer, der einsam auf dem Parkplatz vor der Buhne 16 in Kampen steht. Meinen „Elektro-Boliden“ stelle ich direkt daneben ab. „Wunderschönes Bild“, denke ich, nachdem ich – das Gepäck geschultert und schon auf dem Weg die Strandtreppe hinauf – noch einmal zurückblicke.

Zehn Minuten und einige Meter weiter treffe ich auf den 70-jährigen Kapitän a.D., ehemaligen Rettungsschwimmer und Menschenfreund. Er sitzt allein auf der Terrasse der Buhne 16. Mein Rücken schmerzt, bin etwas aus der Puste und wirke anscheinend, aufgrund meiner Verspätung, etwas gehetzt. „So, jetzt komm erstmal an, setz dich zu mir und nimm dir einen Kaffee.“ Volltreffer: Falk weiß genau, was ich jetzt brauche.

Seit 1979 befindet sich das Strandbistro „Buhne 16“ fest in friesischer Hand und zwar in der der Behrens-Familie. Zu uns gesellen sich Sven und sein Cousin Tim Behrens, die heutigen Betreiber in zweiter Generation, während weiter unten am Strand ihre Väter ein kleines Boot zu Wasser lassen, um auf Makrelenfang zu gehen. Die beiden Behrens-Söhne sind Friesen durch und durch. Tim trägt auf seinem rechten Arm zwei Tattoos. Eines mit der Aufschrift „Lever duad üs Slaav“ – „Lieber tot als Sklave“. Ein Zitat vom Inselhelden Pidder Lüng, einem Rebellen der sich gegen den Dänischen Adel auflehnte (Sylt war lange Zeit in Dänischer Hand) und bei seiner Hinrichtung diesen Satz ausrief. Das andere Tattoo zeigt ein weiteres friesisches Credo: „Rüm Hart klar Kiming“ – großes Herz und klare Sicht. Quasi eine Art Lebensmotto. „Nirgendwo ist Sylt mehr in friesischer Hand als hier, lieber Tom.“, flüstert mir Falk zu.

Falk Eitner und die Behrens-Brüder – auch „Behrensbande“ genannt – brachten 1965 das Wellenreiten nach Sylt. Nach einem Sommer in Biarritz (Surf-Mekka in Frankreich) bestellten sie sich Boards, die wenige Wochen später am Westerländer Bahnhof fest verschnürt in großen Paketen ankamen. „Wir wussten ja nicht richtig wie das so funktioniert und haben daher einfach alles ausprobiert.“, berichtet Falk. So klebten sie beispielsweise Teppichreste auf die Bretter, um einen besseren Halt zu erzielen (eigentlich tut man das mit einer Art Wachs, das man auf das Board reibt).

Viel „rumgekommen“ ist er. Und es fällt überhaupt nicht schwer, komplett einmal den Mund zu halten, wenn er spricht. So viel Interessantes ist zu erfahren. Man hängt geradezu an seinen Lippen, die lächelnd wunderbare Geschichten erzählen. Zum Beispiel die von seinem 16. Geburtstag im Hafen von Rio. Am Abend war  „Landgang“ angesagt. Voller Vorfreude ging er mit seinen älteren Kameraden in eine Bar – wurde allerdings um 22:00 Uhr mit einem Taxi zurück an Bord geschickt – ohne Alkohol, ohne Frauen. „Auf See passt man aufeinander auf, vor allem auf Greenhorns, wie ich damals eines war.“, schmunzelt Falk.

Das Surfen sei ihm immer sehr wichtig gewesen. Jeden Sommer ging es auf die Bretter. Allerdings blieb dafür nicht mehr die Zeit, je mehr ihn die Arbeitswelt als Kapitän vereinnahmte. Heute surft er nicht mehr, aber „ohne Wasser geht es nicht“, sagt er und wendet dabei seinen Blick langsam auf das Meer. Auf Sylt geboren und in Kampen aufgewachsen, verbrachte er bis heute sein ganzes Leben an und auf dem Wasser.

Heute, als Pensionär, sei es ihm eine große Freude, interessierte Touristen auf der Insel herumzuführen. Dabei ginge es ihm nicht so sehr um das eigentliche „Sightseeing“, sondern mehr um die Begegnung mit den Menschen. Aus diesem Grund stünden alle seine Führungen unter der Überschrift „Unterwegs mit Menschen“. Kampen, Wenningstedt und die Nachbarinsel Rømø in Dänemark stehen auf dem Programm.

„Mein damaliger Kapitän sagte einmal zu mir: ‚Jung, wenn du einmal Sorgen hast, dann schau auf den Horizont und wirf alles, was dich belastet, einfach dahinter – da ist so unendlich viel Platz.‘ “ Eine schöne Vorstellung, wie ich finde. Gerade vor dem Hintergrund, dass man heutzutage einfach viel zu viel mit sich rumträgt.

Wir sprechen noch einige Zeit lang, inzwischen sind die Behrensbrüder zurück vom Makrelenfischen, Falk verabschiedet sich und ich bleibe noch eine Weile sitzen, schaue aufs Meer und versuche so einiges hinter den Horizont zu werfen. Schöner Tag, wunderbare Menschen, herrliches Wetter, perfekter Ort, tolle Gespräche – ich könnte mich daran gewöhnen.

Weitere Informationen findet ihr hier:
unterwegs-mit-menschen.blogspot.com

www.buhne16.de

Tags:
  • Typisch Sylt
  • Surfen
  • Tom Tautz

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Tom Tautz

Nicht nur der Wind verschlägt einem hier auf Sylt ab und zu die Sprache.
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