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Auf der Farm blubbert's

beim Algenzüchter Klaus

Klaus Lüning heißt er. Ein absoluter Spezialist auf dem Gebiet der Zucht von Algen. Algen züchten? Moment. Ist das nicht dieses eklige „Seegemüse“, an dem man beim Baden lieber vorbeischwimmt? Das Zeug, mit dem man so vortrefflich Mädchen ärgern kann, indem man es ihnen hinterherwirft? Jap. Genau das. Und Klaus Lüning macht daraus eine richtige Wissenschaft! Nein, nicht aus dem Mädchenärgern. Sondern aus der Zucht dieses Zeugs. Genauer gesagt, aus der Zucht mariner Makroalgen.

Irgendwie strange, denke ich, auf dem Weg nach List zu seiner Station. Und zunächst habe ich Schwierigkeiten sie zu finden. Denn auf dem Gelände, das sich hinter dem Schild „Lister Algenfarm“ befindet – direkt neben Dittmeyer‘s Austern Compagnie –, sehe ich zunächst einmal nichts, was nach einer Farm aussieht. Und doch: ich entdecke Professor Doktor Klaus Lüning inmitten einiger unscheinbarer Tanks, in Anglerlatzhose und Cap mit der Aufschrift „Iceland“.

Klaus, 71, Meeresbiologe und -botaniker. Sein ganzes Leben betrieb er Grundlagenforschung in Sachen Algen an der Biologischen Anstalt Helgoland, kam 1997 nach Sylt und gründete 2006 – nach seiner Pensionierung – die Sylter Algenfarm GmbH & Co.KG mit einer Filiale in Stavanger (Schweden). Somit ist er für mich der älteste Jungunternehmer, den ich kenne. Das soll ihm mal jemand nachmachen!

Mir ist sofort klar, der Mann ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Biologie und Chemie … nicht unbedingt eines meiner Lieblingsfächer. Chemie sei auch nicht unbedingt seines gewesen, wie er mir gesteht – allerdings sei die Liebe zur Biologie so groß, dass er sich dann auch mit Chemie angefreundet habe. Das muss wirklich ne ganz große Liebe sein, denke ich. Wir unterhalten uns über die globale Erwärmung, die CO2-Problematik und über die Überfischung der Meere. Letzteres ist auch der Grund für die Zucht von Algen, neben ihrer Verwendung in Kosmetik und Gastronomie.

Jährlich werden weltweit 120 Millionen Tonnen Meerestiere konsumiert. Ein viertel davon werden aus Aquakulturen – also Zuchtstationen im Meer – gewonnen, denn die Meere sind weitgehend leergefischt. Ähnlich wie bei der Viehzucht an Land, entsteht durch Tierfutter oder -exkremente eine unheimliche Menge an überschüssigen Mineral-Nährstoffen wie etwa Nitrat oder Ammonium. Und stark vereinfacht kompensieren Großalgen diesen Überschuss, indem sie bei der Zucht von Meerestieren eingebunden werden. Praktisch sieht das so aus, dass ganze Algenkolonien an Seilen rund um die Meerestierzucht installiert werden.

Klaus greift in einen der blubbernden Tanks, fischt fast zärtlich eine grüne Alge heraus, hält sie gegen die Sonne und lächelt mich an. „Unterm Mikroskop ist sie bildhübsch“, verrät er mir verliebt, woraufhin ich mir verlegen eine Notiz mache. „Laminaria“, so heißt die Braunalge, die bereits vor Jahrunderten in Japan geerntet und als Meeresgemüse verzehrt wurde. „In Japan steht sie ganz selbstverständlich auf der Speisekarte.“, verrät mir Klaus. „Ich bin übrigens auch Japaner – Lü Ning, mein Name“, scherzt er und fragt mich, ob ich eine Alge kosten möchte. Ich probiere. Und wenn man so will, schlimm ist es nicht – besonders schön allerdings auch nicht. Klaus rät: „Wenn man am Strand eine Laminaria findet, kann man ruhig einmal reinbeißen, sie schmeckt höchsten neutral.“ … so sieht‘s aus!

Gezüchtet werden diese glitschigen Dinger in einzelnen Tanks, die mit Sauerstoff versorgt werden – daher das Blubbern. Vier bis fünf Monate reifen sie in den Lister Tanks ehe sie eingesetzt werden.

Es lohnt sich in jedem Fall Klaus auf seiner Farm einen Besuch abzustatten, denn neben den Tanks im Freien findet man noch welche im Keller von Dittmeyer‘s Austern Compagnie, der eigentlich ein Bunker aus dem zweiten Weltkrieg ist. Dort wird’s richtig krass. Unzählige Kabel hängen von der tropfenden Decke, Rotleuchten schweben über Basins, die hauptsächlich dazu dienen, auch den Winter über züchten zu können. „Ein französischer Journalist bezeichnete meine Werkstatt hier jüngst als Dr. Mabuses Labor.“ Treffend, wie ich finde, wobei Klaus im Gegensatz zu dieser Figur nicht wahnsinnig, sondern wahnsinnig sympathisch ist.

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Tom Tautz

Nicht nur der Wind verschlägt einem hier auf Sylt ab und zu die Sprache.
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